Ernie & Bert fahren am liebsten Volkswagen

Am Sonntag war die “Kika Sommer-Tour” am Berliner Ostbahnhof zu Gast. Sie wissen schon: Kika, der Kinderkanal von ARD und ZDF, der gerne mit der Werbefreiheit seines Programms wirbt, mit der Werbefreiheit seines Online-Angebots und der Werbefreiheit seiner kürzlich per Drei-Stufen-Test genehmigten Lern- und Spieleplattform kikaninchen.de.

Letztere durfte auf der “Sommer-Tour” ihren eigenen Hindernisparcours aufbauen, für den sich Eltern mit dem Nachwuchs an Schildern anstellten, auf denen stand: “Ab hier noch 120 Minuten warten.” Aber das war natürlich nicht das einzige Highlight der Tour. Hier sind die anderen: zum Beispiel der große Informationsstand der Deutschen Bahn …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… und die “VW Youngstar-Welt”, in der Kinder “Automobile auf spielerische Art und Weise entdecken”, wie die VW-Pressestelle informiert. Unter anderem auf einem Verkehrsübungsplatz, der mit kleinen New Beetles befahren werden konnte …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… oder am VW-Fahrsimulator …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… und natürlich beim Packspiel, bei dem Familien innerhalb von zwei Minuten so viele Gepäckstücke wie möglich in einen VW Sharan räumen mussten, um eine Ballonfahrt zu gewinnen. Nebenbei erfuhren Mama und Papa, dass dieser Sharan unglaublich geräumig ist, wie der Mitarbeiter im Kika-Hemd am Mikrofon erklärte.

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

Es ist ein merkwürdiges Selbstverständnis, das der Kika pflegt: einerseits herauszustellen, dass sein Programm dank Gebühren ohne Werbung auskommt und andererseits mehrere hundert Quadramtmeter seiner “Sommer-Tour” an Werbepartner zu vermieten. Dies geschehe allerdings “ohne kommerziellen Ansatz”, betont Kika-Sprecherin Christiane Rohde auf Nachfrage. Die Partner seien notwendig, um die Tour eintrittsfrei zu halten. Das mag ja stimmen und “streng an den Richtlinien” orientiert sein, die sich der Sender selbst gegeben hat, unterscheidet die Veranstaltung aber ganz und gar nicht mehr von denen der Konkurrenten Super RTL und Nick, von denen man sich beim öffentlich-rechtlichen Kika sonst so gerne abgrenzt.

Kika-Sprecherin Rohde erklärt auch noch, warum die Werbung eigentlich gar keine Werbung ist:

“Die Auswahl der Kooperationspartner erfolgt selektiv und muss mit den Grundregeln des Kika vereinbar sein. So wird Wert darauf gelegt, dass dieser Partner nicht Kinder als direkte Zielgruppe sehen.”

Stimmt: Der Kika nutzt seine junge Zielgruppe bloß als Lockmittel für die Eltern, die ja zwangsläufig mit zu so einer Veranstaltung kommen, wo sie dann die Vorzüge eines neuen Wagens angepriesen bekommen.

Wie gut die Symbiose funktioniert, zeigt sich unter anderem daran, dass jeweils am Tag vor der “Sommer-Tour”, die Woche für Woche eine andere Stadt bereist, ein VW-Händler zum “Foto-Shooting mit Ernie & Bert” – und wie in Berlin: samt Autohaus-Maskottchen – bittet, wo sich die Kinder mit riesigen Sesamstraßen-Figuren fotografieren lassen können während sich die Eltern über neue Sondermodelle informieren. Im Autohaus natürlich.

Fotoshooting Ernie & Bert beim VW-Händler in Berlin

Nachher gibt’s einen Kika-VW-Ferienplan als Andenken – und die Fotos dürfen eine Woche später beim Händler abgeholt werden.

Ich kann Ihnen trotzdem nur raten: gehen Sie, die in Wiesbaden, Hamburg und Erfurt noch eingeladen sind, dort nicht hin, wenn Sie ihre Kinder gern haben. Dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, mögen die meisten jungen Seelen ja noch verkraften. Aber Ernie und Bert zu sehen, die traurig die Schultern hängen lassen und nachher mit gesenktem Kopf zur Rauchpause aus dem Hintereingang eines Autohauses im Industriegebiet schlurfen, wird auch dem hartgesottensten Kind einen Knacks fürs Leben versetzen.

bisher 39 Kommentare 19. August 2010

“Danke schön, Betty Barclay”

Anfang Mai im “ZDF-Fernsehgarten”: Moderatorin Andrea Kiewel begrüßt die Chefdesignerin des Modelabels Betty Barclay bei sich in der Sendung. “Wir kennen uns ja noch vom letzten Jahr. Bei ihr ist definitiv Sommer – und darum geht’s jetzt auch in der tollen Betty-Barclay-Modenschau.”

Lange Bluse mit kräftigen Drucken sind ein tolles Sommernanfangs-Outfit. Tunika und die passende Tasche gehören dazu. Kleine Jäckchen sind die Muss-Artikel. Kiewel sagt: “Toll.” Und: “Ein ganz schönes Kleid, wirklich.” Und: “Sehr schön.” Die Designerin sagt: “Schmuck komplettiert jedes Outfit, ist also ganz wichtig – auch von Betty Barclay.” Und Kiewel: “Danke schön, Betty Barclay.” Zumal der nächste Musil-Act “so toll zur Mode von Betty Barclay” passt. Im Abspann steht für eine Sekunde: “Zu dieser Sendung wurde Produktionshilfe geleistet von: Betty Barclay.”

Es ist beim ZDF ein übliches Verfahren, Unternehmen im “Fernsehgarten” ihre Produkte präsentieren zu lassen ohne das Werbung nennen zu müssen, ermöglicht durch neue Vorgaben im 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag.

Produktionshilfen im "Fernsehgarten"-Abspann
Screenshots: ZDF

Und eine ziemliche Unverschämtheit für jeden Gebührenzahler, der ein unabhängiges und werbefreies Programm erwartet. Bei den Kollegen vom “journalist” steht eine Auflistung bisheriger “Produktionshilfe”-Partner der aktuellen “Fernsehgarten”-Saison und eine Meldung zum Text, den ich für die Printausgabe geschrieben habe (derzeit nicht frei online).

Mehr zu den “Fernsehgarten”-Deals: “Vielen Dank für die Blumen” (Spiegel Online vom Mai).

bisher 6 Kommentare 03. August 2010

Mehr Helikopter wagen!

Liebe KEF, wir müssen reden. Ich weiß, du hast deinen Bericht für die Gebührenperiode bis zum Jahr 2012 bereits veröffentlicht, alles ist sorgfältig ausgerechnet und abgewogen. Dennoch wird eine Korrektur notwendig sein: ARD und ZDF brauchen ein klitzekleines bisschen mehr Geld als gedacht.

Um sich einen Helikopter zu kaufen.

Ich will ehrlich sein: Das ist auf meinem Mist gewachsen – gestern, als ich live im britischen Fernsehen sah, wie Gordon Brown in einer bewegenden Rede vor No. 10 Downing Street seinen Rücktritt als Premierminister verkündete und anschließend mit seiner Frau in den Wagen stieg, um wenige hundert Meter bis zum Buckingham Palace zu fahren, wo er von der Queen offiziell aus dem Amt entlassen wurde. Das Fernsehen war die ganze Zeit dabei, und es hat mich auch auf diesem Weg, als Brown für wenige Minuten im Auto saß, nicht allein gelassen. Denn über der Stadt rotierte der Skycopter des Nachrichtensenders Sky News.


Screenshot: Sky News

Im Buckingham Palace selbst durfte nicht gedreht werden, aber es dauerte nicht lange, bis Brown wieder ins Auto stieg und zum Hauptquartier seiner Labour-Partei fuhr, wo er eine weitere bewegende Rede hielt – natürlich ohne dass ihn die von oben auf sein Auto gerichtete Kamera bis dahin aus der Linse gelassen hätte.

Kurze Zeit war auch Wahlsieger David Cameron unterwegs – zumindest hatte der Skycopter einen silbernen Wagen eingefangen, der Richtung Buckingham Palace steuerte (auch wenn die Reporterin der Vollständigkeit dazu sagte, man sei nicht ganz sicher, ob der Wagen wirklich Camerons sei) und anschließend zur Downing Street fuhr.


Screenshots: Sky News

Nun ist es vermutlich Ehrensache, wenn ein Sender Sky heißt, dass er sich auch einen Helikopter leistet, um bei wichtigen Anlässen den Überblick zu behalten. Aber für einen einfachen Zuschauer wie mich, der sonst vorrangig deutsches Nachrichtenfernsehen sieht, das ständig von Ufo-Reportagen oder Ulrich Deppendorf unterbrochen wird, war es ein geradezu erhebendes Gefühl: London glänzte in der Abendsonne, Fotografen rannten den Fahrzeugen nach, um den einen Schnappschuss zu machen, der am anderen Morgen die Titelseiten schmücken würde. Cameron stand eine Zeitlang im Feierabendstau, fast hätte ein Bus seinen Wagen angeschrammt. Und ich hatte das Gefühl, in einem sehr, sehr wichtigen Moment dabei zu sein – alleine schon der Perspektive wegen, die man als Deutscher nur von der Verfolgungsjagd auf OJ Simpson oder aus der RTL-Sendung „Die dümmsten Autofahrer“ kennt.

Ich finde, wir brauchen das auch.

Man muss sich das nur mal kurz vorstellen: Was wäre es für eine Bereicherung gewesen, wenn die ARD am vergangenen Sonntag nicht doof im Düsseldorfer Landtag gestanden hätte als sich Wahlverlierer Jürgen Rüttgers heimlich durch einen Nebenausgang absetzte anstatt wie versprochen bis zur „Tagesschau“ zu bleiben. Mit Helikopter (und Frank Plasberg an Bord) wäre es ein Leichtes gewesen, ihn zu stellen!

Und dann Angela Merkel bei ihrer Vulkanasche-Fahrt quer durch Europa! Mit dem Mobiltelefon haben sich die Journalisten von ARD und ZDF in die Livesendungen telefoniert, um zu berichten, dass ihr Begleitbus gerade eine Panne hatte und die Kanzlerin schon mal vorgefahren ist. Spätestens in diesem Moment hätte man doch einsehen müssen, dass es ohne Heli nicht mehr geht.

Auf N24 und n-tv wird da nicht zu hoffen sein. Wenn die sich eine solche Anschaffung überhaupt leisten können, müsste der Reporter aus Spargründen vermutlich gleichzeitig steuern und filmen. Solche Wackelbilder sind aber zuhause kaum noch jemandem zumutbar. Also ruht die Hoffnung auf ARD und ZDF. Es ist höchste Zeit: Deutschland braucht einen gebührenfinanzierten Nachrichtenhelikopter!

bisher 11 Kommentare 12. Mai 2010

Massenabfertigung in Zeiten der Krise

So sah das aus als Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern dem “RTL Nachtjournal”-Moderator Cristof Lang anlässlich der Griechen- und Euro-Krise ein Interview gab:

kriseninterv01
Screenshot: RTL

Und so sah das aus als Merkel dem N24-Chefredakteur Peter Limbourg ein sehr ähnlich klingendes Interview gab:

kriseninterv02
Screenshot: N24

Bei ARD und ZDF hat sich Merkel dann auch noch interviewen lassen (allerdings vor anderen Kulissen), vermutlich war auch das Gespräch mit Tele 5 schon zugesagt bis dem Sender aufgefallen ist, dass er gar keine Nachrichten sendet, auf jeden Fall hat sie überall mit großer Geduld das wiederholt, was sie zuvor schon sehr oft erzählt hatte. Aber am Ende ist nur RTL auf die Idee gekommen, das vorab in eine Pressemitteilung zu schreiben und dazu zu notieren:

“Bei Verwendung bitte Quellenhinweis ‘RTL Nachtjournal’ beachten!”

bisher 3 Kommentare 04. Mai 2010

Reden wie Markus Schächter (4)

“Dach des Fernsehens”: Internet

“krisensichere Content-Anbieter”, “mediale Seismographen als soziales Frühwarnsystem”: öffentlich-rechtliche Sender

“Volk der User”: Menschen, die online miteinander kommunizieren

“Player der Konvergenz, die die Schlagzahl im Tempo der Transformation erhöhen”: die Googles dieser Welt; siehe “Reden wie Markus Schächter (1)”

“fotorealistischer Weltvermesser”: Google Street View

“Verteilzentren zwischen Inhalte-Anbietern und Internet-Nutzern”: soziale Netzwerke

“eine Zeit digitaler Kakophonie, in der oft der Lauteste gewinnt”: Wettbewerb der Medien

“Zufalls-, Individualitäts- und Begegnungs-Journalismus”: Inhalte von Blogs und sozialen Netzwerken

“Glaubwürdigkeits-Publizität”: klassische Medien

“die evidente Entautorisierung der medialen Information”: Konkurrenz für klassische Medien durch Blogger und Autoren, die keine Journalisten sind

“Axiome eines bisher selbstverständlich dominanten Ethos von Information, bei dem journalistische Professionalität als Glaubwürdigkeitsagentur fungierte”: Journalismus

Quellen: Rede zur Eröffnung der 43. Mainzer Tage der Fernsehkritik (pdf), DWDL

Bisher erschienen:
Reden wie Markus Schächter (1)
Reden wie Markus Schächter (2)
Reden wie Markus Schächter (3)

bisher 8 Kommentare 23. März 2010

ZDF: Das ist mein Laden!

Am Ende des Jahres sind im ZDF immer noch eine Menge aus Hollywood eingekaufter Blockbuster übrig, die dann schön zwischen den Jahren und nach Neujahr weggesendet werden. Den Kollegen von DWDL.de hat ZDF-Spielfilmchef Norbert Himmler vor einigen Wochen erklärt:

“Wir sparen sie uns vom Munde ab und heben sie bis zum Dezember auf. (…) In den letzten drei Jahren haben wir da auch mit großem Erfolg gezeigt, dass wir mit so einer Spielfilm-Kampagne auch die Zuschauer jungen und mittleren Alters auf uns aufmerksam machen können.”

Mit “Spielfilm-Kampagne” meint Himmler vermutlich die Plakate zu “Batman begins”, mit denen sein Sender im vergangenen Jahr ganze Städte zuklebte, um für die Free-TV-Premiere am 29. Dezember zu werben (siehe batmannews.de). Die Website zur Filmpremiere wurde übrigens bei der großen ZDF-Online-Löschaktion dieses Jahr noch nicht “depubliziert”.

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Foto: batmannews.de

Und was lernen wir daraus? Na, zum Beispiel, dass beim ZDF am Ende des Jahres nicht nur eine Menge Blockbuster übrig sind, sondern auch noch ein ganzer Batzen Kohle aus dem Werbebudget, der zum Beispiel nicht dafür gebraucht wurde, um einer breiten Öffentlichkeit das Einschalten von Sendungen wie “37 Grad”, “aspekte” oder “Das kleine Fernsehspiel” zu empfehlen. Die kennt ja eh schon jeder. Da sich das Zweite dieses Jahr mit Free-TV-Premieren zurückhält (und heute, am 29., bloß den ziemlich doofen Actionfilm “Troja” mit Brad Pitt zeigt, während RTL sich “Batman begins” geschnappt hat), muss das Geld eben anderweitig ausgegeben werben.

Aber auch dafür hat man in Mainz eine Lösung gefunden.
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bisher 2 Kommentare 29. Dezember 2009

Tragische Exklusivmeldung der ZDF-Pressestelle

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Hinweise bitte ans Heidelberger Fundbüro unter der Nummer 06221 / 653797 (montag bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, freitags 8 bis 14 Uhr).

bisher 5 Kommentare 12. Oktober 2009

Die Posemuckeligkeit des “Tagesspiegel”

Am Sonntag ist in Berlin die Leichtathletik-WM in Berlin zu Ende gegangen und damit glücklicherweise auch die dazugehörige Medienkolumne des Berliner “Tagesspiegel”, die aus dem Jammern über die schlimmen Fernsehübertragungen nicht herauskam und in der Joachim Huber am Samstag vor einer Woche von ARD und ZDF forderte:

“Das ist eine Weltmeisterschaft, auch wenn sie in Berlin stattfindet. (…) Daraus in Bild und Ton eine deutsche Meisterschaft mit internationaler Randbeteiligung zu machen, wäre posemuckelig.”

Matthias Kalle, der im Jammern übers Fernsehen ja auch sonst ganz groß ist, erinnerte am Donnerstag dann noch mal:

“Am Sonntag wurde an dieser Stelle gemahnt, man dürfe aus einer Weltmeisterschaft keine Deutsche Meisterschaft machen, leider gibt es dazu die Tendenz. Jedem deutschen Sportler – und sei er nur aus Mitleid dabei – wird mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Spitzenleuten (abgesehen von Usain Bolt). Das nervt.”

Nun, zum Ende, bilanziert Kalle:

“Alles Mahnen hat nichts genützt: Dass doch ARD und ZDF aus einer Weltmeisterschaft bitte keine nationalen Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung machen. Als Zuschauer fühlte man sich oftmals veräppelt, da man ahnte, dass ein paar Meter weiter gerade wirklich etwas passiert – zu sehen bekam man das dann nicht, weil sich irgendwo was Deutsches aufwärmte.”

Okay, ich hab das jetzt verstanden: Der “Tagesspiegel” war genervt davon, wie ARD und ZDF die deutschen WM-Teilnehmer hochjubeln, vor, während und nach der WM. Mir ging es übrigens genauso. Ich kann nur nicht nachvollziehen, weshalb man das täglich in die Zeitung schreiben muss. Außer es fällt einem nichts anderes ein.

Und das wäre ja irgendwie – posemuckelig. Was immer das zu bedeuten hat.

bisher 2 Kommentare 23. August 2009

Reden wie Markus Schächter (3)

“Hersteller von Bewegtbild im Informations- und Erzählbereich”: Fernsehen

“Gesellschaft, die sich als Gesetzäquivalent konstituiert hat”: Fernsehrat

“Teil einer Vitalitätsquelle, die wir durchaus brauchen”: Werbung

“Gewaltiges Maß, das der Gebührenzahler nicht berücksichtigen muss”: Werbeeinnahmen von ARD und ZDF

“Formate, die sich im kollektiven Bewusstsein der Zuschauer als etwas Besonderes mit Mehrwert dargestellt haben”: langfristig erfolgreiche Sendungen

“Möglichkeit der 360-Grad-Ausstrahlungsform”: Zusätzliche Programmverbreitung im Internet

“neue Ansprache von Publikum mit dem Ziel, dass wir in der Diversifikation unserer Plattformen und Kanäle zum Schluss mehr Zuschauer in der Reichweite erreichen als wir es mit dem Einkanalsystem ZDF früher erreichen konnten”: Wiederholungen in der Mediathek und den Digitalkanälen

“Das Netz und seine Grammatik”: Gewohnheiten im Internet

“Wichtiges kompetitives Element des Netzes”: Aktualität

“Spirit des Staatsvertrags”: gesetzliche Vorgaben für das ZDF

Quellen: Eröffnungspanel Medienforum NRW, Interview in “epd medien” 49/09

Bisher erschienen:

bisher 7 Kommentare 29. Juli 2009

Wenn sich deutsche Sender selbst anzeigen

Das neue “Jahrbuch Fernsehen” des Grimme-Instituts ist erschienen (jedenfalls meinem Bürokollegen, mir noch nicht) und es kann sich nur noch um wenige Tage handeln, bis Harald Keller in der “Frankfurter Rundschau” eine ausführliche Rezension veröffentlicht. Beim ersten Durchblättern des Buchs ist mir aufgefallen: Ich versteh’s nicht. Den Inhalt schon (zumindest in Teilen). Aber die Selbstdarstellungs-Anzeigen der Sender nicht, die da traditionell aus Freundlichkeit geschaltet werden. Ok, dass RTL mit einem Bild von Hugh Laurie und dem Spruch “Unsere Housemarke” wirbt – geschenkt! Hat sich eben einer in der Mittagspause ausgedacht.

Aber schon beim ZDF, das sich die Rückseite des Umschlags gesichert hat, scheitere ich. Über einem auf den Kopf gestellten orangefarbenen Sofa (das so ähnlich schon bei der Berlinale in Übergröße an den Potsdamer Platz geschnallt wurde, nur richtig herum), steht:

jbtv0901

Häh? Ich kann mein Sofa umdrehen und mir ein Auge zuhalten, das ZDF bleibt trotzdem das ZDF? Es besteht also keine Hoffnung auf Besserung, ist das gemeint? “Sie können sich auch ein Loch ins Knie bohren und ein Brett vor’n Kopf nageln: Mit dem Zweiten sieht man besser” geht dann aber auch. Die ARD bildet auf der ersten Umschlagsseite lieber einen Salzstreuer mit Löchern in Einser-Form ab und schreibt drunter: “Fernsehen mit Geschmack” – aber irgendwie lädt das doch zum Nachwürzen ein, weil es offensichtlich ein bisschen fad geworden ist, das Fernsehen, oder?

jbtv0902

Am tollsten finde ich allerdings den Spruch von Pro Sieben Sat.1, das ja nicht mehr Pro Sieben Sat.1 heißt, sondern “German Free TV” bzw. um’s ganz genau zu nehmen: “GERMANFREETV“. Da steht über einem Handy, auf dem lauter kleine Bildchen zu sehen sind, die sich kaum erkennen lassen:

jbtv0903

Aha. Also: lauter kleine Bildchen, die sich nicht erkennen lassen?

Mannomann, bei den deutschen Sendern muss aber echt die ganze Energie ins Programm fließen, so wenig wie davon für die Eigenwerbung übrig ist.

bisher 9 Kommentare 28. Juli 2009

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