Der dreimalige Einmaleffekt

Zwölf Minuten dürfen Privatsender in Deutschland pro Stunde Werbung zeigen. Und die meisten machen auch davon Gebrauch, vor allem zur Hauptsendezeit nach 20 Uhr, weil dann die meisten Zuschauer vor dem Fernseher sitzen, und die Sender dann richtig Geld verdienen wollen.

Man kann natürlich auch Rücksicht auf die Zuschauer nehmen und es so machen wie Pro Sieben am Montag in seiner neuen Show “Gameshow-Marathon”:

Erste Werbepause “Gameshow-Marathon”, ca. 20.41 Uhr, 10 Spots, ca. vier Minuten.

Zweite Werbepause “Gameshow-Marathon”, ca. 20.59 Uhr, 9 Spots, ca. dreienhalb Minuten.

Der Pro-Sieben-Sat.1-Vermarkter Seven One Media in Unterföhring erklärt auf Nachfrage freundlicherweise, dass Werbekunden bei neuen Sendungen immer ein bisschen vorsichtiger mit ihren Spotbuchungen seien. Aha. Das gilt dann ja wohl auch weiterhin für “Liebe isst… – Das Single-Dinner”, das vor dem “Gameshow-Marathon” lief:

Erste Werbepause “Liebe isst…”, ca. 20.10 Uhr, 10 Spots, ca. drei Minuten.

Na ja, und – äh – für die neue Mysteryserie “Lost” direkt im Anschluss:

Erste Werbepause “Lost”, ca. 21.34 Uhr, 14 Spots (abzüglich drei Pro-Sieben-Entertainment-Tipps), ca. fünf Minuten.

Kann es sein, dass es bei Pro Sieben wirtschaftlich gerade nicht so gut läuft?

bisher 5 Kommentare 16. Januar 2007

Essen ist fertig

Wenn Vox “Das perfekte Dinner” um fünf Minuten bis 19.50 Uhr verlängert, um Pro Sieben mit seinem um 19.45 Uhr startenden “Single-Dinner” zu schaden, und Pro Sieben sein “Single-Dinner” um fünf Minuten kürzt, um es erst um 19.50 Uhr anfangen zu lassen, wenn “Das perfekte Dinner” um diese Zeit aber (wie gestern) immer noch nicht zu Ende ist und das jetzt so weiter geht…

…dann hat “Galileo” bald seine ursprüngliche Sendezeit von 60 Minuten zurück und Vox sein Problem gelöst, nach 19.45 Uhr Marktanteile an die Konkurrenz abgeben zu müssen, weil das eine Dinner einfach immer länger und das andere einfach immer kürzer wird, bis das eine irgendwann zu lang und das andere zu kurz ist und alle Zuschauer einfach “Quiztaxi” auf Kabel 1 einschalten.

jetzt kommentieren? 16. Januar 2007

VoD-Angebot RTL Now! startet mit “CSI” und “GZSZ”

Ein halbes Jahr nach dem Start von Maxdome bei Pro Sieben Sat.1 ist nun also auch RTL ein Video aufgegangen.

Das neue VoD-Angebot heißt RTL Now!, macht noch keinen sehr stabilen Eindruck, ist aber schon auf RTL.de verlinkt. Nur die etwa einen Monat alte Domain rtl-now.de verlinkte am Montagmorgen noch auf die RTL-Programmübersicht im Netz. Bisher lassen sich Folgen von “CSI: Miami” (Staffel 4) und “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” ansehen. Die vorherige Anmeldung bei RTL.de ist Pflicht (und der Haken bei “RTL Partnermail – Interessante Angebote und Informationen von unseren Partnerunternehmen” automatisch gesetzt).

“GZSZ”-Folgen im Einzelabruf kosten 1,99 Euro, ein Jahresabo kriegt man für 79,99 Euro. Ein “CSI: Miami”-Abo gibt’s für 12,99 Euro, allerdings gilt das nur bis zum 20. Februar. Anfang März will RTL neue Folgen zeigen und die dann im Netz auch als Preview anbieten (derzeit laufen Wiederholungen im TV). Bezahlt wird über T-Pay oder Click & Buy. Derzeit ist der Internet Explorer Voraussetzung für den Abruf.

Einen Partner wie Pro Sieben Sat.1, das bei Maxdome mit 1&1 kooperiert, hat man sich bei RTL für das Video-on-Demand-Angebot offenbar nicht gesucht. RTL Now! soll direkt in RTL.de eingebunden sein und nicht wie Maxdome als eigenständiges Portal funktionieren.

Und so sieht “RTL Now!” aus:

rtlnow.jpg
Screenshots: RTL.de

Nachtrag: Eine Settopbox wie bei Maxdome, um die Inhalte direkt vom DSL-Anschluss aufs Fernsehgerät zu übertragen, wird es wohl nicht geben, erklärt man bei RTL Interactive in Köln auf Nachfrage.

bisher 7 Kommentare 15. Januar 2007

Ein Prosit aufs Schleichwerbeverbot

Aus Biersdorf am See meldet epd heute:

“Der Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, Gerd Bauer, hat Produktplatzierungen in der ZDF-Show ‘Wetten, dass..?’ kritisiert. Die von Thomas Gottschalk moderierte Sendung sei ein ‘vielfach bemühter Kronzeuge für das Scheitern des Schleichwerbeverbots’, sagte Bauer am Freitag in Biersdorf am See bei den 48. Bitburger Gesprächen.”

Enttäuschenderweise haben die dann aber offenbar doch nichts mit der gleichnamigen Brauerei zu tun. (Für einen schnellen Gag reicht’s allemal.)

jetzt kommentieren? 12. Januar 2007

Fünf sind noch frei

So. Jetzt haben wir also seit einer Weile einen “Fun Friday” bei Sat.1 und ab Februar einen “Funday Monday” bei Kabel 1. Was kommt als nächstes?

Erfindet RTL für seinen US-Serienabend den “Turbo Tuesday”? Den “Thriller Thursday”? Oder Vox für seine Reisemagazine den “Get away Saturday”?

Wer beim Fernsehen bloß immer diese seltsamen Ideen hat…

bisher 1 Kommentar 12. Januar 2007

Von sich auf andere

Wir wollen an dieser Stelle nicht weiter böse zu “V.i.S.d.P.” sein. Natürlich ist es blöd, wenn ein Heft eingestellt wird, egal welche Meinung man dazu hat. Vor wenigen Wochen wurde in diesem Blog mit einem fiesen ironischen Unterton darüber gespottet, dass es “V.i.S.d.P.” nicht mehr gibt.

Das war ein schlimmer Fehler.

Hiermit entschuldigt sich der Autor förmlichst für seine Entgleisung und distanziert sich von seiner damaligen Behauptung, das Magazin sei “sehr bunt, sehr irrelevant” gewesen (usw.). (Mit dem bösen, bösen Eintrag im sonst so sehr geschätzten Zeitschriftenblog und dem im Niggeblog wollen wir auch nichts zu tun haben!)

Aber kommen wir nun zu Relevanterem: In der neuesten Ausgabe des wöchentlich erscheinenden Newsletters “V.i.S.d.P.” bietet die Redaktion ihren Lesern “Die große Vanity-Fair-Wette” an:

“Einer der spannendsten Magazin-Launche der letzten Jahre steht bevor: Am 8. Februar soll die deutsche Ausgabe von VANITY FAIR erstmals am Kiosk liegen. Fragt sich nur, ob Condé Nasts verwegenes Konzept eines Wochentitels aufgeht, oder ob Poschardt und Co. schon bald ihre Macs aus dem Loftbüro Unter den Linden buckeln müssen. V.i.S.d.P. will wissen: Nach wieviel Ausgaben ist Schluss mit VANITY FAIR?”

Neben dem Text steht ein Kästchen, in das man seinen Tipp eintragen soll, um ihn auszudrucken und an die Redaktion zu faxen.

“Wer richtig liegt, bekommt eine Flasche Schampus. Unser Tipp: Nach 17 Nummern ist Ende.”

Und vielleicht fragt sich jetzt jemand: Wie kommen die bloß auf 17 Ausgaben?

Die Antwort ist leicht: Bei “V.i.S.d.P.” haben sie in der Schule einfach nicht aufgepasst, als die Lehrerin erklärt hat, dass man nicht von sich auf andere schließen soll.

visdpallstars.jpg
Cover: “V.i.S.d.P.”

bisher 2 Kommentare 12. Januar 2007

Im Link vergriffen

Bei Welt.de schreibt Lars Kreye unter der Überschrift “Dieter Bohlens tiefer Griff ins Klo” darüber, wie sich der “Superstar”-Chef mit seinen fiesen Sprüchen am Mittwochabend beim “DSDS”-Auftakt “im Ton vergriffen” hat:

“So was wirkt überzogen, weit weg von einem professionellen Casting und manchmal vermutet man die übereifrige Feder eines Autoren hinter den Sprüchen. Wie geplant die Provokationen auch sein mögen, es gehört eine Menge Taktlosigkeit dazu, einem ehrlich bemühten Mädchen mit dem Spruch abzuwatschen: „Wenn du deine Stimmbänder in die Mülltonne schmeißt ist das artgerechte Haltung“. Da fängt man an, sich als Zuschauer schlecht zu fühlen.”

Und drunter verlinkt Welt.de die Bildergalerie “Die härtesten Sprüche aus DSDS”, in der Bohlens Unverschämtheiten noch einmal breit ausgewalzt werden…

bohlen_welt.jpg
Screenshot: Welt.de

…vermutlich, um die Internet-Nutzer nachfühlen zu lassen, wie schlecht es einem am Abend zuvor als Zuschauer gegangen sein muss.

bisher 1 Kommentar 11. Januar 2007

Wie man einen ganz tollen Posten angeboten bekommt

Es wollen ja so viele junge Leute Medienjournalisten werden, hört man. Das ist schön. Und Hajo Schumacher, Herausgeber bei “V.i.S.d.P.”, dem ersten Medienmagazin, das zwar kein Heft mehr hat, aber immer noch einen eigenen Journalistenpreis, weiß auch, wie man das am besten anstellt.

In einem Text der “Neuen Gegenwart” rät er jungen Journalisten, den Medienjournalismus als Sprungbrett zu nutzen:

“Wenn sie die Kraft und den Mut haben, ein großes Medienhaus lang anhaltend zu kritisieren, und sie sich ein gutes Informationsnetz aufbauen und dann immer noch weiter kritisieren, dann werden sie irgendwann von einem großen Verlagshaus weggekauft. Sie werden ihnen ganz viel Geld anbieten, dass sie nicht mehr gegen sie schreiben, sondern werden ihnen einen ganz tollen Posten bei sich anbieten.”

Hat er das ironisch gemeint? Bitte, bitte, das hat er ganz bestimmt ironisch gemeint.

bisher 1 Kommentar 10. Januar 2007

Sowas ähnliches

Neulich bei Sat.1 in Berlin:
“Hmm. Wie nennen wir denn unsere Dokusoap, in der Familien porträtiert werden, die umziehen und anderswo ein neues Leben anfangen?”

“Überleg nicht so lange, sonst hat nachher wieder die Kantine zu. Bei Kabel 1 machen sie diese Auswanderer-Soap: ‘Mein neues Leben’ – nehmen wir doch sowas ähnliches.”

“Gut. ‘Unser neues Leben’ klingt ganz vernünftig.”

Kürzlich bei Kabel 1 in München:
“Hast du gesehen, dass die bei Sat.1 ihre Dokusoap fast genauso genannt haben wie unsere? Sind die blöd?”

“Revanchieren wir uns halt. Die drehen gerade diese Comedy mit Christoph Maria Herbst, in der lauter Pannen passieren: ‘Die schlimmste Woche meines Lebens’. Und wir brauchen noch einen Namen für unsere Versteckte-Kamera-Show, in der lauter Pannen passieren.”

“Wenn du meinst. Ich finde ‘Mein schlimmster Tag’ ganz in Ordnung.”

“Jetzt lass uns aber endlich was essen gehen.”

bisher 1 Kommentar 09. Januar 2007

Setzen, sechs!

In den kommenden Wochen zeigt das Erste dienstags bis donnerstags um 18.50 Uhr die Dokusoap “Bräuteschule 1958″, in der zehn junge Frauen so tun, als lebten sie in den 50er Jahren und sich in einem Internat mit strengen Lehrern zur perfekten Hausfrau drillen lassen. Das erinnert doch sehr an die ZDF-Dokusoap “Die harte Schule der 50er Jahre”, die im Mai 2005 lief. Vergleichen wir doch mal die beiden Auftaktfolgen.

harteschule.jpg

1’10: Im Trailer werden die Lernziele “Ordnung”, “Benehmen”, “Fleiß”, “Gehorsam” eingeblendet.
2’34: Der Rektor begrüßt die Schülerinnen und Schüler mit ihren Angehörigen auf Burg Hohenfels und sagt anschließend: “Und nun habt ihr genau drei Minuten Zeit, euch von euren Angehörigen zu verabschieden.”
3’58: Erster Schwarzweiß-Einspieler übers Internatleben in den 50ern.
7’01: Die Schüler lachen sich schief über die albernen Klamotten, die sie anziehen sollen: Feinrippunterhosen, Schuluniformen.
10’59: Martin ist geschockt, weil er seine langen Haare abgeschnitten und eine Kurzhaarfrisur verpasst bekommt.
16’48: Die Schüler dürfen nur eine private Sache behalten, der Rest muss abgegeben werden. Manche verstecken Schokolade und Zigaretten unterm Kopfkissen und hinter der Heizung.
22’26: Schwester Elisabeth zeigt den Schülern, wie man korrekt Betten macht.
30’27: Zweiter Schwarzweiß-Einspieler.
35’39: Maximilian wird beim Kaugummikauen erwischt und bestraft. Bei den Mädchen werden Zigaretten gefunden. Lehrerin Frau Becker: “Das wird Konsequenzen haben.”

braeuteschule.jpg

0’52: Im Trailer werden die Lernziele “Ordnung”, “Disziplin”, “Anstand” eingeblendet.
1’02: Erster Schwarzweiß-Einspieler über Hauswirtschaftsschulen in den 50er Jahren.
3’04: Die Rektorin begrüßt die Schülerinnen mit ihren Angehörigen auf Schloss Soonwald und sagt anschließend: “Ich gebe Ihnen genau drei Minuten, sich von Ihren Angehörigen zu verabschieden.”
6’11: Hannah ist todunglücklich, weil sie ihre langen Haare abgeschnitten und eine Dauerwelle verpasst bekommt.
7’07: Zweiter Schwarzweiß-Einspieler.
8’19: Die Schülerinnen lachen sich schief über die albernen Klamotten, die sie anziehen sollen: Büstenhalter, Unterröcke, Uniformen.
10’19: Eine Lehrerin zeigt den jungen Frauen, wie man korrekt Betten macht.
13’30: Dritter Schwarzweiß-Einspieler.
20’17: Die Mädchen dürfen nur eine private Sache behalten, der Rest muss abgegeben werden. Eine Schülerin versteckt Schokolade und Zigaretten in Socken und unter Blumentöpfen.
22’17: Saskia wird erwischt, wie sie heimlich Deo benutzt. Die Rektorin: “Das wird Konsequenzen haben.”

Gibt es eigentlich eine Stelle bei der ARD, an die man sich wenden kann, wenn man seine Gebühren zurückerstattet haben möchte?

bisher 3 Kommentare 08. Januar 2007

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