Reden wie Markus Schächter (4)

“Dach des Fernsehens”: Internet

“krisensichere Content-Anbieter”, “mediale Seismographen als soziales Frühwarnsystem”: öffentlich-rechtliche Sender

“Volk der User”: Menschen, die online miteinander kommunizieren

“Player der Konvergenz, die die Schlagzahl im Tempo der Transformation erhöhen”: die Googles dieser Welt; siehe “Reden wie Markus Schächter (1)”

“fotorealistischer Weltvermesser”: Google Street View

“Verteilzentren zwischen Inhalte-Anbietern und Internet-Nutzern”: soziale Netzwerke

“eine Zeit digitaler Kakophonie, in der oft der Lauteste gewinnt”: Wettbewerb der Medien

“Zufalls-, Individualitäts- und Begegnungs-Journalismus”: Inhalte von Blogs und sozialen Netzwerken

“Glaubwürdigkeits-Publizität”: klassische Medien

“die evidente Entautorisierung der medialen Information”: Konkurrenz für klassische Medien durch Blogger und Autoren, die keine Journalisten sind

“Axiome eines bisher selbstverständlich dominanten Ethos von Information, bei dem journalistische Professionalität als Glaubwürdigkeitsagentur fungierte”: Journalismus

Quellen: Rede zur Eröffnung der 43. Mainzer Tage der Fernsehkritik (pdf), DWDL

Bisher erschienen:
Reden wie Markus Schächter (1)
Reden wie Markus Schächter (2)
Reden wie Markus Schächter (3)

bisher 8 Kommentare 23. März 2010

Wie darf ich Sie heute inspirieren?

Bei evangelisch.de, dem Online-Portal des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik (GEP), steht heute in der Rubrik Medien eine Geschichte, die den Verantwortlichen so gut gefallen hat, dass sie dafür extra eine Textanzeige bei turi2.de gebucht haben:

turitext01

Es geht um die RTL-2-Dokusoap “Mädchen-Gang”, die zeigt, wie gewaltbereite Teenager mit ihren Straftaten angeben dürfen bevor sie sich vom Sender läutern lassen. Die Organisation Weißer Ring, die sich um die Opfer von Straftaten kümmert, findet das nicht so gut und kritisiert die Sendung mit deutlichen Worten. Autorin Miriam Bunjes hat sich mit Sprecher Veit Schiemann unterhalten, mal bei RTL 2 nachgefragt und sich bei der Kommission für Jugendmedienschutz nach einer Bewertung erkundigt.

evangel01

Lustig. Genau das hab ich vor zwei Wochen nach dem Start der Sendung auch fürs Fernsehblog bei FAZ.NET gemacht: Mit Herrn Schiemann vom Weißen Ring gesprochen (dessen Zitate nun auch bei evangelisch.de stehen), bei RTL 2 angefragt (wo man der Kollegin das exakte Gegenteil von dem erzählt hat, was RTL-2-Sprecher Carlos Zamorano vor zwei Wochen erklärte) sowie mit der KJM gemailt (und eine ebenso schwammige Antwort erhalten). Der Beitrag bei FAZ.NET trägt den Titel “Prügeln im Auftrag von RTL 2? Hilfsorganisation kritisiert ‘Die Mädchen-Gang’”.

fernsehbl01

Ich freue mich ja, wenn Kollegen das gefällt, was ich schreibe, und natürlich ist es legitim, wenn sich manche dazu veranlasst sehen, die Geschichte fortzuführen und auszuschmücken.

Aber so ein kleiner Link auf den Originaltext im Fernsehblog, der wäre der Autorin (die sonst offenbar für die “Initiative Nachrichtenaufklärung” bzw. als Leiterin des Recherche-Seminars Dortmund tätig ist) womöglich zumutbar gewesen.

bisher 9 Kommentare 12. März 2010

Zwei Konsequenzen müssen wir abziehen

Der Kollege Daniel Bouhs berichtete kürzlich in der “taz” über den Test bei ARD aktuell, Zuständigkeiten neu aufzuteilen. Redakteure planen nun nicht mehr nur die “Tagesschau” im Ersten, sondern (unter anderem) auch die laufende Berichterstattung für den Nachrichtensender Eins Extra. (Ausgenommen ist nur die 20-Uhr-”Tagesschau”.) Wer den Text noch nicht gelesen hat: Hier können Sie’s nachholen.

Ach so, und – wenn wir gerade schon dabei sind – bei Eins Extra lief gestern Abend folgende Anmoderation in der Viertelstundenrotation:

“Margot Käßmann ist von ihren Ämtern (…) zurückgetreten. Damit zieht Käßmann die Konsequenzen aus einem Vorfall vom Wochenende. Die bisherige hannoversche Landesbischöfin war mit 1,54 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Am Nachmittag zog sie deshalb die Konsequenzen.”

Der Beitrag danach begann mit den Worten:

“Margot Käßmann zieht die Konsequenzen aus Ihrem Fehlverhalten vom Wochenende.”

Viele Redakteure bei ARD aktuell finden die Neuordnung der Zuständigkeit, die erstmal auf vier Wochen angelegt ist, übrigens nicht so toll, weil sie glauben, dass dann weniger Zeit bleibt, um sich ordentlich auf eine Sendung zu konzentrieren. Vielleicht würde es sich lohnen, das mal zu prüfen und daraus Konsequenzen zu ziehen.

bisher 1 Kommentar 24. Februar 2010

Eine Brücke zuviel

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das “SZ Magazin” über den “Enke-Effekt”, die Zunahme von Suiziden nach der ausführlichen Berichterstattung über den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke im vergangenen Jahr. Und bemüht sich sehr, nicht den Eindruck zu erwecken, durch den Bericht selbst dazu beizutragen, dass der (nachgewiesene) Effekt nicht noch verstärkt wird.

Gut, man kann sich natürlich streiten, warum die Redaktion ausgerechnet diese Geschichte dann zum Titel gemacht hat. Aber im Innenteil wird immerhin erklärt, aus welchem Grund kein Foto Enkes gedruckt wurde: um auszuschließen, dass sich potenziell Suizidgefährdete mit Enke identifizieren.

Bei aller Vorsicht ist leider in Vergessenheit geraten, auch mal die Anzeigenabteilung zu fragen, was sie fürs aktuelle Heft so vorhat. Deshalb steht jetzt im Text:

“Karl-Heinz Ladwig, Professor für Psychosomatische Medizin mit Sitz im Helmholtz Zentrum, einer Wissenschaftseinrichtung im Münchner Norden, forscht seit Jahren zum Thema Suizid. (…) Es genüge, dass sich durch Medienberichte die Methode oder der Ort des Suizids im kollektiven Bewusstsein festsetzen. Bei der Golden Gate Bridge in San Francisco ist das so: Menschen aus der ganzen Welt reisen dorthin, um sich in den Tod zu stürzen, obwohl sie auf dem Weg dahin zahllose andere Brücken überqueren.”

Unmittelbar daneben wirbt die portugiesische Tourismusbehörde für Urlaub in ihrem Land mit dem auffordernden Satz: “Perfekter Preis. Sonderangebote – ab sofort verfügbar”.

Und einer großen Brücke.

szmagazin01

bisher 3 Kommentare 24. Februar 2010

Aus Fersehen

Offiziell seit heute hat Sat.1 also wieder einen neuen Geschäftsführer: Auf Guido Bolten, der mit den Verpflichtungen von Johannes B. Kerner und Oliver Pocher wenig Glück hatte, folgt Andreas Bartl, der gleichzeitig seinen Posten als Vorstand German Free TV bei Pro Sieben Sat.1 behält und Sat.1 nebenbei miterledigt.

Das ist kein schönes Zeichen für einen Sender, der zum gefühlt hundertsten Mal seit seiner Gründung endlich ganz groß rauskommen wollte – und dann doch bloß wieder im Mittelmaß landete, jetzt sogar mit einem Teilzeit-Geschäftsführer. Bolten ist weg, Sat.1 als Einheit quasi aufgelöst, nachdem Unterhaltungschef Wolfgang Link und Tanja Deuerling neue Posten im Gesamtkonzern bekommen haben, und das Schlimmste an alldem ist, dass die Depression bei den Mitarbeitern so groß sein muss, dass sie bis in die Poststelle durchschlägt, wo die Briefe frankiert werden.

Jetzt mal im Ernst: So klein wie in der Firmenanschrift neben der Freimachung muss sich Sat.1 aber nun wirklich nicht machen.

sat1frankierung

bisher 11 Kommentare 01. Februar 2010

Das ging wirklich schnell

Neulich stand an dieser Stelle ja bereits etwas zur Nachhaltigkeit des Erfolgs des Gewinners der letztjährigen “DSDS”-Staffel. Aber wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer.

singleschum01

bisher 7 Kommentare 24. Januar 2010

Wenn man sich die Werbung aussuchen könnte…

…die über der “Wetten dass..?”-Kritik erscheint, welche man gerade für ein großes Online-Medium geschrieben hat, dann würde ich jedes Mal wieder diese hier wählen, allein schon des schönen Effekts wegen:

wdassspon01a
Screenshot: Spiegel Online

(Im Fernsehblog steht übrigens auch noch was von mir zu “Wetten dass..?”.)

jetzt kommentieren? 24. Januar 2010

Und jetzt: ins Ausland

Huch, ich hab ganz vergessen, darauf hinzuweisen, dass die zweite Ausgabe des noch ganz frischen Medienmagazins screen.tv erschienen ist, das seit vergangenem Sommer vom sympathischen Medienkonzern Pro Sieben Sat.1 herausgegeben wird, was ich an sich schon erstaunlich finde, weil man ja gar nicht ahnt, dass zwischen den vielen Rausschmissen, Umpositionierungen und Einsparungen überhaupt noch Zeit für sowas bleibt.

Jedenfalls habe ich in der aktuellen Ausgabe (wieder) ein paar Zeilen über spannende Fernsehformate aus dem Ausland geschrieben. Diesmal geht es um die niederländische Show “Dating in the dark”, die “Dr. House”-Alternative “Sister Jackie” “Nurse Jackie”, den Sci-Fi-Flop “Defying Gravity”, das britische Experiment “The Naked Office” und die sehr sehenswerte Gameshow “The Cube”, die – wie zu hören ist – auch gerade auf dem deutschen Markt angeboten wird.

Falls das jemanden interessiert: Hier geht’s lang.

bisher 7 Kommentare 14. Januar 2010

“Explosiv” und die “reflexhafte Boulevardschelte”

Vor anderthalb Wochen habe ich im Fernsehblog drüben bei FAZ.NET einen kleinen Leitfaden geschrieben, wie man sich (am konkreten Beispiel) einen “Explosiv”-Beitrag zusammenbaut. In den Kommentaren darunter hat sich eine interessante Diskussion darüber entwickelt, was Boulevardjournalismus alles darf. Daran beteiligte sich erfreulicherweise auch ein Kollege, der für “Explosiv” arbeitet.

Einerseits finde ich das große Klasse, wenn sich jemand so einmischt und der Diskussion stellt – andererseits bin ich noch immer erschrocken darüber, wie wenig der Kollege damit anzufangen wusste, dass viele Kommentatoren (inklusive mir) es für richtig halten, wenn es auch im Boulevard eine gewisse Moral beim Umgang mit fernsehunerfahrenen Protagonisten gibt. Sein Argument ist, sofern ich das richtig verstanden habe: Wenn jemand eine Einverständniserklärung unterschreibt, dass er gefilmt werden darf, dann entbindet das die Redakteure von jeglicher Verantwortung, darauf zu achten, dass dieser jemand sich nicht vielleicht gandenlos selbst blamiert. Es ist ein bisschen das “DSDS”-Phänomen: Wer zum Casting kommt, ist selber schuld, er muss doch damit rechnen, verarscht zu werden.

Dass manche Leute damit gar nicht rechnen, aus Gutgläubigkeit oder Naivität, zählt in dieser Argumentation nicht.

Nun ist es eine schwierige Sache: Muss man Leute, die ins Fernsehen wollen oder sich vom Fernsehen dazu überreden zu lassen, vor sich selbst schützen? Ist das nicht auch irgendwie anmaßend? Ich weiß es nicht so genau. Aber eben deswegen wünschte ich mir Redakteure, die selbst entscheiden, wo die Grenzen sind, ab wann man sich über jemanden nicht mehr nur lustig macht, sondern ihm massiv schadet. Das Ärgerlichste daran finde ich, wenn dieses Sich-Lustigmachen in einem Tonfall passiert, der vollständige Überlegenheit ausstrahlt, wie es “Explosiv” so perfekt beherrscht. Na klar, der Redakteur im Schnitt sitzt am längeren Hebel, wenn sich vor seiner Kamera jemand blamiert hat. Aber machen wir das nicht zu kompliziert.

Eigentlich wollte ich bloß empfehlen, noch einmal einen Blick auf die (langen) Kommentare unter dem Eintrag zu werfen, vor allem die des “Explosiv”-Kollegen, in dessen (bisher) letztem Kommentar einige ganz erstaunliche Sätze stehen:

“Nur verwechseln Sie, ihre persönlichen Moralvorstellungen mit allgemeingültigen. Es ist in unserer Gesellschaft aber so, dass wir uns auf einen bestimmten Wertekanon geeinigt haben, der Eingang in unsere Gesetze und Regeln des Zusammenlebens gefunden hat. Darüber hinaus gibt es andere, die eben gerade nicht Allgemeingültigkeit erlangen sollen. Es steht jedem frei trotzdem danach zu leben, aber diese persönlichen Vorstellungen anderen vorzuschreiben, geht nicht. Das hat etwas Autoritäres.
(…)
Hier wird der eigene Geschmack zum allgemeingültigen Gesetz erklärt – und nur dagegen wende ich mich. Ich verstehe sogar ganz gut, dass einige hier Abneigungen gegen das Millieu haben, aus dem wir berichten, dass einigen vielleicht auch die Verhältnisse zuwider sind, die wir zeigen. Diese politisch nicht ganz korrekte Abneigung arbeiten Sie um in eine reflexhafte Boulevardschelte. Als sei der Überbringer der Nachrichten das eigentliche Übel. Aber nochmal: diese Verhältnisse existieren unabhängig davon, wer darüber berichtet. Ich bin auch ganz froh, dass die Mehrheit in diesem Forum – zumindest soweit sie hier autoritäre Auffassungen vorträgt – nicht mitzureden hat, wenn es um die Ausgestaltung von Pressefreiheit geht. Denn die Freiheit zu berichten ist nicht dazu da, meinen Berufsstand zu schützen, sondern das Informationsbedürfnis der Zuschauer. Und das hier vorgetragene Argument, die seien alle nur zu dumm, das richtige Bedürfnis zu haben, zeigt nur, wie wichtig dieser Schutz ist. Denn wo kämen wir da hin, wenn ein paar wenige, die sich nur für schlau genug halten, allen anderen vorschreiben dürften, was ihnen gefallen darf und was nicht.”

Ich hab bisher immer gedacht: Vielleicht ist es einfach konsequentes Profitdenken, dass man sich bei RTL bisher nicht auf Diskussionen darüber einlässt, ob “Deutschland sucht den Superstar”, wenn es Bewerber in den Castings bloßstellt, nach Ansicht vieler Menschen zu weit geht; vielleicht nehmen die das in Kauf, blenden es aus, weil die Quoten gut sind und die Einnahmen stimmen.

Aber womöglich sind die Leute, die für “DSDS” oder “Explosiv” arbeiten, auch vollständig davon überzeugt, dass man andere Menschen nach Lust und Laune vor der Kamera vernichten darf, wenn sie sich nicht rechtzeitig dagegen gewehrt haben, womöglich ist es für sie eine Gewissheit, dass all die Bedenken, die sich dagegen richten, Quatsch sind, sonst hätte sie ja längst jemand ins Gesetz geschrieben.

Und ich weiß gerade nicht mehr, welche der beiden Varianten ich gruseliger finde.

bisher 12 Kommentare 14. Januar 2010

So wird bei “Bild” geschlampt!

“So wird bei DSDS geschummelt!”, empört sich heute die “Bild”-Zeitung, weil RTL zugegeben hat, die Sprüche von Dieter Bohlen im Schneideraum manchmal den Kandidaten zuzuordnen, zu denen sie am besten passen – und nicht immer denen, die sie ursprünglich ertragen mussten. Der Vater eines Bewerbers hatte sich beschwert, dass Bohlens Kommentar zum Auftritt seines Sohnes während des Castings gar nicht gefallen war. Bohlen hatte gesagt (im Video bei ca. 2’44):

“Lieber Cholera auf dem Pillermann als dein Gesang.”

Und vor lauter Empörung über die Unkorrektheit von RTL hatte “Bild” keine Zeit mehr, die eigene zu vermeiden. Dafür hätte man sich ja das Zitat aus der Sendung nochmal selbst anschauen müssen. Deshalb ist Bohlens Spruch in der “Bild” jetzt noch unlustiger als im Original, weil er sich in der Zeitungsversion nicht mal mehr (fast) reimt:

bohlenspruch01
Screenshot: Bild.de

bisher 3 Kommentare 08. Januar 2010

Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...51 52 53 Next

Über medienpiraten.tv

Es gibt schon tausend Medienblogs. Dies ist das tausendunderste.

Blog-Archiv

    
 

Texte in anderen Medien

Mehr Fernsehen?

Im Fernsehblog bei FAZ.NET.

Feeds

Stichwörter

3sat ARD Das Erste Dauerwerbesendung Deutscher Fernsehpreis Deutschland sucht den Superstar Dieter Bohlen DSDS Frank Plasberg Germany's Next Topmodel Grimme Online Award Harald Schmidt hausgemacht.tv Ifa Kabel 1 Landesmedienanstalten Marco Schreyl Markus Schächter Mediathek N24 NDR Popstars Premiere Pro Sieben Prosieben.de Pro Sieben Sat.1 RTL RTL 2 Sat.1 Seven One Intermedia Spiegel Online Sponsoring Stefan Raab Sueddeutsche.de SWR taff Tagesschau Trailer TV Spielfilm TV total Türkisch für Anfänger Vorabend Vox Werbung ZDF
 

Links