Comedy Central: Dünner wird’s nicht?
22.Oktober 2008
Jetzt ist es also so weit. Comedy Central macht dicht. Naja, nicht ganz dicht: Ab 15. Dezember schrumpft der Viacom-Kanal zum Programmfenster beim Kindersender Nick und darf dann immer von 20.15 Uhr bis 6 Uhr morgens die günstig eingekaufte Lizenzware abspielen, weil sich der ganze Spaß sonst nicht rentiert.
Eigenproduktionen gibt es keine mehr.
Und schon vor Wochen sind erstaunlich viele Sendeplätze für die Wiederholungen der eigenen Shows gestrichen worden. Dass das niemandem besonders aufgefallen ist, bedeutet wohl: Es ist auch nix vermisst worden.
Das ist schade. Weil es sich erstmal gut angehört hat, was der Ex-Senderchef Markus Andorfer vor dem Start im Januar 2007 versprochen hat (bevor er sich vor einem Jahr verabschiedete): einen Sender für abseitigere Ideen, für Comedy, die nicht die Masse begeistern muss und deshalb keine großen Marktanteile braucht. Nun ja, es hat nicht mal für die kleinen gereicht.
Tschüss, Comedy Central. Programmfenster sind, das wissen wir vom Teleshopping, nicht besonders gut gelitten. Und so wie es aussieht, wird MTV Networks, zu dem Comedy Central in Deutschland gehört, nicht besonders viel Geld in die zehn Stunden Programm stecken, von denen der Großteil mitten in der Nacht läuft. Auch wenn es heißt, “im Verhältnis” werde künftig sogar mehr investiert, also: eingekauft. Zum Beispiel gerade: die taufrische Pro-Sieben-Show “Rent a Pocher”, die davor bei Sat.1 Comedy lief. Nach Wiederholungen von Highlights wie “Eis am Stiel” haben sich die Zuschauer sicher auch schon gesehnt.
Und wenn irgendjemand bald mal ein Buch darüber schreiben mag, wie man alles falsch machen kann, wenn man einen neuen Sender im deutschen Fernsehmarkt etablieren will, hat er jetzt ja eine prima Vorlage.
Ein Buch ist es nicht gleich geworden, aber mehr zum Thema hab ich für FAZ.NET aufgeschrieben.
Artikel gespeichert unter: Im Fernsehen
Stichwörter: Comedy, Comedy Central, Markus Andorfer, MTV Networks, Nick, Viacom, Wiederholungen
bisher 16 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. DonDahlmann | 22.Oktober 2008 at 21:26
Ich habe den Sender aus meiner Liste geschmissen, als ich gesehen habe, dass man die US Importe nur schlecht synchronisiert im Programm hatte. Dann kann man es auch lassen. Statt die Chance zu nutzen, ein interessiertes Publikum zu bekommen, hat man einfach versucht, die Zielgruppe von MTV rüber zu ziehen. Die Nacht mit den Dings… na, wie heißen diese Sendungen mit Quizfragen, die man drei Stunden nicht löst… zugestopft hat, war das Interesse völlig erloschen. Es ist schon erstaunlich, mit welch großem Anlauf Viacom den Sender in Deutschland vor die Wand gefahren hat.
2. nona | 23.Oktober 2008 at 03:53
Wohl wahr, wohl wahr. Schier unglaublich wieviel Potential dort ungenutzt verpufft wurde, und wieviele strategische (und taktische) Fehlentscheidungen getroffen wurden. So’n bisschen scheint mir das auch ein gewisser “Viacom-Geist” zu sein, was nicht gut ist.
@Don: Die Dings heissen “Call-In”.
3. Erik | 23.Oktober 2008 at 08:38
Ich kann mich nur dem ersten Kommentar anschliessen, hätte der Sender auf die unterirdische Synchro verzichtet (Untertitel hätten gereicht), oder zumindest eine O-Ton-Option angeboten, dann hätte er gut laufen (im Sinne von gewinnbringend) können.
Eine gute Synchro kostet nun einmal wirklich Geld, wer das nicht in die Hand nehmen möchte, sollte es einfach lassen. Ich bin momentan versucht, wöchentlich eine Liste der schlimmsten Stilblüten bei den Übersetzungen im deutschen TV zu bloggen.
4. Peer | 23.Oktober 2008 at 09:48
Es gab ja EINE gute Synchro: Ich fand “Little Britain” mit Kalkofe und Welke gar nicht schlecht. Und seitdem neulich in der Pizzeria am Nebentisch ein junges Mädchen ihren Eltern erlklärte, was “LB” ist und perfekt Kalkofe als Vicky Pollard nachmachte, bin ich mir fast sicher: Da gibt es Potenzial, äh.
Es ist halt so, dass man ohne wirklich zu investieren keinen richtigen Sender auf die Beine kriegt. Ich weiß nicht, wieviel mehr Discovery in Dmax gesteckt haben muss. Aber dort klappt es ja. Und wenn für Männer bis 39, die gerne Truckersendungen und Tattooshows anschauen, ein eigener Sender drin ist, dann doch wohl locker für Leute, die gute Comedy mögen. Nicht?
5. Just2Blog&hellip | 23.Oktober 2008 at 11:00
[...] Medienpiraten Blog regen sich die kommentierenden über mangelnde deutsche Synchronisation auf und führen dies mit [...]
6. Klaus | 23.Oktober 2008 at 11:45
Hier in (immerhin) Berlin (! mittendrin) wurde das Programm nicht vom Kabel-TV-Anbieter angeboten. Vielleicht war das woanders ebenso? Und deshalb gab’s keine Zuschauer?
7. Xesier » Comedy Cen&hellip | 23.Oktober 2008 at 12:40
[...] 1, 2, [...]
8. Peer | 23.Oktober 2008 at 16:33
@Klaus: Kommt aber auf den Kabelanbieter an, da gibt’s in B. ja verschiedene.
9. medienpiraten.tv » &hellip | 23.Oktober 2008 at 17:54
[...] Wie sehr muss gerade bei Brainpool gefeiert werden, dass sich die Firma per Management-Buyout vor zwei Jahren von Viacom freigekauft hat und — anders als Grabosch sich das mal erhofft hatte — nicht in größerem Maße am Aufbau des Spartensenders Comedy Central beteiligt wurde, der zum Jahresende eingedampft wird. [...]
10. critter | 23.Oktober 2008 at 18:56
Darüber, dass die Eigenproduktionen gestrichen wurden, muss sich ja nun wirklich niemand beklagen. Das war ja alles Blödsinn, im MRR-Sinne.
Durch meine Kabelbelegung habe ich Comedy Central sowieso erst ab 20 Uhr drauf, da wird nämlich in Bamberg das Vierte abgeschaltet. Den hollywoodliken Spielfilmen, die da wohl zur Primetime laufen, weine ich sehr nach.
Über das Abendprogramm von Comedy Central lässt sich nicht meckern. Die Daily Show ist doch untertitelt und nicht synchronisiert, ulmen.tv kann man sich auch mal im TV ansehen, wenn mans online vergessen hat und was gibt es zu später Stunde nastalgisch-unterhaltend-heimeligeres als Wiederholungen von Dharma und Greg und den Golden Girls – zumindest mal als Nebenbeiprogramm? Gute Sache, kann so bleiben.
Wer will denn schon frühmorgens lachen??
11. critter | 23.Oktober 2008 at 18:58
Nostalgisch. Schweres Wort.
12. critter | 23.Oktober 2008 at 18:59
Nostalgisch!
13. nona | 23.Oktober 2008 at 21:13
@Peer:
Stimmt, Little Britain ist in der Tat schon sehr gut synchronisiert, im Rahmen des Möglichen. Hut ab vor den Herren Kalk und Welk. Das krasse Gegenbeispiel ist natürlich die Chapelle-Show, zumal die anfangs ja unsynchronisiert lief.
Investitionen sind allerdings auch nicht alles. Comedy Central hat von Anfang an unter bestenfalls unglücklichen programmplanerischen Entscheidungen gelitten, eigentlich in allen Bereichen. Insgesamt war das doch immer ein ziemliches Durcheinander ohne wirkliche rote Fäden oder Durchhaltewillen, abgesehen von zuviel inhaltlichem Mittelmass und zu wenigen Highlights und Perlen. (Dein FAZ-Artikel trifft’s weitgehend genau.)
Gut, andererseits, mit mehr investiertem Geld kann man sich natürlich auch bessere Programmplaner einkaufen…
14. Thomas | 27.Oktober 2008 at 22:49
Ich hab ehrlich gesagt den Unterschied zwischen Nick und CC nie verstanden, als ich früher Nick geschaut habe, kam da auch nur Comedy.
“Ich fand “Little Britain” mit Kalkofe und Welke gar nicht schlecht. ”
Wusste ich gar nicht, wäre aber nen Grund für mich gewesen abzuschalten.
15. hal | 04.Dezember 2008 at 02:55
über die synchronisierten serien kann ich nichts sagen,da ich keine englich kann, also auch nicht die originalen verstehen würde.
für mich ist es trotzdem kein wunder das sie tagsüber nicht mehr senden.
zum schluss bestand das programm doch nur noch aus endlosen wiederholungen.
kaum was neues,immer wieder das selbe.
von Goldne Girls über Dharma & Greg bis hin zu Eine starke Familie,alles wurde bis zum abwinken wiederholt.
und das schlimm dabei ist ja,es waren alles keine neuen sendungen sondern welche,die schon auf anderen sendern bis zum abwinken gezeigt wurden.
für mich war das nur eine frage der zeit bis der sender entweder ganz eingestellt wird oder eben sowas wie jetzt passiert.
16. Das Ende des deutschen Mu&hellip | 08.Dezember 2008 at 00:06
[...] [Quellen: DWDL.de [1],[2], Faz.net, medienpraten.tv] [...]
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