Wie die “Tagesthemen” Google mystifizieren

15.Juli 2008

Google fährt gerade auch durch deutsche Städte, um Aufnahmen für sein Angebot Street View zu machen. Und den Datenschützern gefällt das gar nicht.

Jedenfalls haben das inzwischen auch die “Tagesthemen” gemerkt. Der am Montag gezeigte Beitrag von HR-Reporter Tom Schneider lässt keinen Zweifel daran, dass dieses Projekt gefährlich ist: In den USA “treibt das Angebot seine ganz eigenen Stilblüten”. Die Stilblüten gehen so:

“Menschen in peinlichen Situationen sind da zu erkennen!”
(Ein Mann wird gezeigt, der sich bückt, und dessen Gesicht man nicht erkennen kann, weil er eine Mütze aufhat.)
“Eine Katze ist berühmt geworden, weil ihre Besitzerin gegen die Fotoveröffentlichung protestierte.”

Ja, Mensch! Aber es kommt noch schlimmer:

“Menschen, die ungefragt aufgenommen und veröffentlicht werden: nur eine Seite der Medaille”
(Dazu zoomt die Kamera aus der Ferne auf eine Person, die auf der Parkbank sitzt und liest und nicht so aussieht als gehöre sie zum Kamerateam)
“Was, wenn Kriminelle im Internet suchen, wo das große Geld steckt?”
(Dazu zeigt die Kamera einen Wagen mit erkennbarem Kennzeichen, der in einem Frankfurter Wohnviertel geparkt ist — genau das, was Google vermeiden will, weil Kennzeichen in Street View unkenntlich gemacht werden sollen)

Der Beitrag endet mit den Worten:

“Googles heimliches Fotoshooting — es liefert genug neuen Diskussionsstoff für Deutschlands Datenschützer.”

Ähm: heimlich? Also: Im Beitrag wurde vorher erwähnt, dass auf den Autos groß “Google” steht. Und er beginnt mit den Worten: “Zugegeben: So ganz unauffällig ist er nicht, der neueste Spähangriff auf die Privatsphäre.”

Mal abgesehen davon: Der “Tagesspiegel” berichtete bereits am 6. Juli, vor über einer Woche, über die Aktion in Berlin und schrieb: “Das Projekt ist streng geheim.” So geheim, dass die Redaktion ein Foto des Kamera-Fahrzeugs bekommen hat, unter dem als Quelle steht: “Promo”. Und so geheim, dass Google-Sprecher Stefan Keuchel bereitwillig Auskunft gab, was da passiert. Selbst wenn das Projekt vorher geheim gewesen sein sollte: Danach war es das nicht mehr. Seit über einer Woche erscheinen überall Beiträge zu Street View in Deutschland und ich hab auch schon so manchen TV-Beitrag dazu gesehen. Zum Beispiel der RBB berichtete am 10. Juni über “seltsame Objekte, die derzeit auf Berlins Straßen gesichtet werden”.

Wahrscheinlich ist das jetzt Standard: dass alles, was Google angeht, so ungeheuer mystifiziert werden muss.

Und die “Tagesthemen” haben offensichtlich noch ganz andere Probleme als bloß, dass im Team ständig einer Flaggen falsch darstellt.

Artikel gespeichert unter: Im Fernsehen

bisher 4 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Lukas  |  16.Juli 2008 at 00:28

    Da ich ja davon ausgehe, dass alles mit allem zusammenhängt, hier mein Erklärungsversuch: Die falschen Flaggen kamen zustande, weil die ein Praktikant aus der Google-Bildersuche gefischt hat. Und weil damit ja eigentlich Google Schuld an der ganzen Misere ist, wird jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Google rumgehackt.

    Meinst Du, das passt?

  • 2. Marcel  |  16.Juli 2008 at 01:16

    Es hat zumindest dazu gereicht, dass heute auch das ZDF schon darüber berichtet hat

  • 3. ingo  |  16.Juli 2008 at 14:43

    @ Marcel

    das stimmt und der zielgruppe “rentner” hat besonders die moderatorin – durch absolut unpassende wortwahl und (meiner meinung nach) unwahrheiten – gehörig angst machen wollen.

    einfach nur anstregend!

  • 4. chatou  |  15.Oktober 2008 at 15:04

    street view ist super praktisch! ich hoffe google wird es für alle Städte…

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