Es hat dann doch etwas länger gedauert

21.Dezember 2007

Beim Jahresendaufräumen fallen einem ja manchmal ganz merkwürdige Artefakte in die Hände. Ist mir gerade auch so gegangen. Und plötzlich lief im Videorekorder die Kassette mit dem Jahresrückblick des Premiere-Medienmagazins “Studio/Moor” (Nachfolger von “canale Grande” auf Vox) — und zwar aus dem Jahr 1994. Das ist wirklich lange her. Nicht nur rechnerisch, sondern vor allem, wenn man sich ansieht, was damals so aktuell war.

(Die Studiodeko allerdings ist im Gegensatz zu den öden Bluebox-Spielereien, die derzeit so verbreitet sind, noch immer hochmodern.)

studiomoor03.jpg
Screenshot: Premiere, 1994

Moderator Dieter Moor ist inzwischen bekanntlich bei der ARD, und Premiere — ja, Premiere nudelt Hollywoodfilme und US-Serien ab und hofft, nicht schon wieder Stress mit den Bundesliga-Rechten zu bekommen, anstatt sich kritische Medienmagazine zu leisten.

Eine meiner Lieblingsbeiträge aus dem “Studio/Moor”-Rückblick ist übrigens dieser hier:

“Krise beim ‘Spiegel’: Seit ‘Focus’ den Hamburgern mehr und mehr zu Leibe rückt, dreht sich das Personalkarussell immer schneller. Nur drei Monate nach der Ernennung zum alleinigen Chefredakteur wirft Rudolf Augstein Hans Werner Kilz raus. Grund: ein umstrittener Kommentar zur Nato-Politik. Augsteins Favorit für die Nachfolge ist Fernsehmann Stefan Aust. Die Belegschaft zittert und die Branche diskutiert.

Hans Hermann Tiedje [damals "Tango"-Chefredakteur]: ‘Aust kommt zur Sache und das find ich sehr gut. Vom Typus her (…) sind wir ziemlich nah beieinander. Wir wollen Erfolg, wir wollen ihn schnell und wir wollen Bewegung.’
["Tango" ist dann wenige Monate später eingestellt worden.]

studiomoor02.jpg
Screenshot: Premiere, 1994

Helmut Markwort: ‘Er ist eine absolute Fernsehbegabung, ein Fernsehmoderator, der schon relativ viel mit Sex und Crime seine Quoten gemacht hat. In Zeitschriften hat er (…) nur bei den ‘St. Pauli Nachrichten’ gearbeitet und beim ‘Konkret’, was ja lange Zeit aus der DDR finanziert wurde. (…) Also wie er ein Blatt managen kann, das weiß ich nicht.’

studiomoor01.jpg
Screenshot: Premiere, 1994

Der Ziehsohn von Rudolf Augstein stößt bei den Mitarbeitern auf Ablehung, gilt der ‘Spiegel TV’-Chef doch als knallhart und leistungsorientiert. Als Augstein selbst mit Rücktritt droht, lässt sich die meuternde Mannschaft widerwillig auf den Quotenbringer Aust ein — zunächst ein Jahr. (…).”

Es hat dann ja bekanntlich doch etwas länger gedauert.

Artikel gespeichert unter: Im Fernsehen

Stichwörter: , , , , , , ,

bisher 1 Kommentar

  • 1. Lars  |  18.Januar 2008 at 02:17

    Ich schreibe es mal hier rein und frame mal einfach ob hier noch jemand da ist oder alle (?) im verlängerten Weihnachtsurlaub sind?

    ;)


Blog-Archiv

Oktober 2014
M D M D F S S
« Jun    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Aktuelle Blog-Einträge