Betrifft: Grundverständnis

03.Oktober 2007

Der Fall Online-Artikel.de hat große Diskussionen aufgeworfen, und viele Aspekte, die in den unterschiedlichen Kommentaren genannt sind (auch bei Stefan), treffen sicher auch zu. Aber ich habe den Eindruck, die Bagatellisierung von Textklau ist auch unter Bloglesern relativ verbreitet. Manche verstehen nicht: Warum regt der sich überhaupt auf?

Das mag ich gerne kurz erklären:

1. Erst einmal weil es unhöflich ist, anderer Leute Eigentum zu entwenden, auch wenn Geschriebenes selten als solches Gut wahrgenommen wird. Das kann doch aber keine Entschuldigung sein. Im “Media Markt” sag ich ja auch nicht: Ups, ich wusste nicht, dass ich den Videorekorder nicht einfach so mitnehmen darf.

2. Es gibt Autoren (nicht nur Journalisten), die mit Geschriebenem Geld verdienen und tatsächlich Arbeit in ihre Texte investieren. Das geht nur mit angemessener Bezahlung, und die ist bei vielen Medien oder anderen Abnehmern auch längst die Ausnahme. Manche Journalisten verdienen z.B. dadurch, dass sie Texte zwei- oder dreimal an unterschiedliche Medien verkaufen. (Das macht nicht immer einen guten Eindruck, vor allem wenn es sich um direkte Konkurrenten handelt.) Aber wenn ihr Text sowieso schon frei im Netz steht, kauft ihn bestimmt keiner mehr.

3. (und für mich sehr wichtig) Ich möchte gerne selbst kontrollieren, wo meine Texte erscheinen. Um ein extremes Beispiel zu wählen: zum Beispiel nicht in der “Jungen Freiheit”. Das setzt voraus, dass man mich vorher fragen muss.

Das ist alles. Mehr nicht. Es kann doch nicht zuviel erwartet sein, dieses Grundverständnis vorauszusetzen, vor allem bei Menschen, die sich in derselben oder einer medienverwandten Branche bewegen.

Wer einen Text unbedingt verwenden will, kann mir eine Mail schreiben und erklären, in welcher Publikation und in welchem Kontext. Man glaubt es nicht, aber es gibt Menschen, die sich diese Mühe machen. Sofern sie nicht googeln können, rufen Sie bei der Zeitung an, die das an mich weiterreicht. Und wenn jemand einen Text für sein kleines Kirchenblatt oder sonstwas haben will, bin ich auch nicht stur aufs Geldverdienen aus. Ich würde es nur gerne selbst entscheiden dürfen.

Artikel gespeichert unter: Im Allgemeinen

bisher 35 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. web 2.0 meets online-arti&hellip  |  03.Oktober 2007 at 18:41

    [...] Edit 18.35: Mittlerweile ist unter Bloggern und Kommentatoren eine heiße Diskussion entbrahnt und Peer nennt in seinem Blog nocheinmal die Grundsätze des bloggen und beim kopieren von Texten. Aber auch im Blog von Stefan Niggemeier wird heiß über den obigen Sachverhalt und dem Portal Online-Artikel.de diskutiert. [...]

  • 2. Gregor Keuschnig  |  03.Oktober 2007 at 20:54

    Vor einigen Monaten gab es von Heribert Prantl in der SZ einen Artikel über Raubkopien im Internet. Egal, wie man jetzt im Detail zu Prantl Argumentationsführung steht und auch einmal von einigen Fragwürdigkeiten des neuen Urheberrechtsgesetzes abgesehen – das Grundsätzliche an so etwas wie “Textklau” ist in grossen Teilen der Blogosphäre überhaupt nicht präsent.

    Ich nehme an, dass die Bezeichnung “Trottel” für Prantl noch durchgelassen wurde. Spitze ist aber für mich der Ausspruch eines Kommentators: “Es gibt kein geistiges Eigentum.”

    Bei solchen Aussprüchen habe ich immer den Verdacht, diejenigen, die so etwas sagen, werden ihre Meinung schlagartig ändern, sollten sie irgendwann einmal mit ihrem “geistigen Eigentum” unverrichteter Dinge reüssieren.

  • 3. Kai  |  03.Oktober 2007 at 21:08

    Dieses Grundverständnis ist keines.
    Das Du das erst jetzt, da es Dich persönlich betriftt, merkst, finde ich für einen Kreierenden wie Dich doch recht erstaunlich.

  • 4. Daniel Große  |  03.Oktober 2007 at 22:07

    Wieso sollte Peer das erst jetzt “merken”? Er hat nur jetzt einen aktuellen Fall, wegen dem er dieses Grundverständnis aufschreiben muss. Ich glaube, jeder Journalist hat ein solches oder ähnliches Grundverständnis.

  • 5. Peer  |  03.Oktober 2007 at 22:24

    @Kai: Wer sagt denn das?

  • 6. dogfood  |  03.Oktober 2007 at 23:05

    @Gregor Keuschnig: wie man anhand der Perlentaucher-Artikel zu der Verwendung von Texten der FAZ, FR, SZ et al. in Onlinearchiven sehen kann, fehlt dieses “Grundsätzliche” nicht nur in der Blogosphäre, sondern auch bei denen, die sich qua Beruf eigentlich damit auskennen müssten.

    [1] http://www.perlentaucher.de/artikel/4187.html
    [2] http://www.perlentaucher.de/artikel/4186.html

  • 7. Kai  |  03.Oktober 2007 at 23:08

    So zumindest interpretiere ich diesen Eintrag.

    Wenn Du schreibst
    “Aber ich habe den Eindruck, die Bagatellisierung von Textklau ist auch unter Bloglesern relativ verbreitet.” oder “Es kann doch nicht zuviel erwartet sein, dieses Grundverständnis vorauszusetzen, vor allem bei Menschen, die sich in derselben oder einer medienverwandten Branche bewegen.”, dann deutet das für mich auf eine gewisse Überraschtheit ob der Cut+Paste-Orgie bei Online-Artikel sowie ueber die Debatte in Deinen und S.Niggemeiers Kommentaren.

    Es besteht und bestand wenig Respekt vor der Kreation anderer, egal ob Text, Bild, oder Ton, erst recht nicht, seit ihre Vervielfaeltigung ein Kinderspiel ist.

    Du kannst nicht erwarten, dass dieses Grundverstaendnis für Text existiert, wenn selbst Werke größerer Schöpfungshöhe widerrechtlich angeeignet und vervielfältigt werden.

  • 8. Alexander  |  03.Oktober 2007 at 23:37

    Ich unterschreibe im obigen Beitrag alles und hab auch die vage Hoffnung, dass exemplarisches Vorgehen gegen Dreistigkeit irgendwie hilft.

    Aber losgelöst vom konkreten Fall frage ich mich, wie es mittelfristig mit der normativen Kraft der Faktischen bei Texten im Netz aussieht. Dass “es unhöflich ist, anderer Leute Eigentum zu entwenden”, dass Leute von dieser Arbeit leben, all das könnte der Drummer von Metallica im Jahr 2000 gesagt haben (hat er ja auch fast: http://shorl.com/dydrostydaropry). Die Musikindustrie musste lernen, dass sich die Welt und ihre Regeln verändern; vielleicht werden sich die Spielregeln (oder das Grundverständnis, wie Du es nennst) mit der Zeit in ähnlicher Weise für Texte verändern?

    (Nicht, dass jemand das als Kleinreden der konkreten Dreistigkeit ansieht: Dass er in diesem Fall grob gegen die geltenden Spielregeln verstößt, wusste der Betreffende ja offensichtlich — wie die Tarnnamen-Scharade zeigt.)

  • 9. Gregor Keuschnig  |  04.Oktober 2007 at 08:13

    @6/dogfood: Die “FAZ/Perlentaucher”-Affäre hat einen etwas anderen Hintergrund. Losgelöst von der verlinkten Causa um Grass’ Nobelpreisrede versuchen FAZ und auch SZ gegen Perlentaucher aus anderen Gründen vorzugehen: Den Zeitungen passt ihre mediale Verwertung über den Perlentaucher nicht (die ja durchaus selektiv ist), obwohl sie ja immer mit Quellenangabe verlinkt werden und nur sehr begrenzt aus den Artikeln zitieren (das ist m. E. auch schon richterlich goutiert worden).

  • 10. dogfood  |  04.Oktober 2007 at 09:30

    @Gregor Keuschnig: die Hintergründe interessieren hier nicht, vorallem wenn sie “losgelöst” sind. Der Perlentauscher/FAZ/SZ-Konflikt ist Motivation für die beiden Artikel gewesen, mehr aber nicht.

    Fakt ist: in deutschen Zeitungsverlagen ist es Gang und Gebe Artikel zu “sublizensieren” obwohl man nicht im Besitz der entsprechenden Rechte ist. Das Ausmaß des Unrechtsempfinden ist dort ergo genauso wenig ausgeprägt wie in der “Blogosphäre”.

    Ich könnte auch die Social Network-Websites zum Thema Sport von PREMIERE benennen, die schmerzfrei Videos von Usern veröffentlichen, für die andere Blogger von der DFL abgemahnt worden sind. Oder einen TV-Sender der in seinen Trailern nichtlizensiertes Filmmaterial verwendet. Oder einen Branchendienst der sich abseits des Zitatrechts Grafikmaterial von Websites bedient.

    Dieses mangelnde Copyright-Bewusstsein, abseits jenes “Fair Use” welches man vielleicht noch moralisch vertreten könnte (juristisch aber ein Problem in Deutschland ist), ist auch in der Quantität KEIN blogosphären-spezifisches Problem, sondern eines ALLER Medien.

  • 11. Fragen kostet ja nix  |  04.Oktober 2007 at 09:51

    @ 7: “Du kannst nicht erwarten, dass dieses Grundverstaendnis für Text existiert, wenn selbst Werke größerer Schöpfungshöhe widerrechtlich angeeignet und vervielfältigt werden.”

    - So eine Argumentation zäumt das Pferd von hinten auf. Ich darf also gegen Regeln und Gesetze verstoßen, solange es noch jemanden gibt, der die gleichen Verstöße in größerem Umfang begeht? Das ist doch Unsinn! Man trägt die Verantwortung für das eigene Handeln selbst und man kann sich nicht immer mit dem Verweis auf andere herausreden. Und, ja: Dieses Wissen kann man von einem erwachsenen Menschen auch erwarten.

  • 12. steffen  |  04.Oktober 2007 at 11:09

    Schlimm genug, dass Peer über solche Selbstverständlichkeiten schreiben muss.

  • 13. dogfriedwart  |  04.Oktober 2007 at 12:08

    Klasse Statement! Wenn doch nur alle Journalisten so denken würden. Aber schwarze Schafe gibts wohl überall.

    Ob online-artikel.de diesen Artikel auch “verwertet”? :)

  • 14. Peer  |  04.Oktober 2007 at 12:43

    @Alexander, 8: Ich glaube, ich verstehe, was du meinst – aber Musikindustrie hin oder her, es ist immer noch verboten Musik einfach so zu klauen, oder? Für die Industrie hat sich vor allem die Distribution verändert. Da stecken wir doch auch für die Texte schon mittendrin mit SpOn usw., oder? (Und kostenlos für die Nutzer ist der Text dort auch, weil rein durch Werbung finanziert.) Oder meinst du, wir sollten lockerer mit Rechten umgehen? Ganz neugierig ernst gefragt.

  • 15. Fragen kostet ja nix  |  04.Oktober 2007 at 13:27

    @ 8 und 14: Peers Frage schließe ich mich an, ebenfalls ganz neugierig und ernst, denn die Diskussion um die Zukunft des Urheberrechts ist ja wirklich spannend.
    Die illegalen Musik-Tauschbörsen haben, nach jahrelangem Hickhack, dazu geführt, dass die Labels ihre Musik jetzt (auch) legal zum Download anbieten. Filesharing ist aber nach wie vor verboten – völlig zu Recht, wie ich finde. Wie soll ein Künstler oder Publizist denn von seiner Arbeit leben können, wenn sie sofort zum Allgemeingut wird, sobald sie im Netz gelandet ist?

  • 16. Alexander  |  04.Oktober 2007 at 17:58

    Oh, Erwartungsdruck!

    Eine griffige Antwort auf die Herausforderung habe ich leider nicht. @Peer, 14: Nein, mir geht es nicht darum, dass die Autoren von vornherein lockerer mit Rechten umgehen *sollten*. Ich finde die Frage spannend, was passiert, wenn viele Nutzer in der Praxis lockerer mit den Rechten umgehen — teils aus Unkenntnis, teils nicht. Das Problem ist zum einen, dass viele Alternativen, die im Einzelfall möglich sind (z.B. darüber bloggen oder stattdessen eine hohe Rechnung schreiben oder gleich verklagen) bei einer Vielzahl von Fällen viel Energie und Zeit kosten. Zum anderen mussten die Herren von Metallica lernen, dass es ihnen wenig Freunde beschert, wenn sie gegen ihre eigenen Fans vorgehen. Und das (Metallica-Fans, Peer-Schader-Fans) sind auch oft diejenigen, die etwas lockerer mit den Rechten ihrer Idole umgehen. Das Hochrüsten mit Plagiatssuchmaschinen und Automatikabmahnung klingt nicht gerade wie ein sympathischer Ausweg.

    Vielleicht ist die Folge tatsächlich, dass Zweitverwertungen schwieriger werden. Vielleicht geht es in Zukunft mehr darum, das Schmücken mit fremden Federn zu verhindern und dafür Kopien in Kauf zu nehmen, die zumindest auf die Originalquelle verweisen. Wenn Musikern heute gesagt wird, dass sie mit besonderen Albenbeigaben, mit Konzertkarten und T-Shirts Geld verdienen sollen, dann sind das bei Journalisten vielleicht eher Lesungen und Bücher? (Nein, das ist nicht so rosig. Aber vielleicht ist das Problem ja auch viel geringer als bei Musik und Filmen.)

  • 17. Peer  |  04.Oktober 2007 at 18:21

    @Alexander: Das sind tatsächlich spannende Überlegungen. Vielleicht singe ich eine Platte mit meinen Texten ein? Öh.

  • 18. Fragen kostet ja nix  |  04.Oktober 2007 at 18:47

    Die Urheberrechtsprobleme, die das Medium Internet vor Musiker/Labels und vor Journalisten/Publizisten stellt, sind unterschiedlicher Natur: Für Musik zahlt der Endverbraucher, und wenn dieser sich illegal Songs aus dem Netz zieht, gehen Künstler und Label leer aus.
    Für Texte zahlt aber in aller Regel nicht der Leser (zumindest nicht pauschal pro Text), sondern ein Verlag, der diese Texte dann seinen Lesern kostenlos anbietet.
    Hier liegt die Urheberrechtsverletzung also nicht beim Endverbraucher, sondern bei Leuten wie C.T., die mit fremden Federn Reibach machen wollen. Dies wiederum lässt sich, das aktuelle Beispiel zeigt es, aber zum Glück nachvollziehen, wenn man ein Bisschen Zeit investiert, denn die Texte verschwinden ja nicht auf privaten Festplatten, sondern sind nach wie vor frei zugänglich.
    Meine Meinung daher: Für Texte müssen weder das aktuelle Urheberrecht, noch die gängigen Praktiken in Sachen Zweitverwertung geändert werden.

  • 19. SvenR  |  04.Oktober 2007 at 20:55

    Es gibt meiner Meinung nach einen weiteren,großen Unterschied zwischen Texten und Musik im Zusammenhang mit Urheberrechtsverletzungen: Die Musikindustrie hat versucht “abzuzocken”, und ist daran gescheitert.

    Als mein Bruder mir meine erste LP gekauft hat, da hat das teurste Doppelalbum mit super-duper Ausstattung DEM 19,90 gekostet. Ohne DRM, und ja, man konnte sie auf jedem Plattenspieler abspielen. Heute zahlt man EUR 20,95 für die teurste Top-100-Pop-CD bei Amazon. Und dabei sind CDs in der Herstellung, im Versand und in der Warenpräsentation viel billiger als Vinylplatten.

    Gleichzeitig hat die Plattenfirmen jeglichen Mut verlassen, alle Inobvationen wurden erst umgesetzt, als es gar nicht mehr anders ging, versucht alten Wein in neuen Schläuchen uns anzudrehen.

    Und die “neuen” Künstler verdienen alle viel weniger. Ich kann mich leider nicht mehr an den Namen der Boy-Band erinnern, die nach einer erfolgreichen Europatournee noch EUR 50.000 an ihr Management zahlen mussten, nach dem Motto, ihr seid erster Klasse gereist, habt in 5-Sterne-Hotels gewohnt, meint ihr das sei umsonst.

    Am “Lustigsten” war, als ich auf einem führenden Musikdowloadportal mal eine CD zum Download angeboten bekam, die schlappe 30 % mehr kosten sollte, als die Hardcopy bei jedem x-beliebigen Onlineversender.

    Das einzige, was die Musikindustrie gut gemacht hat, war ihre Lobbyarbeit. Wenn ich schon den Begriff “Raubkopie” nur höre!!! und die unsägliche TV- und Kino-Werbung. Die einzigen, die die noch toppen, ist die GEZ. Das führt jetzt aber zu weit.

    Das hat viele darüber hinweggetäuscht, dass die Industrie mit ihren lieblos dahingeschwurbeltem Mainstream-Quark selbst ganz viel Schuld an den “geringen” Umsätzen hatte.

    Ich warte auf den tag, wo “wir” den Schwarzafrikanern den krieg erklären, weil die ja so wenig legale Musik kaufen – die müssen ja alle Raubkopien hören.

  • 20. Matthias  |  04.Oktober 2007 at 22:59

    svenr, würdest du mir einen gefallen tun? folgendes: jedes mal, wenn es einer deiner beiträge erfordert, mit “das führt jetzt aber zu weit” fortzusetzen, würdest du diesen satz dann bitte nicht tippen und den vorhergehenden auch rauslöschen? herzlichen dank vorab.

  • 21. Kai  |  05.Oktober 2007 at 00:56

    @11 Bitte nicht mißverstehen, das habe ich nicht geschrieben und auch nicht intendiert.

    Natürlich soll jeder, der in seinen Rechten tangiert wird, sich entsprechend wehren. Genauso wie Peer das darf/soll/muss, müssen dies auch VIACOM, RIAA, et al dürfen/sollen/müssen.

    Ich habe lediglich geschrieben, dass das von Peer als allgemeingültig gesetzte Grundverständnis eben keines ist, weil weltweit Menschen dem Urheberecht weder sonderlichen Schutz noch Anerkennung gewähren.

    Aber das ist ein alter Hut und deshalb verstehe ich die Überraschung Peers darüber nicht, welche ich aus den Artikeln von ihm herauslese.

  • 22. Gregor Keuschnig  |  05.Oktober 2007 at 09:04

    Als Beobachter stellte sich für mich die Frage nach der Verwertung von geistigem Eigentum von Anfang an. Das geht von der “geklauten Idee”, über das Plagiat (bei einem sogenannten Beststeller eskaliert das gerade) bis zur Frage, ob die Musik nun illegal heruntergeladen ist oder nicht.

    Ich habe einmal in einer Firma gearbeitet, da hat jemand flammneue Blockbuster aus dem Internet heruntergeladen und verkauft – um sich bei Kollegen einzuschmeicheln zum Selbstkostenpreis; meist gab’s ein kleines Trinkgeld extra. Wie gesagt, der hat nicht einmal oder zweimal so was gemacht, sondern erschien manchmal mit 20 gebrannten DVDs. Unrechtsbewusstsein: Null. Das waren meist irgendwelche Hollywood-Schinken, ‘da spielt das ja sowieso keine Rolle, die haben ja eh genug Geld’. Ein tolles Argument, ungefähr so, als ginge ich in den nächsten “Aldi”-Markt und klaue da Bananen, weil die Gebrüder Albrecht ja eh die reichsten Männer Deutschlands sind.

    Und es mag ja sein, dass Metallica seine Fans verärgert, wenn sie hinter “Raubkopien” her sind. Aber der “Fan” sollte vielleicht irgendwann einmal überlegen, wie die Gruppe, der/die Sänger/in, Autoren oder Künstler mit der Einstellung, dass ihre “Produktion” von nun an für jeden und immer frei und kostenlos (und beliebig reproduzierbar) zur Verfügung steht, überhaupt existieren soll. Sicher, für Metallica mag das finanziell wieder nicht so relevant sein (da bastelt sich allerdings jeder die Rechtfertigung wieder selber zurecht). Und es gibt auch Beispiele, wie Stars über das Internet “gemacht” wurden, in dem sie erst einmal kräftig “gedownloaded” wurden. Aber Fakt ist: Nur vom altruistischen Zur-Verfügung-Stellen kann man nicht leben.

    Meine Beobachtung ist, dass das Unrechtsbewusstsein in direktem Verhältnis zur Popularität steht. Der Künstler, der am Anfang seiner Karriere steht, wird es begrüssen, über Downloads oder Kopien wenigstens wahrgenommen zu werden. Wenn man dann ein bisschen arrivierter ist, schlägt die Meinung auch schon einmal um, usw.

    Ich glaube allerdings, dass restriktive Massnahmen (die dann oft genug über das Ziel hinausschiessen; neulich habe ich gelesen, ein Gericht hat den Wert pro heruntergeladenes Musikstück auf 20.000 Euro festgelegt) auf Dauer keinen Erfolg haben werden. Man mag da technisch noch einiges drehen können, aber bei Texten ist es heute schon enorm schwer. Das hat nicht nur etwas mit der Anerkennung dem Urheberrecht gegenüber zu tun, sondern generell auch mit dem Respekt dem Verfasser gegenüber. Wobei unterschieden werden muss, ob ich einen Text plagiiere oder ob ich ihn – mit Nennung der Quelle – zitiere bzw. “übernehme”. Im “Fall C.T.” handelt es sich m. E. eindeutig um ein fortgesetztes Plagiieren. Das muss und wird auch weiterhin strafbar sein.

  • 23. dogfood  |  05.Oktober 2007 at 09:35

    In das Unrechtsbewusstsein bzw. Urheberrechtsdiskussion spielt noch ein anderer Faktor eine Rolle, gerade auch wenn man das Beispiel Metallica vs. Napster heranzieht.

    In Zeiten des durchklügelten DRMs und der detaillierten Verwertungs- und Vertriebsketten ist eine große Motivation zur Raubkopie der Impuls “Ich bekomme es nicht woanders”.

    Im Falle von Metallica wurde alles durch den Demosong “I disappear” losgetreten, welches in einer frühen Rohfassung via Napster vetrieben worden ist. Dieser Song war so in dieser Fassung zu diesem Zeitpunkt nirgends erhältlich.

    Jeder hat inzwischen hinreichend von den Problemen gehört, Songs von CDs auf sein iPod schmeißen zu können. Jeder kennt US-Serien die er gerne im Original nur Tage nach Ausstrahlung in den USA gesehen hätte oder Sportereignisse die in Deutschland nicht ausgestrahlt wurden.

    Videospiele und DVDs werden inzwischen nach Regionen verdongelt. “Ratatouille” läuft in Deutschland ein halbes Jahr nach den USA an, obwohl die deutsche Fassung seit Monaten fertig ist. Selbst Satelliten- und Kabel-Receiver werden nun an SmartCards verdongelt, Aufzeichnungen mit Festplattenrekordern unterbunden, Aufzeichnungen nur für bestimmte Rekorder “erlaubt”.

    Solange nicht Infrastrukturen geschaffen werden, dass Leute bequem und zu einem adqäuaten Preis an die Medien kommen, die sie wollen und solange es einfacher ist die P2P-Software anzuschmeißen als z.B. die offiziellen VoD-Angebote in Anspruch zu nehmen, wird das Unrechtsbewusstsein nahe null sein. Solange die Medienkonzerne sich immer neue Tricks überlegen, um die Nutzung der von ihnen vertriebenen Medien noch massiver zu steuern und zu kontrollieren, wird von Seiten der Konsumenten nur wenig Moral zu erwarten sein.

  • 24. Gregor Keuschnig  |  05.Oktober 2007 at 09:44

    Solange die Medienkonzerne sich immer neue Tricks überlegen, um die Nutzung der von ihnen vertriebenen Medien noch massiver zu steuern und zu kontrollieren, wird von Seiten der Konsumenten nur wenig Moral zu erwarten sein.
    Was bedeutet denn das “steuern” und “kontrollieren”? Das eine Serie später gezeigt wird ist schon Grund genug auf eine “Moral” zu pfeifen? Sorry, ich verstehe zwar die Intention dieses Arguments. Aber das ist dann als Rechtfertigung ein bisschen arg schwachbrüstig.

  • 25. Kai  |  05.Oktober 2007 at 10:21

    @24

    Lustiges Argumentationsmuster, oder?

    In diesem Sinne hätte auch Herr OnlineArtikel argumentieren können:

    - Naja, wieso Textklau, der Text ist doch schonmal in hoher Auflage veröffentlicht worden, damit ist er doch quasi Public Domain, so wie ein Song im Radio, ein Serie im Fernsehen.

    - Es ist schwierig, den Text zu rechtlich zu lizensieren. Bei der Menge an Texten, die er täglich, die ich brauche, jeden einzelnen Autoren anzuschreiben… Wer soll das bezahlen. Kann er sich nicht einer Verwertungsgesellschaft anschliessen, oder sich für sowas wie eine Kulturflatrate einsetzen? Dann hat er auch was zu beissen… Nicht, dass ich ihm kein Geld könne, er soll ja auch leben…

    - A propos Geld, also so teuer sollte es nicht sein, er hat ja schonmal Geld dafuer bekommen und siehe oben und unten

    - Ausserdem ist so ein bisschen Verbreitung seiner Texte ja auch immerhin kostenlose Werbung für ihn. Vielleicht liest ja jemand seinen Text und entschließt sich, was von Peer zu kaufen

    - Achja, das mit dem rausgeloeschten Namen, das war ein Versehen, natuerlich. Hatte ihm ja angeboten, den Namen drunter zu setzen, kostenlos, sogar ohne Bearbeitungsgebühr. Ist ja nicht selbstverständlich auf einer Seite, wo AUtoren KOSTENLOS Werbung für sich machen dürfen.

  • 26. dogfood  |  05.Oktober 2007 at 10:45

    “Aber das ist dann als Rechtfertigung ein bisschen arg schwachbrüstig.”

    Es geht nicht um Rechtfertigung sondern um Zustandsbeschreibung. Wie im Leben: erst kommt das Angebot, dann die Rechtfertigung, formerly known as “Moral”.

    Ich heiße den Textklau nicht gut, aber jeder der Leser hier wird selber wissen wann und warum er sich irgendwelcher Materialien/Medien aus nicht kosheren Quelle bedient hat. Hier unterschiedslos mit “Moral” zu kommen, geht an der Wirklichkeit vorbei.

  • 27. dogfood  |  05.Oktober 2007 at 10:52

    @25: Es ist ein Unterschied ob sich jemand fremde Medien für den Privatkonsum kopiert oder für kommerzielle Zwecke weiterverwertet und gar dahingehend ändert, dass der wirkliche Urheber nicht zu erkennen ist.

    Die C.T.-Geschichte ist eine Posse, denn die Quantität der geklauten Texte und Art der Änderungen (Bearbeitung von Grafiken) sind natürlich kein Versehen, sondern Absicht um genügend Füllmaterial für eine Website zu haben, um PageRank abzugreifen und sie dann für seine Zwecke zu verwenden. Dass er jetzt den heulenden Studenten abgibt, ist die Kirsche oben drauf.

    So ein Fall ist aber komplett anders gelagert, als der eines Konsumenten der sich z.B. via BitTorrent DRM-freie MP3s seiner CDs und anderen Ortes nicht erhältliche Mixe runterzieht. Womit wir wieder bei dem “Moral”-Begriff wären.

  • 28. Peer  |  05.Oktober 2007 at 11:19

    Ich verweise angesichts des Stands der Diskussion gerne auch noch einmal auf den Satz: “Wer einen Text unbedingt verwenden will, kann mir eine Mail schreiben und erklären, in welcher Publikation und in welchem Kontext.” Dann geht das ja vielleicht auch völlig unentgeltlich und ohne Probleme.

  • 29. ‘Copy und pasteR&hellip  |  05.Oktober 2007 at 11:21

    [...] Okt 5th, 2007 by maluettig Medienjournalist und BILDblogger Stefan Niggemeier hat eine interessante Diskussion zu autorenrechtlicher Vergütung und Nennung bei Online-artikel.de begonnen. In der an seinen Blogeintrag anschließenden Diskussion wurden auch das unterschiedliche Verständnis der Leistung eines Autors deutlich. Peer Schader von Medienpiraten.tv veranlasste dies zu einem grundsätzlichen Statement zur ‘Copy und paste’-Arbeit manch anderer, die ich hier nicht vorenthalten möchte. [...]

  • 30. Kai  |  05.Oktober 2007 at 12:04

    @27 Der Unterschied ist graduell und nicht prinzipiell.

    P2P gibt es wirklich nur, weil die Plattenfirmen uns in .de nicht lizensierte Mixe vorenthält?

  • 31. Frank  |  05.Oktober 2007 at 22:58

    Wer mit dem Eigentum/der Arbeit anderer Kohle machen will gehört bestraft. Punkt. Besonders, wenn er vorher nicht fragt und erst recht, wenn er auch noch die Urheberhinweise entfernt.

    p2p ist doch zu 99% privat, denke ich mal – von daher hinkt der Vergleich zwischen Musikfan und Musikindustrie als Gegner doch arg, bezogen auf Peers Artikel.

    Peer redet hier weniger von Privatleuten, sondern von Leuten, die mit dem Cut and paste GELD verdienen bzw. es zumindest versuchen.

    Die Diksussion hier hat sich leider vom Ursprung entfernt, schade…

  • 32. Kai  |  06.Oktober 2007 at 00:41

    Ich bin überrascht, dass ihr so große Unterschiede macht.
    Herr OnlineArtikel ist ein boeser boeser Ausbeuter, der den armen Peer übers Ohr haut.

    Der Kazaa-Nutzer, der Songs shared, um noch mehr Songs zu bekommen und Metallica die Umsätze reduziert, ist natürlich was anderes. Er ist privat und hat angeblich keine Gewinnabsicht, höchstens eine Ausgabenersparnisabsicht. Aber das ist ja ok, er ist ja privat und sowieso ärmer als Metallica.

    In dieser Logik werde ich dann demnächst Peers Artikel bzw. die Zeitungen, in denen sie erschienen sind auf meiner privaten Webseite zum Download anbieten. Ist ja nicht kommerziell und 99% privat.

    Die DIskussion hat sich nicht von ihrem Ursprung entfernt, sie dreht sich im Kreis.

    Da gibt es Peer, der sich zu recht ueber die ungenehmigte Verwendung beschwert und am Ende nur gefragt werden, nicht mal Kohle haben wollte.

    Da sind die Engagierten, die sich ganz furchtbar echauffieren und nachdem sie mit den Captchars ihren Kommentar freigeschaltet haben mit Shift-Tab zum Torrent-client wechseln, um zu checken, ob die neueste Folge von sagen wir Prison Break da ist. Es gibt so ein schönes griechisches Substantiv, welches dieses Verhalten perfekt beschreibt.

    Die Gewerbsmäßigkeit spielt lediglich bei einer Strafbemessung eine Rolle, nicht dabei, ob es sich um ein Vergehen handelt, oder nicht.

    Was mich aber wirklich interessiert und ich wuerde mich freuen, wenn Peer dazu was sagen könnte:

    Seine Texte fuer die FAZ werden ja auch hier auf der Seite veröffentlich. Gibt es da eine Regelung mit der FAZ? Denn meistens sind die Artikel in FAZ.NET auch nur gegen Micropayment lesbar. Gibt es da eine Karenzzeit, nach der der Artikel erst Online gestellt werden? Oder gilt das als Werkprobe?

  • 33. Peer  |  06.Oktober 2007 at 11:36

    @Kai: Das ist ganz einfach. Die Texte gehören mir, ich habe sei zur Verwendung an die “FAZ” verkauft, kann aber rechtlich gesehen damit machen was ich will (z.B. weiterverkaufen). Bei festen Mitarbeitern ist das in der Regel anders: Die treten per Vertrag ihre Rechte komplett ab. Für freie Mitarbeiter wollen das die Zeitungen natürlich auch gerne erreichen. Aber ich werde mich hüten, dazu öffentlich zu äußern. Näheres gerne per Mail.

  • 34. Frank  |  07.Oktober 2007 at 04:57

    @Kai: ich kann mich nicht erinnern, gesagt zu haben, daß ich illegale downloads via p2p okay finden würde…
    Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, daß dieses Thema mit dem, was Peer anspricht, recht wenig zu tun hat.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Aber in einem stimmt deine Interpretation. Für mich ist es zwar kein juristischer, aber doch schon ein moralischer Unterschied, ob jemand zu privaten Zwecken (also nicht für Publikation etc.) oder zur Publikation – und dann eben womöglich noch mit kommerziellen Absichten – das Eigentum anderer (und dazu zählt auch das Geistige) ungefragt benutzt.
    Nur zur Klarstellung.

  • 35. Das große Thema Textklau&hellip  |  09.Oktober 2007 at 14:39

    [...] Ich habe mir die letzten Tage oft darüber Gedanken gemacht, wie denn nun der Fall Online-Artikel.de und ähnlich gelagerte Versuche der Content‑Übernahme zu bewerten sind. Vielleicht lag es am gestrigen Sieg meiner Heimmannschaft und der anschliessenden, äußerst entspannenden Duschzeremonie, aber heraus kam Folgendes: Wieso regen sich eigentlich alle so in dieser Form auf? Klar, die Argumente, die hier bei den Medienpiraten zu lesen sind, stimmen im Grunde und machen Sinn, aber ich nehme einem Großteil der Kommentatoren und Blogger, die sich im Rausch des Echauffierens über das Thema Textklau hermachen, einfach nicht ab, daß sie da mit ihrer Aufgeregtheit hundertprozentig richtig liegen. Ich frage mich, warum teilweise eine Menge dieser Blogger kein Problem damit haben, z.B. Videos von Youtube einzulinken, aber beim Textklau so zimperlich reagieren? Gibt es da etwa keine Rechteinhaber, deren Urheberrechte ich damit verletze? Ist das Material nicht auch einfach nur dazu da, ein wenig was dazu zu schreiben und seinen Lesern neues Futter zu geben? Natürlich, ich gebe mich dann nicht als der Urheber der Videos aus, aber Fakt ist, daß ich sehr wohl die Rechte anderer – meistens sogar gleich mehrerer – Personen verletze, wenn ich diese Clips ohne deren Zustimmung verbreite. Da kann man jetzt sagen, dass das so okay ist, da hätten ja dann alle etwas von und manchmal hilft es ja auch bei der Werbung für einen Film oder eine Band, aber es bleibt dabei: Es ist irgendwie nicht wirklich rechtens. [...]

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