Betty TV: Wohin mit der Fernbedienung?
17.August 2007
Mit Betty wird es nie langweilig. Nein, halt. Korrekt muss es heißen: Bei Betty wird es nie langweilig. Nach dem Deutschland-Start im Februar kommt das Münchner Unternehmen mit seiner interaktiven Fernbedienung nicht so recht voran. Ende Juli meldete Betty TV zwar einen “erfolgreichen” Launch – aber die 100.000 Geräte, die bisher von deutschen Fernsehern und Fernseherinnen zum munteren Mitraten benutzt werden, sind doch arg weit von dem ursprünglichen Ziel (500.000 Bettys bis Jahresende) entfernt.
Es ist nicht mal so richtig klar, wieviele Bettys tatsächlich zum Marktpreis von 39,90 Euro verkauft wurden. Schließlich werden online täglich fünfzig kostenlose Exemplare verlost und vor Elektronikmärkten bekommt man im Vorbeischlendern von Promotion-Mitarbeitern auch schon mal ein Gerät in die Hand gedrückt ohne bezahlen zu müssen.
Christian Morawietz, Marketingchef bei Betty TV Deutschland, prognostiziert jetzt: “Das Wachstum wird wesentlich langsamer sein. Wir rechnen für 2007 mit 150.000 Geräten.” Und Ende Juli ist Vorstandschef Wolfram Schmidt gegangen, offiziell wegen “unterschiedlicher Auffassungen über die weitere geschäftliche Ausrichtung von Betty TV in der Zukunft” (worauf bereits in einigen Blogs hingewiesen wurde).
Zu allem Unglück der Münchner überlegt jetzt auch noch der Investor Swisscom, ob er überhaupt noch Interesse an Betty TV hat. Swisscom-Sprecher Carsten Roetz sagt: “Es liegen Betty betreffend einige Optionen auf dem Tisch, sowohl die Schweiz als auch Deutschland betreffend. Derzeit ist alles offen.” Möglich ist, dass Swisscom sich künftig im Ausland auf das Breitbandgeschäft konzentrieren will. Im Mai ist der italienische Anbieter Fastweb für einen Milliardenbetrag gekauft worden: “Das war noch nicht abzusehen, als damals in Betty investiert wurde. Der Zukauf bindet nun aber Ressourcen, sowohl finanzieller Art als auch im Management”, so Roetz.
Im ersten Halbjahr hat Betty TV die Swisscom rund 59 Millionen Franken (36 Millionen Euro) gekostet (Deutschland und Schweiz). In der Schweiz sind lediglich 10.000 Geräte verkauft worden. Für Deutschland hat Swisscom nach eigenen Angaben 300.000 Bettys anfertigen lassen.
Mehr dazu steht heute in der “FAZ”.
Artikel gespeichert unter: Im Fernsehen
bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. dd | 17.August 2007 at 11:31
Hallo Peer,
Wird der Artikel bei der FAZ nach einigen Tagen online auch kostenlos zur Verfügung stehen oder steht der heut auch im Print?
2. Peer | 17.August 2007 at 11:45
@dd: Das weiß ich leider nicht. Steht heute aber auf der Medienseite.
3. Danny | 17.August 2007 at 12:12
Betty wär wohl was für mich, würd ich endlich mehr PoSieben, Sat1 und Kabel1 gucken.
4. dd | 17.August 2007 at 12:35
OK danke, schau ich nachher mal am Zeitschriftenladen vorbei. Vor allem die offizielle Bestätigung das der CEO gegangen wurde hat ja lange auf sich warten lassen, das will ich jetzt schwarz auf weiß lesen
… es gibt da auch noch ein paar interne Gerüchte warum. “unterschiedliche Auffassungen” dürfte da harmlos ausgedrückt sein. Man entlässt einen CEO ja auch nicht mal von heut auf morgen, nur wegen “unterschiedlichen Auffassungen”.
5. dd | 17.August 2007 at 12:39
@Danny
Das klingt ja super. Sat1 Archiv Fernsehen, weil die kein Geld mehr ausgeben wollen, PRO7 Popstars am laufenden Band und Kabel die 180 000 King of Queens Wiederholung. Das sind Aussichten, da hilft auch diese FB nichts mehr.
6. Danny^ | 17.August 2007 at 17:27
PoSieben, Satt1 und Kabe-lau1 wie ich sie nenne
7. + Blog`N`Roll + » B&hellip | 17.August 2007 at 18:02
[...] Hinzu kommt nun auch noch eine Aussage des Marketingverantwortlichen der die Jahresprognose mal kurz von 500 000 auf 150 000 Stück reduziert hat. Dazu ist immernoch unklar, wie viele Haushalte tätsächlich die Betty nutzen. Denn, wie man in diversen Foren nachlesen kann, benutzen viele Betty User mehrere Geräte im selben Haushalt. Was die Reichweite des Mediums nochmal erheblich reduzieren würde. Zwischen 100 000 Geräten und 100 000 Haushalten besteht eben doch ein erheblicher Unterschied. [...]
8. Torsten Dewi | 17.August 2007 at 23:16
Ich habe nie verstanden, was Betty soll – es ist ein sehr auffällig für den Konsumdruck konzipiertes Produkt, dessen wirklicher Mehrwehrt sich für die gewöhnliche Sofakartoffel sehr in Grenzen hält. Eine interaktive Variante der Paypack-Karten. Nur muss man für die nicht auch noch Geld bezahlen. Vielleicht ist da der Haken: man hätte die Fernbedienung verschenken sollen, um dann an deren Benutzung zu verdienen.
Aber ein anständiges Tivo-System gibt’s hierzulande immer noch nicht, grrrr…
9. Ackergolfer | 21.August 2007 at 01:06
Seit es bei Pro7 die Aktion mit dem Programmplatz 7 für Pro 7 gab hab ich den Sender auf dem Paltz gespeichert… Gewonnen hab ich noch nichts… Aber tut ja auch nichts zur Sache
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