Wie sich der Grimme Online Award ändern muss
19.Juni 2007
Angenommen, es soll den Grimme Online Award trotz allem, was in diesem Jahr schief gelaufen ist, auch im nächsten noch geben: Was müsste sich ändern? Vielleicht macht es Sinn, das gemeinsam zu diskutieren. Hier sind schon mal ein paar Vorschläge, die als Diskussionsgrundlage verstanden werden sollen. Und nicht als besserwisserische Empfehlungen.
1. Ein Forum muss her!
Eigentlich kann man sich für seinen Preis nichts Schöneres vorstellen, als dass sich die Menschen für ihn interessieren. Das ist beim GOA definitiv der Fall. Auch in Zeiten, in denen es nicht so viel zu kritisieren gibt. Wer einen Preis für ausgewählte Internetangebote vergeben will, muss aber auch die Diskussion zulassen, die sich in dem Medium entwickelt, in dem man sich dafür bewegt. Es hat großen Diskussionsbedarf gegeben in diesem Jahr – und in Marl hat man sich eher belästigt gefühlt anstatt die wesentlichen Punkte herauszufiltern und eigenständig zur Diskussion zu stellen. Grimme hat bloß reagiert, und das meist viel zu spät. Das ist keine gute Methode.
Was wäre aber, wenn die Nutzer in einem offiziellen Forum des Grimme Online Awards (sachliche) Kritik äußern dürften und unmittelbar mit den Organisatoren in Kontakt treten? Brenzlige Situationen ließen sich viel früher entschärfen, Missverständninsse vermeiden. Ganz klar: Der GOA braucht ein eigenes Internet-Forum auf seiner Seite. Damit die Nutzer nicht das Gefühl haben, bloß für einen Klick beim Publikumspreis gut zu sein, sondern indirekt an der Gestaltung des Preises teilhaben können. Ja, das ist aufwändig. Aber unverzichtbar.
2. Mindestens drei Monate online!
Man kann das sicher anders sehen, ich glaube allerdings: Wenn man eine Internetseite auszeichnen will, macht es Sinn, sie auch dafür zu belohnen, dass sie über eine längere Zeit die Qualität bewiesen oder sich die Originalität bewahrt hat, die sie auszeichnungswürdig macht. Nur dann lässt sich einschätzen, ob diese Besonderheit auch von Dauer ist. Wenn jedes Webangebot, das erst kurz vor Schluss des Nominierungszeitraums gestartet ist, zweieinhalb Monate später schon eine Trophäe einheimst, macht das misstrauisch. Und kein Seitenbetreiber müsste sich mehr die Mühe geben, sein Angebot selbst durchzusetzen, jeder könnte auf den Promotion-Effekt der Nominierung spekulieren – und, wenn es nicht geklappt hat mit dem Award, die Seite wieder sausen lassen.
3. Ähnliche Chancen!
In Marl haben sie Recht: Es ist unfassbar schwer, geeignete Kategorien für so einen Preis zu entwickeln, weil sich das Internet schlecht in Formen pressen lässt. Aber besser als jetzt muss es doch gehen, zumindest beim Publikumspreis, wo private Weblogs gegen kommerzielle Internetanbieter antreten, die auf ganz andere Ressourcen zurückgreifen können, um Nutzer für die Stimmabgabe zu mobilisieren. Vielleicht könnte man zwei Publikumspreise vergeben: einen für das Angebot eines Senders oder kommerziellen Anbieters, und einen für die Seite eines Privatanbieters. Für beide ließe es sich jeweils separat abstimmen, um zumindest ansatzweise ähnliche Chancen zu wahren. Oder man wechselt einfach von Jahr zu Jahr ab.
Wie gesagt: Das ist keine Vorlage zu einer Doktrin. Und jeder Punkt ist diskussionswürdig. Ich glaube jedoch, dass es mit ein paar kleinen Änderungen am GOA-Statut, wie sie bereits in Aussicht gestellt wurden, für das nächste Mal nicht getan sein wird.
Und irgendwie wäre es doch nett, in Deutschland einen Preis für gute Online-Angebote vergeben zu können, ohne dass man sich peinlich berührt die Hand vor Augen halten muss.
Artikel gespeichert unter: Im Netz
Stichwörter: Grimme Online Award
bisher 4 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. Jochen Hoff | 20.Juni 2007 at 07:53
Du gehst von einer falschen Grundvoraussetzung aus. Du unterstellst guten Willen. Nimm diese Unterstellung zurück und schon siehst du das was ich auch sehe.
Beschiss soweit das Auge blickt. Beiden Internet-Awards sind sie jetzt aufgeflogen. Das heißt aber eben nicht, das dies hier eine singuläre Erscheinung ist. Nein. es ist die Spitze des Eisbergs.
Dieser Preis hat sich selbst erledigt und kann nicht mehr vergeben werden. Aus.
2. Manuel Wolff | 20.Juni 2007 at 11:25
Oder man lässt es ganz – mal ehrlich, welchen Sinn und Zweck haben diese Preise denn? Auchwenn man sie jetzt Awards nennt, aber mehr als Selbstbeweihräucherung ist es ja nicht.
3. Peer | 20.Juni 2007 at 11:47
@Manuel: Man könnte über solche Preise die Aufmerksamkeit eines breiten potenziellen Publikums auf Websites lenken, die nicht universell bekannt sind.
4. Das Adolf Grimme Institut&hellip | 21.Juni 2007 at 13:25
[...] Rund um den Grimme Online Award habe ich viel über die netten Damen und Herren in Marl geschrieben. Die Frage, die ich nun gleich stelle, wollte ich eigentlich nur im Hinterkopf behalten, für den Fall, dass der Grimme Online Award im nächsten Jahr wieder nach Mauschelei Vetternwirtschaft duftet . Ich bin ja mal gespannt, ob einige Ideen von mir oder den Kollegen von medienpiraten.tv (Foren sind ja sowas von Web 1.0 *g*) umgesetzt werden. Stefan Niggemeier hat auf seinem Blog eine Pressemitteilung für das Institut einen Artikel veröffentlicht. Unter anderem schreibt er: [...]
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