Ausgezeichnetes Geschäftsmodell

15.Mai 2007

Es ist wohl ziemlich deutlich geworden, dass ich die Nominierung von hausgemacht.tv für den Grimme Online Award diskussionswürdig finde. Und je mehr ich mir darüber Gedanken mache, desto sicherer bin ich deswegen.

In den Nutzungsbestimmungen der Website für Mitglieder, die eigene Videos hochladen wollen, räumen alle, die sich anmelden, dem Betreiber Seven One Intermedia “räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte Rechte ein” (Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht, das Recht der öffentlichen Wiedergabe, das Senderecht, das Archivierungs- und Datenbankrecht).

Klar, dass das aus Sicht eines Unternehmens Sinn macht. Von einer Entlohnung der Nutzer, falls deren Clip irgendwann einmal im TV laufen sollte (was nicht so unwahrscheinlich ist), ist dort nicht die Rede.

Unter “§ 4 Rechteübertragung” steht außerdem:

“Der Nutzer nimmt zur Kenntnis und ist durch die Übermittlung der Inhalte auf die www.hausgemacht.tv- Seite damit einverstanden, dass die SevenOne Intermedia im Umfeld seiner Inhalte Werbung platziert.”

Und dann ist da noch “§ 5 Gewährleistung und Haftung”, mit dem man Seven One Intermedia als Nutzer von sämtlichen Kontrollpflichten freispricht sowie selbst die Verpflichtung eingeht, “Bußgelder, Schadensersatz, sowie sämtliche Kosten der Rechtsverteidigung und anwaltlichen Vertretung” zu übernehmen, falls es wegen des eingestellten Videos Ärger gibt .

Über seinen Clip hat der Nutzer bei all dem kaum noch Kontrolle. Und Pro Sieben Sat.1 verdient im besten Falle am kostenlos zur Verfügung gestellten Content. Keine Frage: ein augezeichnetes Geschäftsmodell. (Der Werbeblogger hat es noch etwas ausführlicher aufgeschrieben.)

Damit es keine Missverständnisse gibt: Ich finde die Idee von hausgemacht.tv originell. Mag sein, dass sie sogar preiswürdig ist, wenn sie sich einmal etabliert hat (zum Beispiel beim Grimme Online Award 2008, wenn das überprüfbar ist). Aber ich versuche noch zu begreifen, warum man es damit so eilig hat.

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bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Kallas Hrod  |  16.Mai 2007 at 01:10

    Das finde ich sehr wichtig, die Menschen über sowas aufzuklären. Viel besser finde ich da die Philosophie von anderen Projekten, wie z.B. Wikipedia, denn die dort von mir hochgeladenen Inhalte gehören niemandem … oder allen, je nach Blickwinkel.

    Gibt es eigentlich schon ein WikiTube? ;)

  • 2. Leo Kirch  |  18.Mai 2007 at 10:13

    kallas, dann nehmen sich die fernsehsender die inhalte eben umsonst. für den nutzer ändert sich nichts.

  • 3. medienpiraten.tv » &hellip  |  21.Juni 2007 at 20:21

    [...] Nachtrag: Ach so, und vielleicht kann man bei allem Willen zur Versöhnung doch noch einmal erwähnen, dass mit hausgemacht.tv ausgerechnet eine Website den “Publikumspreis” gewonnen hat, die ihrem Publikum, das sich beteiligt, alle Rechte an dessen Inhalten wegnimmt, außer dem, sich verklagen zu lassen. Soviel nur zum Thema: “Wir sind die, die dem Publikum danken können.” [...]

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