Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte

27.Dezember 2010

Auf dem Nachhauseweg nach Berlin, in meine Wohnung in Prenzlauer Berg, war am Sonntag viel Zeit, um all das zu lesen, was die ganze Zeit liegen geblieben ist. Zum Beispiel einen interessanten Text aus dem “Observer” über den Bezirk einer bekannten Großstadt, in dem gerade drastisch die Mieten steigen und dessen bisherige Bewohner sich von Kohle und Kommerz weggedrängt fühlen.

In einem Absatz wird, wie ich finde, ziemlich gut das Prinzip der so genannten Gentrifzierung erklärt:

“An old neighbourhood has cheap rents that attract artists. The artists spruce the place up. That attracts youthful newcomers. That attracts the bars, shops and restaurants the newcomers like. The neighbourhood becomes cool. And safe. That attracts wealthier people, with families. The rents rise. Older inhabitants and original pioneers then leave and start again somewhere else.”

Der Text handelt vom New Yorker Stadtteil Williamsburg, in dem genau das gerade passiert, aber er hätte ebenso gut über Prenzlauer Berg geschrieben werden können – nur nicht in deutschen Zeitungen, nicht jedenfalls so nüchtern und analytisch, weil deutsche Journalisten beim Schreiben ungern auf ihre Vorurteile verzichten. Das immerhin haben sie mit manchen Bloggern gemeinsam. Zum Beispiel Andrej Holm. In seinem “Gentrification Blog” schreibt Holm nach eigener Angabe über “die Aufwertung von Stadtvierteln” und die “Mobilisierungen der Mieter/innen dagegen”. Wahrscheinlich ist das bloß nachlässig formuliert.

Die “Berliner Zeitung” nennt ihn einen “linken Stadtsoziologen und Gentrifikations-Experten”, Wikipedia bescheinigt ihm ein durchaus interessantes “Leben und Wirken”. Es geht Holm, wenn ich das richtig verstehe, um Dokumentation und Kritik dessen, was der “Observer” als Prinzip beschrieben hat, auch und vor allem am Beispiel Prenzlauer Berg. Das ist interessant und löblich.

Vor anderthalb Wochen hat Holm einen Eintrag über die neuen “Prenzlauer Berg Nachrichten” geschrieben, eine Anfang Dezember gegründete Internet-Stadtteilzeitung (zu der ich gleich mal disclaimen kann, dass ich täglichen Kontakt zu einer der Autorinnen habe). Holm sieht die Neugründung als Bestätigung dessen, was Prenzlauer Berg derzeit verändert. Er nennt die Online-Zeitung “Medium der Selbstvergewisserung eines bildungsbürgerlichen Aufwertungsmilieus”.

Seine Kritikpunkte sind folgende:

1. Die Redaktion der “Prenzlauer Berg Nachrichten” ist für Holm eine “Ansammlung schlechter Klischees”, weil fast alle aus dem Westen kommen. Die Zeitung ist (auch deshalb) für ihn ein “prima Untersuchungsgegenstand für ethnologische Studien zu den diskursiven Raumaneignungsstrategien von Hinzugezogenen in Prenzlauer Berg”. Sie müssen das entschuldigen: Der Mann kann nicht anders, er ist Wissenschaftler. Übersetzt bedeutet die Einlassung: Die, die den alten Prenzlauer Bergern die Wohnungen wegnehmen und ständig Latte Macchiato trinken, machen jetzt auch noch eine Zeitung darüber, wie sie ständig Latte Macchiato trinken. Das stimmt so zwar nicht, musste aber offensichtlich mal gesagt werden.

2. Die Zeitung hat, Holm zufolge, nur einen “begrenzten Informationswert für alle, die sich tatsächlich mit der Bezirkspolitik beschäftigen wollen”, weil es bloß um Schulen und Gehwegsanierungen geht. Also: wenn man die Interviews mit dem Bezirksbürgermeister und der Stadträtin für Gesundheit, Soziales, Schule und Sport sowie das Porträt des Bezirksstadtrats für Öffentliche Ordnung sowie einige Texte über Stadtentwicklungsproblematiken ignoriert, wie Holm es getan hat.

3. Die Zeitung habe außerdem ein “merkwürdiges Gründungsmotiv”, findet Holm, und zitiert Herausgeber Philipp Schwörbel, der sagt, er glaube an die Zukunft eines solchen Projekts, weil sich die Berliner Tageszeitungen immer mehr aus der Bezirksberichterstattung zurückziehen.

Der Schlüsselsatz in Holms Beitrag lautet aber: “Ich habe von Lokal-Journalismus nicht wirklich viel Ahnung (…).” Er hat Recht.

Und es ist eine feine Ironie, dass er, der ja nach eigener Auskunft keine Ahnung vom Lokaljournalismus hat, sich zutraut, trotzdem darüber zu urteilen – während er den Zugezogenen, die eine Zeitung über ihren Bezirk machen, von dem sie (Holm zufolge) keine Ahnung haben, dieses Recht abspricht.

Es wird die Gentrifikations-Experten unter Ihnen schocken, aber genau so funktioniert Journalismus: als ständiger Annäherungsprozess an ein Thema, zu dem sich ein Autor Wissen aneignet, indem er mit (Fach-)Leuten spricht, sich ein eigenes Bild macht und das, im besten Falle verständlich geschrieben und somit im Gegensatz zur Wissenschaft, an interessierte Leser vermittelt. Mit der Zeit kann man sich so ein Fachgebiet erarbeiten, mit dem man sich sehr gut auskennt.

Guter Lokaljournalismus ist auch nicht der, der permanent dem Umsturz entgegenschreibt – sondern sich ausgewogen und intensiv mit dem Umfeld seiner Leser auseinandersetzt. Ganz oft gehören dazu vermeintliche Nichtigkeiten. Die Menschen interessieren sich nunmal dafür, wenn in ihrer Nachbarschaft ein neues Haus gebaut oder die Tram-Haltestelle verlegt wird. Weil es sie direkt betrifft.

Die Qualifikation, die den Journalisten der “Prenzlauer Berg Nachrichten” fehlt, ist Holm zufolge, dass sie im Osten aufgewachsen sind. So ein Unfug. Die wenigsten Journalisten, die über die Atompolitik Irans schreiben, sind ausgebildete Kernphysiker. Es ist auch keine Voraussetzung, schon mal Kanzler gewesen zu sein, um in der “Süddeutschen” einen Kommentar zur Regierungsbilanz Angela Merkels schreiben zu dürfen. Aber wer übers Lokale schreiben will, darf das nur, wenn er an Ort und Stelle schon in die Windeln gemacht hat?

Natürlich ist es wünschenswert, wenn eine solche Zeitung auch Journalisten beschäftigt, die einen derartigen Zugang zum Thema der Berichterstattung haben. So wie ich das verstehe, ist Herausgeber Schwörbel offen für Bewerbungen. Holm aber weiß zwei Wochen nach dem Start der “Prenzlauer Berg Nachrichten” bereits, wie es mit dem Projekt weitergeht: Einen “Zugang zu verschiedenen sozialen Milieus, die Vorstellung verschiedener Perspektiven”, glaubt er, seien “eher nicht zu erwarten”. Der ganze Blogeintrag trieft nur so vor Empörung über die Zugezogenen – und es ist zu hoffen, dass der Wissenschaftler Holm seinen Studenten differenzierter zu erklären weiß, was er über Stadtentwicklung geforscht hat. Denn in seinem Blog wirft er alles in einen Topf.

Zugezogene sind, wenn sie aus dem Westen kommen, ein Studium absolviert haben (und in diesem Fall: Medienerfahrung mitbringen), unerwünschte Besatzer, die bisherige Bezirksstrukturen vernichten. Damit macht Holm es sich sehr einfach.

Sicher ist die Veränderung in Prenzlauer Berg extrem. Aus dem Arbeiterbezirk ist einer geworden, in dem die Leute mit Freude SUV fahren, viel Zeit für ihre Kinder haben und teure Dachgeschosswohnungen einrichten. Alles drei trifft nicht auf mich zu, ich weiß aber, dass ich trotzdem mit Schuld an der Veränderungen bin: Ich wohne seit dreieinhalb Jahren in einer Wohnung, für die ich wahrscheinlich doppelt so viel bezahle wie mein Vormieter, weil die Cabriofahrende Hauserbin eine billige Heizung und eine schiefe Dusche eingebaut hat und die völlig kaputten Dielen flott mit Lackfarbe überstreichen ließ. Ich habe mein Büro in der Stargarder Straße und kann jeden Tag dabei zusehen, wie der Bezirk affiger wird. Aber das liegt nicht daran, dass Menschen herziehen, die aus dem Westen kommen. Sondern daran, dass viele glauben, sie hätten, wenn sie eine für eine halbe Million Euro eine Wohnung am Helmholtzplatz und den (nicht unwesentlich günstigeren) Standardkinderwagen kaufen, auch den Bezirk miterstanden und könnten sich aufführen wie die letzten Deppen.

Und natürlich liegt es daran, dass hier gerade das ganz große Geld zu machen ist, weswegen Vermieter es sich leisten können, ihre Mieter wie Dreck zu behandeln und über Hausverwaltungen unter Druck zu setzen, weil es nämlich genauso lukrativ ist, jemanden rauszuekeln, der da dreißig Jahre wohnt, wie jemanden, der erst fünf Jahre da wohnt. Weil so oder so saftig was auf die Miete draufgeschlagen werden kann.

Ich hab ein bisschen gebraucht, um das zu verstehen, aber ich hab jetzt kapiert, dass sich das vermutlich nicht ändern lässt. Das bedeutet nicht, dass es dazu keinen Diskussionsbedarf gibt. Ganz im Gegenteil. Aber das Letzte, was eine dringend notwendige Debatte über die Veränderung der Stadt braucht, ist ein Haufen beleidigter Auskenner, die mit Generalverurteilungen um sich schlagen.

In seinem Blogeintrag anlässlich der Feiertage zeigt Holm “ein paar besinnliche Bilder aus den 1980er Jahren”, als die Welt noch in Ordnung und die Latte-Macchiato-Trinker noch im Westen waren, gewidmet all denen, “die nicht mehr in die Stadt ihrer Kindheitserinnerungen reisen können”.

Lieber Andrej Holm, Sie werden’s nicht glauben: Das geht nicht nur Leuten so, die in Ostberlin aufgewachsen sind. Ich war – Achtung, Prenzlauer-Berg-Klassikklischee! – über Weihnachten bei meinen Eltern in Hessen, die seit einigen Jahren wieder in dem Ort wohnen, in dem ich aufgewachsen bin. Auf den Feldern, durch die ich früher mit meiner Großmutter spazieren gegangen bin, stehen heute ein Baumarkt, ein Edeka und ein Badezimmergroßhandel. Im vergangenen Jahr sind ein Markt für Haustierkram, ein Elektronikmarkt und ein Ein-Euro-Shop dazugekommen. Kürzlich haben am anderen Ende des Orts zwei weitere Supermärkte, ein Drogeriemarkt und ein Klamottencenter eröffnet. Auf der Hauptstraße sind viele Einzelhändler eingegangen. Von den Geschäften, an die ich mich erinnere, ist nur noch der schon damals ranzige Spielwarenladen da, und niemand weiß so genau, warum eigentlich.

Aber es gibt jetzt ein paar hippe Läden für jüngere Leute, in denen eine Hose oder eine Jacke knapp unter 300 Euro kosten. Und der Friseur um die Ecke hat, seitdem die junge Generation das Geschäft übernommen hat und Landesmeister geworden ist, einen übertrieben modernen Bunker zwischen die alten Hutzelhäuschen bauen lassen. In der neu eingerichteten Zahnklinik nebenan lassen sich Prominente wie Brigitte Nielsen behandeln – praktisch, dass es einen Tiefgarageneingang gibt, um nicht erkannt zu werden. Und das alles ganz ohne Hilfe von zugezogenen Milchkaffeetrinkern.

Es ist eben so: Früher ist vorbei. Es bringt nichts, sich daran festzuklammern, und anderen die Schuld zu geben.

Um aber wieder zurück zum Ausgangsthema zurück zu kommen: Dass die “Prenzlauer Berg Nachrichten” keinen Monat nach dem Start schon ein paar ordentliche Verrisse kassiert haben, ist auch ein wunderbarer Beleg dafür, wie ätzend es in Deutschland ist, ein neues Projekt anzufangen. Weil sofort jeder weiß, warum das nichts werden kann. Ich war am Anfang, als ich das erste Mal von dem Projekt gehört habe, auch ziemlich skeptisch – einfach, weil es nicht alle Tage vorkommt, dass sich ein privater Investor dazu entschließt, in ein journalistisches Projekt zu investieren. Dass es jetzt ein Büro gibt, Mitarbeiter und vor allem: eine Zeitung, lässt mich aber hoffen, dass es vielleicht klappt: Journalismus ohne großen Verlag im Hintergrund zu machen, der die Regeln diktiert.

Einen Tag vor Heiligabend hat im übrigen auch die “Berliner Zeitung” die “Prenzlauer Berg Nachrichten” entdeckt und in der Klischeebebilderung noch einen draufgelegt. Torsten Wahl schreibt über “das Blatt zur Bionade”, das “fest im eigenen Milieu” klebe, vor allem wegen eines satirisch gemeinten Texts von Autor Peter Dausend, den ich auch nicht besonders gelungen finde.

Der Ton des “Berliner”-Texts ist nicht nur skeptisch, sondern spöttisch, und der Autor kritisiert, dass (drei Wochen nach dem Start) noch nichts vermeldet wurde, “was nicht vorher anderswo zu lesen war”. Schlimmer noch:

“Am Montag teilte eine aufgeregte Autorin mit, dass die BSR die Papierkörbe am Kollwitzplatz noch nicht geleert hat. Donnerwetter!”

Dass auch Wahl dafür sämtliche Texte untern Tisch fallen ließ, die bis dahin zu stadtpolitischen Themen erschienen waren – geschenkt! Genauso wie das hübsche Detail, dass der Lokalteil der “Berliner Zeitung” am selben Tag Platz für einen fünfspaltigen Text über Physiotherapie für Hunde hatte, was das Müllthema natürlich um Längen schlägt.

Aber wie billig ist das, wenn eine große Berliner Tageszeitung so über ein Projekt berichtet, das auch als Reaktion auf ihre eigene Nachlässigkeit gegründet wurde, weil in etablierten Blättern über Bezirkspolitik immer nur dann berichtet wird, wenn es um die großen Projekte geht. Für alles andere ist wegen der großen Discounteranzeigen ja gar kein Platz mehr.

Zum Ende des Texts übergibt die “Berliner” an den Kritiker Olaf Kampmann, der seit einigen Monaten ein Prenzlauer-Berg-Blog betreibt und sich durch den Start der “Prenzlauer Berg Nachrichten” offensichtlich in seiner persönlichen Ehre gekränkt fühlt, weil ihm allein die Berichterstattung über den Bezirk gebührt. (Siehe dazu auch seine unfassbar aggressiven Kommentare bei kress.de.) Er sagt: “Es kommt mir vor, als wollte hier jemand den Leuten in Mönchengladbach erklären, was im Prenzlauer Berg los ist.” (Der hauptberufliche “Fernsehautor” Kampmann sieht wahrscheinlich auch nie “Tagesschau”, weil ihm da Leute aus Hamburg sogar die Welt erklären wollen.) Dazu kommt die Kritik aus Holms Blog, die der Autor der “Berliner Zeitung” aber in ihre Einzelteile zerlegen muss, um sie verständlich zu machen. Im Ganzen lautet Holms Satz:

“Die oft empörte Abwehrhaltung gegenüber einer ostdeutschen Erinnerungskultur scheint mir der Ausdruck einer quasikolonialen Hegemonialstruktur zu sein, die versucht die faktische und praktische Aneignung des Raumes nachträglich auch noch symbolisch zu manifestieren.”

Wenn er mag, kann er sie behalten, seine ostdeutsche Erinnerungskultur. Auch in Oldenburg, wo Holm nach einem Unijob in Frankfurt am Main in diesem Jahr an der Universität lehrte und hoffentlich als Zugezogener freundlich und offen aufgenommen wurde – solange er sich nicht mit Milchschaumbärtchen erwischen ließ.

“There is a cycle. There is a whole series of places that go through this problem”,

zitiert der “Observer” Professor Joshua Freeman, der sich an der City University of New York mit der Stadtgeschichte befasst, zu den anfangs beschriebenen Umwälzungen im Bezirk Williamsburg. Freeman glaubt:

“Cities and neighbourhoods change all the time. You can’t freeze them. You don’t want to create a sort of museum.”

Wenn der Mann wüsste!

Nachtrag, 28.12.: Andrej Holm hat in seinem Blog auch noch andere Reaktionen auf seinen Beitrag zusammengefasst und verlinkt.

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bisher 44 Kommentare

  • 1. Ronnie Grob  |  27.Dezember 2010 at 14:56

    Was passiert eigentlich, wenn die Gegner der Veränderungen mitbekommen, dass sie mit dieser Haltung per definitionem zur Gruppe der “Konservativen” gehören?

  • 2. Tweets that mention Wie B&hellip  |  27.Dezember 2010 at 15:46

    [...] This post was mentioned on Twitter by Ronnie Grob, Christoph Koch and others. Christoph Koch said: Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte: http://www.medienpiraten.tv/blog/?p=2023 #gentrification #danke [...]

  • 3. Schnitzel-TV  |  27.Dezember 2010 at 16:19

    “Das Blatt zur Bionade” – der war aber gut :)

  • 4. Peer  |  27.Dezember 2010 at 16:20

    @Schnitzel-TV: Das trifft deinen Humor? Schnief.

  • 5. nona  |  27.Dezember 2010 at 17:15

    Jessas. Von der Seele weg. Peer, genervt?

  • 6. Andrej Holm  |  27.Dezember 2010 at 17:35

    Lieber Peer Schader,

    offensichtlich hat mein Beitrag zu den Prenzlauer Berger Nachrichten einen offenen Nerv getroffen. Die differenzierte Wahrnehmungsstruktur von städtischen Veränderungen bereitet regelmäßig vor allem denen Schwierigkeiten, die sich in der Konkurrenz um die reale Hegemonie in Stadtteilen erfolgreich durchsetzen konnten. Dies zu benennen oder um eine andere Perspektive zu ergänzen wird dann schnell mal als „Generalverurteilung“ durch „ eine Horde beleidigten Auskenner“ abgetan. Ich glaube, damit machen Sie es sich zu einfach.

    Wie Sie ja sehr anschaulich am Beispiel ihres hessischen Heimatdorfes beschreiben, verändern sich die Städte und Regionen ständig und auch überall. Richtig erkannt. Sie schreiben, dass sei nun mal so und Früher sei vorbei. Ja, das ist ohne Zweifel so – trotzdem wird es auch in Ihrem Heimatdorf den einen oder die andere geben, die die neuen Geschäfte nicht umstandslos begrüßen und die sich womöglich gerne an die Spaziergänge im offenen Feld erinnern. Wir könnten jetzt ausführlicher darüber nachdenken, warum wer welche Erinnerungen pflegt. Eine soziologische Analyse von Erinnerungskulturen setzt dabei übrigens u.a. bei den Repräsentationsmustern im Hier und Jetzt an: Ob eine Veränderung als längst überfällige Innovation eines unhaltbaren Zustandes begrüßt oder als Verlust wahrgenommen wird, ist wesentlich davon abhängig welche Identifikationschancen der/die Einzelne daran hat. Wenn ich selber in den neuen Geschäften arbeite oder dort günstig die Dinge erhalte, die ich gerne konsumiere, habe ich einen anderen Blick auf die Veränderungen, als wenn ich meinen Hof dafür aufgeben musste und mir ein bisher unverstellter Blick in die Landschaft verbaut wird.
    Es bringt meiner Meinung nach nichts, da mit Basta-Argumentationen („es ist eben so“) zu versuchen eine Vereinheitlichung der Wahrnehmungen zu verlangen. Spannend erscheint mir vielmehr, diese Differenzen zum Ausgangspunkt einer Analyse von sozialen und kulturellen Ungleichheiten zu benutzen. Es kann gut sein, dass Sie sich für Ungleichheiten in der Gesellschaft nicht so stark interessieren – ich mich schon. Mit den Beiträgen in meinem Blog versuche ich dies für den Bereich der Stadtentwicklung kenntlich zu machen – deshalb auch ein Beitrag zu den Prenzlauer Berger Nachrichten (PBN).

    Um den von Ihnen so geliebten Observer mit seiner Sachlichkeit zu den Verdrängungsdynamiken in Williamsburg (New York) zu zitieren:
    „That attracts wealthier people, with families. The rents rise. Older inhabitants and original pioneers then leave and start again somewhere else…“

    Auch in New York geht es offenbar um einen klassenspezifischen Austauschprozess im Stadtteil. Das Gebiet wird attraktiver für wohlhabende Familien – ältere Bewohner/innen und die Kreativen der früheren Phasen müssen ausziehen. Das ist eine sachliche Feststellung: die eine Gruppe hat die andere verdrängt. Wenn ich diese simple Feststellung auf Prenzlauer Berg beziehe und von einem „bildungsbürgerlichen Aufwertungsmilieu“ schreibe, wird es zum Vorurteil?
    Kann es sein, dass Sie sich in meiner Beschreibung anders als in den wohlhabenden Neu-Williamsburgern selbst gespiegelt sehen und einen Beitrag über Prenzlauer Berg mit einem größeren Maß an emotionaler Intensität lesen? Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass Sie die journalistisch gewünschte Nüchternheit der Analyse vermissen.

    Wenn ich Ihre Aufregung richtig deute, wollen Sie die Veränderungen in Prenzlauer Berg (die Sie ja selbst auch recht anschaulich beschreiben) nicht als Ost-West-Problem verkürzt wissen. Das ist schön, denn darin sind wir uns offenbar einig. Ich greife das Thema in meinem Beitrag übrigens genau einmal auf: Im Kontext der Selbstbeschreibungen der PBN-Redakteur/innen schreibe ich, es „klingt wie die Ansammlung schlechter Klischees“ und „so ungefähr stellt sich das Feuilleton den Bionade-Biedermeier vor“. Ist das der „Generalverdacht“ von dem Sie schreiben? Ist das die „triefende Empörung über die Zugezogenen“ die sie in meinem Beitrag lesen?

    Was ich in meinem Blog-Beitrag kritisiere ist weniger eine West-Herkunft als eine milieubezogenen Homogenität der Redaktion (bei der die Herkunft nur eine Komponente ist) die – wie ich versuche zu zeigen – sich in den bisherigen Beiträgen der PBN widerspiegelt (Die Interviews hatte ich bei meiner thematischen Zuordnung übrigens mit gezählt).
    Anders als Sie es mir in die Schuhe zu schieben versuche, geht es keineswegs, irgendjemanden das Recht abzusprechen, eine eigenen Zeitung zu machen – die von mir formulierte Befürchtung bezog sich auf die bisherige Beschränktheit der Perspektive bei gleichzeitig proklamierter Deutungshoheit. Das journalistisch-inhaltliche Konzept ist von einem großen ‘Wir’ des Stadtteils getragen. Ein tendenziöser Filmbeitrag firmiert unter dem Titel „Das ist Prenzlauer Berg“ etc. – die Option eines umkämpften/umstrittenen/differenziert wahrgenommenen Raumes wird zumindest nicht explizit formuliert und auch ein Anschluss an bestehende Stadtteildiskurse wird in den bisherigen Beiträgen nicht offensichtlich gesucht. Vielleicht habe ich ja den Aufruf zum Mitschreiben und die Suche nach neuen Redakteur/innen ebenso übersehen wie einen Hinweis auf die bereits seit Jahren existierenden Weblogs (Leute vom Teute, Helmholtzplatz Blog, Prenzlberger Stimme ) oder die seit Anfang der 1990er Jahre über die Stadterneuerung berichtende Zeitschrift VorOrt.

    Ach ja, Ihre Polemik in allen Ehren: „Der Schlüsselsatz in Holms Beitrag lautet aber: “Ich habe von Lokal-Journalismus nicht wirklich viel Ahnung (…).” Er hat Recht.“
    Das ohne den Kontext zu zitieren ist nicht wirklich überzeugend, denn merkwürdig fand ich ja nicht, dass Philipp Schwörbel „an die Zukunft des Projektes glaubt“ (wie Sie schreiben), sondern dass er gegenüber dem Spiegel als Impuls für die Initiative des Projektes angab, nicht gewusst zu haben wer der Bezirksbürgermeister sei. Dank ihrer Erklärungen weiß ich ja nun, dass die Berichterstattung über das iranische Atomprogramm nicht von Kernphysikern getragen wird – dass die darüber berichtenden Journalist/innen aber wissen, wie der iranische Präsident heisst, erwarte ich trotzdem.
    Von Journalist/innen hyperlokaler Stadtteilnachrichten wünsche ich mir darüber hinaus, dass Sie sich auch für Perspektiven und Konflikte im Stadtteil interessieren, die nicht ihre eigenen sind. Und genau in dieser Hinsicht haben mich die ersten Wochen des Projektes nicht wirklich überzeugt.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Andrej Holm

  • 7. Peer  |  27.Dezember 2010 at 18:01

    @Andrej Holm: Lustig, dass Sie sich eine “journalistisch gewünschte Nüchternheit der Analyse” von mir erwartet haben. Aber vielen Dank für die ausführliche Antwort, die ich sehr viel besser finde als Ihren Blogeintrag. Wir können ja trotzdem noch verschiedener Meinung sein.

    Eine kurze Bemerkung noch: Sie haben, wenn Sie den “Observer”-Text gelesen haben, die Stelle übersehen, an der der Autor beschreibt, wie das Viertel nicht komplett umgekrempelt wird und viele “alte” Bewohner in Williamsburg immer noch großen Einfluss auf das Zusammenleben haben. Ich glaube behaupten zu können, dass wir uns sowas beide auch für Prenzlauer Berg wünschen.

  • 8. Andrej Holm  |  27.Dezember 2010 at 18:58

    @Peer die fehlende “Nüchternheit” hatte ich als Kritik am deutschen Journalismus und meinem Blog-Beitrag verstanden (und nicht von ihnen erwartet). Dass Sie die selbst in Ihrem Blog-Beitrag nicht eingehalten haben, war so offensichtlich, dass ich das Thema nicht weiter vertiefen wollte. Aber vielleicht sind ja Blogs genau das Medium für die sonst unterdrückten Emotionalitäten…
    Auf die verschiedenen Meinungen würde ich auch gerne bestehen – sonst wäre es ja ziemlich langweilig. Ob die ‘alten’ Bewohner/innen auch in Prenzlauer Berg noch großen Einfluss auf das Zusammenleben haben, bin ich mir unsicher. Vielleicht wäre es ein (hyper)lokaljournalistisches Projekt, dieser Frage auf den Grund zu gehen und verschiedenen Interessengruppen eine Stimme zu geben.

  • 9. Manuel  |  27.Dezember 2010 at 19:10

    Worte! Viel zu viele Worte!

  • 10. Stefan Mroser  |  27.Dezember 2010 at 21:49

    Eine wahrlich wirre Kritik eines Medienjournalisten, Andrej Holm hat das schön fachlich erwidert. Ohne in Pauschalitäten verfallen zu wollen, dies aber trotzdem aus emotional-freudigen Gründen zu tun (und es nicht so zu meinen!), der Generalverdacht: So stellt man sich so den halbinformierten bloggenden Medienjournalisten vor: Emotional motiviert, sachlich halbwissend, soziologisch naiv, rhetorisch gebildet und argumentativ äußerst eklektisch. Fiese Kombi, aber weit verbreitet.

    Aber auch bei Andrej merkt man seine Passion an sich für die Ausgrenzten stark zu machen und sich auf bestimmten Themen anhand selektierter Beispiele einzuschießenen, wie ist das wohl sachlich zu begründen?

    Vermutlich gar nicht, auch eher milleu- und berufsspezifisch – wo wir dann auch bei den Gemeinsamkeiten von Peer und Andrej wären.

  • 11. fx  |  27.Dezember 2010 at 21:59

    Danke André für deinen guten Kommentar!
    Vielleicht könnte man das Problem der PBN auch folgendermassen beschreiben: Natürlich haben zugezogene Neu-Prenzlberger jedes Recht der Welt, eine eigene Lokalzeitung zu gründen. Merkwürdig riecht es aber dann, wenn die Geschichte des Stadtteils und speziell die rasante Veränderung in den letzten 25 Jahren, in der die Bevölkerung (anders als in Hintertupfingen) praktisch komplett ausgetauscht wurde, darin überhaupt nicht vorkommt bzw. einfach als eine Art “Naturgesetzlichkeit” dargestellt wird.

  • 12. fx  |  27.Dezember 2010 at 22:13

    p.s.:
    Da sie seit vielen Jahren engagierten Lokaljournalismus betreiben, spricht meiner Meinung nach nichts gegen eine Verlinkung:
    - http://www.leute-am-teute.de/
    - http://www.helmholtzplatz.de/
    - http://www.prenzlberger-stimme.de/
    - VorOrt: http://www.mieterberatungpb.de/download.php

    Zu nennen wäre vielleicht auch noch der wunderbare “Scheinschlag” (mit stadteilpolitischem Fokus – aber nicht Beschränkung – auf Mitte), der leider 2007 eingestellt wurde und bis heute ein klaffendes Loch im Berliner Lokaljournalismus (jenseits von Werbekäseblättchen) hinterlassen hat:
    http://www.scheinschlag.de/

  • 13. Name  |  27.Dezember 2010 at 23:15

    @fx 3:

    Verlinkung wäre sicherlich gut.

    Aber wer macht denn bitte Lokaljournalismus im Prenzlberg?

    - http://www.leute-am-teute.de/ ist eine Bürgerinitiative.

    - http://www.helmholtzplatz.de/ wird vom Pressereferenten des linken Bundestagsabgeordneten Liebich betreut.

    - http://www.prenzlberger-stimme.de/ ist ein Meinungsblog, aber nicht journalistisch

    - VorOrt: http://www.mieterberatungpb.de/download.php ist eine vom Bezirksamt öffentlich finanzierte Zeitung für Mieter (aber sehr gut!)

    Lokaljournalismus ist das nicht.

  • 14. medienpiraten.tv » Wie B&hellip  |  27.Dezember 2010 at 23:32

    [...] den Beitrag weiterlesen: medienpiraten.tv » Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte Tags:Gesundheit, Schule, bezirksstadtrats, sowie-einige, sowie-das, und-der, Sport, soziales, [...]

  • 15. fx  |  28.Dezember 2010 at 01:43

    An einem Streit über den Begriff bin ich nicht interessiert, ich formuliere daher gerne um: “Da sie seit Jahren engagiert über stadtteilpolitische Themen berichten …”. Besser?

  • 16. Berlin: Deutungsgerangel &hellip  |  28.Dezember 2010 at 03:01

    [...] hat mein Artikel gefallen. Peer Schader hat bei den Medienpiraten eine bissige Antwort formuliert: „Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte“. Auch per twitter wurde das Thema aufgegriffen und [...]

  • 17. Guten Morgen | Too much i&hellip  |  28.Dezember 2010 at 09:20

    [...] von den Medienpiraten befasst sich mit dem Prinzip der Gentrifizierung, das besagt, wie ein zuvor wenig interessantes Stadtviertel durch ein bestimmtes Prozedere [...]

  • 18. Peer  |  28.Dezember 2010 at 10:53

    @Andrej Holm: Das wäre nicht nur ein Projekt, Sie haben gerade das Prinzip von Lokaljournalismus begriffen – zumindest im besten Falle. Ich weiß, dass der Lokaljournalismus oft meilenweit von diesen Ansprüchen entfernt ist, aber im Grunde geht es darum, mit ALLEN zu sprechen. Jeder, der mal angefangen hat, journalistisch im Lokalen zu arbeiten, weiß, dass er mit Menschen zu tun haben wird, die unterschiedlich sozialisiert und gebildet sind. Es gehört nicht nur zum Job – der Job besteht sozusagen daraus, übers eigene Milieu hinauszuschauen. Ein journalistisches Projekt wächst oft mit der Zeit. Die haben Sie den Kollegen (anders als den zitierten und oben von fx verlinkten “bereits seit Jahren existierenden Weblogs”) nicht gelassen.

  • 19. Stefan Mroser  |  28.Dezember 2010 at 11:09

    Peer, inwiefern schauen Sie denn über das eigene Milleu bei Ihrer Kritik in diesem Blogeintrag hinaus? Und inwiefern tun das die zitierten Zeitungen von “fx”?

    Eine Säule in der Kritik milleuspezifisch “Selbstvergewisserung” zu betreiben hat ja genau das zum Gegenstand. Allein schon weil der Selektion bestimmter Interessen nachgegangen wird, entsteht dieser Tunnelblick – und durch unkritische, beschönende oder gar durch und durch oberflächliche Berichterstattung der eigenen Selektionen die “Selbstvergewisserung”. Die tagtägliche Konflikte im Kiez, so subtil und gleichzeitig omnipräsent sie auch sein mögen, werden durch die Kinderwagen-Geschichten rhetorisch wegbanalisiert, ob gewollt oder unbewusst. Die daraus entstehende Symbolik – das Ausstrahlen sozusagen – verhilft einer kämpfenden Bevölkerungsgruppe (den Bionade-Biedermeiern) bei der Durchsetzung ihrer Selektionen von Interessen und verdrängt andere aus der Öffentlichkeit. So werden andere Bevölkerungsgruppen nicht nur räumlich verdrängt, sondern auch im öffentlichen Diskurs.

  • 20. Peer  |  28.Dezember 2010 at 11:39

    @Stefan Mroser: Und weil es schiefgehen könnte, braucht man’s gar nicht erst zu versuchen, meinen Sie?

  • 21. Stefan Mroser  |  28.Dezember 2010 at 12:22

    Das steht überhaupt nicht zu Debatte. Es geht nicht darum Menschen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben oder über mögliche Zukünfte zu philosophieren. Andrejs Analyse zufolge bleibt es aber fraglich, ob dies (Richtungswechsel) geschehen wird. Die Zeichen stehen bisher strukturell auf Selbstvergewisserung, wieso sollte das in Zukunft anders werden? Nur weil die Zukunft unbestimmt ist? Das wäre ein weiteres medienjournalistisches Desaster-Argument, welches die zugrundiegenden Richtungsstrukturen ausblendet.

  • 22. Stefan Mroser  |  28.Dezember 2010 at 12:33

    Bzw, sagen Sie uns doch am besten, warum die subtilen Ungleichheits- und Konfliktstrukturen des Viertels plötzlich zu einem relevanten Daueraspekt für die AutorenInnen des Magazins werden sollten, wenn es den RedakteurInnen scheinbar eher darum geht das Viertel für sich und andere auf angenehme Art zu entdecken, über neue Würstchen aus Katmandu oder typische Spielplatzprobleme – und wie man diese bewältigt – zu berichten?

  • 23. Peer  |  28.Dezember 2010 at 12:48

    @Stefan Mroser: Ja, und nachts ist es dunkel, wieso sollte das tagsüber anders werden? Das ist Ihr Argument, Entschuldigung: “Desaster-Argument”. Hübsches Wort.

    Und ich HOFFE inständig, dass jeder sein Viertel auch “auf angenehme Art” entdeckt, weil er sonst nämlich womöglich dauerhaft so schlechte Laune bekommt wie… – ach, egal.

  • 24. nilz  |  28.Dezember 2010 at 13:17

    mir geht die gentrifizierung auch richtig auf den keks. ich finde auch nicht alles gut, was die stadtteilveränderung mit sich bringt. man sehe sich nur das völlig ungerechtfertigte club-sterben an. ein seit jahrzehnten etablierter club muss weichen, weil er NEUE bonzenanwohner stört. das finde ich ungeheuerlich. echt.

    ABER: und das kann man gar nicht so groß und fett schreiben, wie man müsste: was mir genauso auf den sack geht ist diese problem-arroganz. dieses “wir haben das große ganze im blick, wir finden es schlimm das sich keiner mehr die mieten leisten kann und DIE ärgern sich nur über hundescheisse auf dem spielplatz!”. man sollte vielleicht mal von seinem hohen ross der wichtigkeit runterkommen und anerkennen, das für familien mit kindern hundescheisse in der sandbox wirklich ein problem ist. oder junkies im park. oder oder oder. warum sollte darüber NICHT geschrieben weren? warum gibt es immer dieser wahrer der wahrheit, die entscheiden wollen was berichtenswert ist und was nicht? warum kann man nicht anerkennen das menschen in unterschiedlichen sozialen milieus auch unterschiedliche probleme haben, die sie beschäftigen? warum dürfen das dann keine probleme mehr sein? dieses gegeneienander aufwiegen, das ist es doch erst was den keil zwischen alte und neue bewohner treibt. was ein zusammenleben de facto unmöglich macht. weil sich keine der beiden seiten auch nur für 5 pfennig an die eigene nase fasst. so. musste mal raus. puh.

  • 25. Stefan Mroser  |  28.Dezember 2010 at 14:40

    Peer, können Sie das erläutern und auf meine Antwort beziehen, ich habe das nämlich nicht verstanden: “Ja, und nachts ist es dunkel, wieso sollte das tagsüber anders werden?”

    Danke!

  • 26. Peer  |  28.Dezember 2010 at 14:51

    @Stefan Mroser: Sie schreiben: “Die Zeichen stehen bisher strukturell auf Selbstvergewisserung, wieso sollte das in Zukunft anders werden?” Darauf bezieht es sich.

    Viel spannender fände ich aber die Fragen: Welche Zuzugspolitik für einen Bezirk wie den PB würden Sie denn vorschlagen? Wer darf zuziehen? Wer nicht? Und welches Jahr nehmen Sie als Basis?

  • 27. Stefan Mroser  |  28.Dezember 2010 at 15:29

    Peer, da müssen Sie noch ein wenig mehr erläutern, mir wird noch nicht klar, was Sie mit diesem Vergleich sagen möchten.

    Und wer sagt, dass wir eine Zuzugspolitik brauchen? Wir brauchen eher eine ganz basale Aufklärung über gesellschaftliche Dynamiken (Folgen von zunehmender individueller Freiheit und Ungleichheit), sodass Menschen aus Überzeugung anders handeln – nicht, weil sie es vorgeschrieben bekommen.

  • 28. my-tag » medienpira&hellip  |  28.Dezember 2010 at 18:02

    [...] den Originalbeitrag weiterlesen: medienpiraten.tv » Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social [...]

  • 29. Benno  |  28.Dezember 2010 at 18:51

    Diese ganze Diskussion zeigt es mal wieder: Berlin, du nimmst dich viel zu wichtig. Und das gilt sowohl für Neu- als auch Alt-Berliner.

  • 30. Max  |  28.Dezember 2010 at 19:25

    Danke für diesen Artikel, der endlich mal in ein anderes Horn stößt. Als Ex-Stuttgarter, den es für das Studium nach Berlin verschlagen hat, kenn ich diese Diskussion ziemlich gut, inkl. “Schwabenbashing”.

    Irgendwann hatte ich die Schnauze gestrichen voll von den Wendezeit-Konservativen und Pseudolinken und bin nach München. Was soll ich sagen? Eine offene, freundliche und hilfsbereite Stimmung in der ganzen Stadt. Schön hier.

  • 31. Holzinger  |  29.Dezember 2010 at 04:32

    Also mir geht es relativ gut in einer Welt, in der ich es schaffe, mir ehemalige Stasi-Mitarbeiter wie Holm durch zwei oder drei Euro mehr pro m² aus der Nachbarschaft zu halten. Und das sage ich als jemand, der vor mehr als 50 Jahren im Prenzlauer Berg geboren wurde und noch immer hier lebt.

  • 32. Mike  |  01.Januar 2011 at 15:16

    Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr als ich in rascher Folge die Formulierungen

    “wie der Bezirk affiger wird”
    “sich aufführen wie die letzten Deppen”
    “ihre Mieter wie Dreck zu behandeln”

    las,

    und weiter unten unbegründet die Meinungsmache

    “Früher ist vorbei. Es bringt nichts, sich daran festzuklammern, und anderen die Schuld zu geben.”

    da habe ich infolge einer ebenso rasch gewonnenen Vorstellung über den Urheber das [X] geklickt.

    Schönen Tag
    Mike

  • 33. Simon  |  03.Januar 2011 at 18:52

    Irgendwie erinnert mit das Ganze an http://www.yuppiesgegengentrification.de/ – keine Ahnung warum ;)

  • 34. Peer  |  04.Januar 2011 at 11:35

    @Mike: Bevor oder nachdem Sie kommentiert haben?

  • 35. Olaf K  |  04.Januar 2011 at 22:24

    @Name “Verlinkung wäre sicherlich gut. Aber wer macht denn bitte Lokaljournalismus im Prenzlberg? (…) -http://www.prenzlberger-stimme.de/ ist ein Meinungsblog, aber nicht journalistisch”

    Ich mag ja eigentlich nicht um Begriffe feilschen – aber was ist für Sie journalistisch?

    Die Recherchen um die Hintergründe für die beabsichtigte Schließung eines Clubs (ICON) – nicht journalistisch? Die reportierten Berichte über die Kastanienallee-Schlichtung – nicht journalistisch? Die kleinen – zum Teil exklusiven – Reportagen und Berichte über die Investorenpläne zur Bötzow-Brauerei, über die Freiwillige Feuerwehr, die Bäckerei nebenan, die BVV-Sitzungen, die Parkraumbewirtschaftung, die Austellungseröffnungen…. – alles nicht (lokal-)journaliístisch?

    Ja, ich erlaube mir zuweilen, in meiner “Prenzlberger Stimme” auch meine Meinung kund zu tun, und ich möchte meine Haltung auch nicht hinter Pseudoobjektivierungen verstecken. Das ist für mich schlicht eine Frage der (journalistischen) Redlichkeit.

    Das Herumschwörbeln hingegen ist nun meine Sache nicht. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, nur, weil ich eine Website betreibe, mich hochfahrend “Verleger” zu nennen…

    Was also, verehrter Namenloser, wäre für Sie wahrer (“hyper”-) lokaler Journalismus?
    Wenn man mit großem Tamtam (und fast leerer Website) als erstes den Leuten die Taschen vollhaut (“Wir stoßen in ein Vakuum…!”) und dann nur ein zweiteilges Interview mit der “Obrigkeit” – sprich: dem Bezirksbürgermeister – zu bieten hat?
    Und dies hübsch mit ein paar Meldungen aus dem Polizeiticker drapiert?

    Ich habe auf Schwörbels Website bisher erst einen einzigen Beitrag gefunden, der meinem Verständnis von Lokaljournalismus nahekommt. Der übergroße Rest ist – oft auch noch mit sachlichen Fehlern behaftete – Schwörbelei…

  • 36. Markus Merz | Hamburg St. Georg  |  06.Januar 2011 at 17:05

    Was soll denn der Quatsch? Lokaljournalismus ist doch die Summe aller Berichtenden. Freut euch doch über jeden, der ein bisschen beiträgt.

  • 37. graf  |  06.Januar 2011 at 17:31

    @ Olaf K
    was ist Schwörbelei? hab ich nicht verstanden

  • 38. Torsten  |  10.Januar 2011 at 17:28

    Uaaaargh!
    Denn bei dem im Artikel verwandten Wort löblich muß ich immer an diese eine, irgendwie unglaubliche Webseite denken: http://pfaffenberg.permuda.net/

  • 39. Mazed  |  11.Januar 2011 at 14:41

    Also genau so wie es beschrieben steht hätte und in gewissen Teilen hat mein Erdkundelehrer es mit den Slums etc beschrieben.

    Miete niedrig Yuppies rein, Miete wird höher und Gegend besser Yuppies raus

  • 40. Olaf K  |  13.Januar 2011 at 02:46

    ZITAT
    …”Olaf Kampmann, der seit einigen Monaten ein Prenzlauer-Berg-Blog betreibt und sich durch den Start der “Prenzlauer Berg Nachrichten” offensichtlich in seiner persönlichen Ehre gekränkt fühlt, weil ihm allein die Berichterstattung über den Bezirk gebührt…..”

    Ich weiß nicht, wie Sie zu dieser Einschätzung kommen, verehrter Herr Schader: Schwörbel wurde bei Erscheinen seiner Internetseite von mir per e-mail mit einem freundlichen “Willkommen im Club” begrüßt.
    Ungehalten wurde ich erst, als er in seiner Propagandakampagne wirde besseres Wissen behauptete, außer ihm gäbe es da noch nichts – “wir stoßen in ein Vakuum”.
    Dies ist übrigens auch meinen Kress-Kommentaren zu entnehmen. Offenbar haben Sie diese nur schnell, allzu schnell überflogen – da kann man schon mal etwas überlesen…
    Schwörbels Autreten ist seither nicht viel seriöser geworden, mittlerweile wird das auch hier vor Ort schärfer wahrgenommen.

    ZITAT
    “Der hauptberufliche “Fernsehautor” Kampmann sieht wahrscheinlich auch nie “Tagesschau”, weil ihm da Leute aus Hamburg sogar die Welt erklären wollen.”

    Auch hier haben Sie offenbar die Zusammenhänge nicht so ganz erfasst: Die Tagesschau sieht es als ihre Aufgabe an,
    “aus Hamburg sogar die Welt erklären (zu) wollen”, Und man versucht es in der Tat.
    Schwörbel hingegen ist mit der Maxime angetreten, aus Prenzlauer Berg für Prenzlauer Berg zu berichten. Dies tut er zumeist nicht. Er gibt den Prenzlauer-Berg-Erklärer für Auswärtige – und ich fürchte fast, auch für sich selbst.

    Sorry – ganz dumm ist jener Ihrer Sätze: “Dass die “Prenzlauer Berg Nachrichten” keinen Monat nach dem Start schon ein paar ordentliche Verrisse kassiert haben, ist auch ein wunderbarer Beleg dafür, wie ätzend es in Deutschland ist, ein neues Projekt anzufangen. ”

    Nö, Herr Schader, mein Projekt hat noch keine “ordentlichen Verrisse kassiert” (auch keine unordentlichen) , unzählige andere ebenfalls nicht. Den “Vakuum”-Schwindler Schwörbel hats ein wenig getroffen – mehr war da nicht.

    Nichts für ungut: Beim nächsten Mal einfach etwas sorgfältiger lesen, das erspart einem dann auch peinliche Missinterpretationen…

    Gruß nach nebenan!

    Olaf Kampmann

  • 41. MR038 Stefan Niggemeier |&hellip  |  14.Januar 2011 at 00:30

    [...] – Jens Schröder – Local Blogs: “Ich lese keinen Berliner Lokalteil.” – http://www.medienpiraten.tv/blog/?p=2023http://www.prenzlauerberg-nachrichten.de/http://www.prenzlberger-stimme.de/ – [...]

  • 42. Gentrifizierung auch im I&hellip  |  20.Januar 2011 at 18:21

    [...] Gentrifizierung auch im Internet? 20. Januar 2011 Der Prenzlauer Berg verwandelt sich bekanntlich seit längerem. Nicht nur in der wirklichen Welt, sondern auch im Internet. Dies führt zu Auseinandersetzungen. Die einen schmeißen Farbbeutel an Baugruppen oder gründen Bürgerinitiativen gegen Gentrifizierung. Die anderen machen schick in Medien und schreiben dort über sich selbst und für die (eigene) Zielgruppe. Vor kurzem wurde ein neues Internetblog kreiert, in dem recht informativ über den Stadtteil geschrieben wird. Auch das führt zu Auseinandersetzungen. Recht lustig nachlesbar bei den Medienpiraten: Wie Berlin den Prenzlauer Berg zu hassen lernte. [...]

  • 43. Fabian Soethof » Ei&hellip  |  21.Januar 2011 at 21:40

    [...] wäre Berlin ohne seine Gentrifizierungsdebatten. Drüben beim Medienpiraten diskutierten sie zwischen den Jahren erschöpfend über das gute alte und eventuell nicht mehr so [...]

  • 44. Ibbtown.com » Guten&hellip  |  02.Februar 2012 at 21:24

    [...] von den Medienpiraten befasst sich mit dem Prinzip der Gentrifizierung, das besagt, wie ein zuvor wenig interessantes Stadtviertel durch ein bestimmtes Prozedere [...]


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