Wie darf ich Sie heute inspirieren?
12.März 2010
Bei evangelisch.de, dem Online-Portal des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik (GEP), steht heute in der Rubrik Medien eine Geschichte, die den Verantwortlichen so gut gefallen hat, dass sie dafür extra eine Textanzeige bei turi2.de gebucht haben:

Es geht um die RTL-2-Dokusoap “Mädchen-Gang”, die zeigt, wie gewaltbereite Teenager mit ihren Straftaten angeben dürfen bevor sie sich vom Sender läutern lassen. Die Organisation Weißer Ring, die sich um die Opfer von Straftaten kümmert, findet das nicht so gut und kritisiert die Sendung mit deutlichen Worten. Autorin Miriam Bunjes hat sich mit Sprecher Veit Schiemann unterhalten, mal bei RTL 2 nachgefragt und sich bei der Kommission für Jugendmedienschutz nach einer Bewertung erkundigt.

Lustig. Genau das hab ich vor zwei Wochen nach dem Start der Sendung auch fürs Fernsehblog bei FAZ.NET gemacht: Mit Herrn Schiemann vom Weißen Ring gesprochen (dessen Zitate nun auch bei evangelisch.de stehen), bei RTL 2 angefragt (wo man der Kollegin das exakte Gegenteil von dem erzählt hat, was RTL-2-Sprecher Carlos Zamorano vor zwei Wochen erklärte) sowie mit der KJM gemailt (und eine ebenso schwammige Antwort erhalten). Der Beitrag bei FAZ.NET trägt den Titel “Prügeln im Auftrag von RTL 2? Hilfsorganisation kritisiert ‘Die Mädchen-Gang’”.

Ich freue mich ja, wenn Kollegen das gefällt, was ich schreibe, und natürlich ist es legitim, wenn sich manche dazu veranlasst sehen, die Geschichte fortzuführen und auszuschmücken.
Aber so ein kleiner Link auf den Originaltext im Fernsehblog, der wäre der Autorin (die sonst offenbar für die “Initiative Nachrichtenaufklärung” bzw. als Leiterin des Recherche-Seminars Dortmund tätig ist) womöglich zumutbar gewesen.
Artikel gespeichert unter: Im Netz
Stichwörter: Die Mädchen-Gang, evangelisch.de, Fernsehblog, RTL 2
bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben
1. benispacke | 13.März 2010 at 11:20
leude gibts…
2. joybringer | 13.März 2010 at 19:50
was regst du dich auf? du kannst doch noch nicht mal deutsch:
” – Stefan Raabs “Unser Star für Oslo” hat Spaß gebracht.”
http://www.spiegel.de/kultur/m.....62,00.html
leute mit dem bettelarmen sprachgefühl eines fernsehseriendenglisch sitzen an den hebeln der sprachkultur:
was hat uns das gebracht?
spaß?
nee, einen haufen stefanraabgefälligen, stefanraabigen wortmüll.
allein das überfliegen dieses teilsatzes im spiegel online hat uns vielleicht kummer bereitet, synchrondenglisches unheil über uns gebracht, aber ganz bestimmt keinen spaß gemacht .
wer also sollte dir was nehmen, was eh nicht vorhanden ist?
not klaut bei elend? echt? ist das so?
3. Peer | 15.März 2010 at 09:57
@joybringer: 1. Zum “deutsch” gehört auch eine korrekte Großschreibung.
2. Vorspänne schreibt bei SpOn die Redaktion. Wäre natürlich gut, sowas zu wissen, bevor man explodiert, oder?
4. Miriam Bunjes | 15.März 2010 at 13:16
Ich halte es für völlig legitim, wenn mehrere Journalisten über eine diskussionswürdige Fernsehsendung berichten – auch mit ähnlichem Ansatz. Anders als hier suggeriert habe ich mit allen Interviewpartnern selbst gesprochen, zudem auch noch andere Quellen genutzt und andere Fragen gestellt.
5. Peer | 15.März 2010 at 14:15
@Miriam Bunjes: Niemand behauptet, dass Sie nicht drüber schreiben dürfen (steht auch oben im Eintrag). Ich unterstelle Ihnen auch nicht, dass sie nicht mit den Zitatgebern gesprochen haben (steht auch oben Im Eintrag). Ich frage mich nur: Ist Ihnen das nicht zu doof, einen anderswo gelesenen Text eins zu eins nochmal abzutelefonieren und das dann per Textanzeige von Ihrem Auftraggeber als besonders lesenswert präsentieren zu lassen? Lern ich das bei Ihnen im Rechercheseminar?
6. Miriam Bunjes | 15.März 2010 at 14:56
@Peer: Von “eins zu eins” kann ja nun nicht die Rede sein. Die Interviews sind sehr anders gelaufen, RTL2 gibt zu, Schauspieler eingesetzt zu haben und man erfährt, wie es angeblich mit den Täterinnen weitergehen soll. Außerdem schätzt eine vom Opferverband und Sender unabhängige Psychologin Fernseh- und Therapiewirkung ein – mit einem entsprechend ganz anderen Ergebnis als Veit Schiemann. Ob mein Auftraggeber Texte von mir bewirbt, kann ich nicht beeinflussen.
7. joybringer | 15.März 2010 at 22:01
[gelöscht]
8. Ignaz | 25.April 2010 at 16:56
Tatsächlich verstehe ich das Befremden von Ihnen, Herr Schader, nur teilweise: Der Lohn der Arbeit ist es doch, die Geschichte als erster gebracht zu haben (nehme ich jetzt mal an) und als erster die relevanten Gesprächspartner dafür befragt zu haben. Dass jede Folgeberichterstattung in anderen Medien da aber nicht anknüpfen kann, ohne die Grundlagen und damit die oft (nicht immer!) bereits “abtelefonierten” Gesprächspartner erneut zu befragen, ist doch offensichtlich.
Einen ähnlichen Rechercheweg beschreite auch ich als Lokaljournalist, wenn die überregional berichtenden Kollegen einen Verhalt aufgreifen, den ich im Lokalen zu konkretisieren versuche. Ich greife da durchaus auch auf die bereits “abtelefonierten” Gesprächspartner zurück und ergänze im Gespräch die lokale Fragestellung. Zudem stelle ich dem noch die relevanten lokalen Gesprächspartner zur Seite, die dann überregional nicht erwähnt werden. Damit bilde ich den lokalen Diskussionsstand ab, der dann durchaus Mehrwert für den Leser hat.
Würden Sie, Herr Schrader, da aber noch immer von “Originaltext” sprechen, was ja indirekt ein “Plagiat” auf der anderen Seite unterstellt, weil man eben auch dasselbe Thema aufgegriffen hat? Nach meinem Verständnis sind Sie Urheber des Textes. Nicht aber der Diskussion um die Mädchen-Gang-Doku-Soap, die Sie im Text selbst abbilden.
9. Peer | 28.April 2010 at 14:06
@Ignaz: Jeder hat unterschiedliche Ansprüche an seinen Job. Wenn Sie damit zufrieden sind, Informationen anderer zu “ergänzen”, ist das natürlich eine Möglichkeit, Journalismus zu betreiben.
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