Das ging wirklich schnell
Neulich stand an dieser Stelle ja bereits etwas zur Nachhaltigkeit des Erfolgs des Gewinners der letztjährigen “DSDS”-Staffel. Aber wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer.

bisher 7 Kommentare 24. Januar 2010
Neulich stand an dieser Stelle ja bereits etwas zur Nachhaltigkeit des Erfolgs des Gewinners der letztjährigen “DSDS”-Staffel. Aber wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer.

bisher 7 Kommentare 24. Januar 2010
…die über der “Wetten dass..?”-Kritik erscheint, welche man gerade für ein großes Online-Medium geschrieben hat, dann würde ich jedes Mal wieder diese hier wählen, allein schon des schönen Effekts wegen:

Screenshot: Spiegel Online
(Im Fernsehblog steht übrigens auch noch was von mir zu “Wetten dass..?”.)
jetzt kommentieren? 24. Januar 2010
Huch, ich hab ganz vergessen, darauf hinzuweisen, dass die zweite Ausgabe des noch ganz frischen Medienmagazins screen.tv erschienen ist, das seit vergangenem Sommer vom sympathischen Medienkonzern Pro Sieben Sat.1 herausgegeben wird, was ich an sich schon erstaunlich finde, weil man ja gar nicht ahnt, dass zwischen den vielen Rausschmissen, Umpositionierungen und Einsparungen überhaupt noch Zeit für sowas bleibt.
Jedenfalls habe ich in der aktuellen Ausgabe (wieder) ein paar Zeilen über spannende Fernsehformate aus dem Ausland geschrieben. Diesmal geht es um die niederländische Show “Dating in the dark”, die “Dr. House”-Alternative “Sister Jackie” “Nurse Jackie”, den Sci-Fi-Flop “Defying Gravity”, das britische Experiment “The Naked Office” und die sehr sehenswerte Gameshow “The Cube”, die – wie zu hören ist – auch gerade auf dem deutschen Markt angeboten wird.
Falls das jemanden interessiert: Hier geht’s lang.
bisher 7 Kommentare 14. Januar 2010
Vor anderthalb Wochen habe ich im Fernsehblog drüben bei FAZ.NET einen kleinen Leitfaden geschrieben, wie man sich (am konkreten Beispiel) einen “Explosiv”-Beitrag zusammenbaut. In den Kommentaren darunter hat sich eine interessante Diskussion darüber entwickelt, was Boulevardjournalismus alles darf. Daran beteiligte sich erfreulicherweise auch ein Kollege, der für “Explosiv” arbeitet.
Einerseits finde ich das große Klasse, wenn sich jemand so einmischt und der Diskussion stellt – andererseits bin ich noch immer erschrocken darüber, wie wenig der Kollege damit anzufangen wusste, dass viele Kommentatoren (inklusive mir) es für richtig halten, wenn es auch im Boulevard eine gewisse Moral beim Umgang mit fernsehunerfahrenen Protagonisten gibt. Sein Argument ist, sofern ich das richtig verstanden habe: Wenn jemand eine Einverständniserklärung unterschreibt, dass er gefilmt werden darf, dann entbindet das die Redakteure von jeglicher Verantwortung, darauf zu achten, dass dieser jemand sich nicht vielleicht gandenlos selbst blamiert. Es ist ein bisschen das “DSDS”-Phänomen: Wer zum Casting kommt, ist selber schuld, er muss doch damit rechnen, verarscht zu werden.
Dass manche Leute damit gar nicht rechnen, aus Gutgläubigkeit oder Naivität, zählt in dieser Argumentation nicht.
Nun ist es eine schwierige Sache: Muss man Leute, die ins Fernsehen wollen oder sich vom Fernsehen dazu überreden zu lassen, vor sich selbst schützen? Ist das nicht auch irgendwie anmaßend? Ich weiß es nicht so genau. Aber eben deswegen wünschte ich mir Redakteure, die selbst entscheiden, wo die Grenzen sind, ab wann man sich über jemanden nicht mehr nur lustig macht, sondern ihm massiv schadet. Das Ärgerlichste daran finde ich, wenn dieses Sich-Lustigmachen in einem Tonfall passiert, der vollständige Überlegenheit ausstrahlt, wie es “Explosiv” so perfekt beherrscht. Na klar, der Redakteur im Schnitt sitzt am längeren Hebel, wenn sich vor seiner Kamera jemand blamiert hat. Aber machen wir das nicht zu kompliziert.
Eigentlich wollte ich bloß empfehlen, noch einmal einen Blick auf die (langen) Kommentare unter dem Eintrag zu werfen, vor allem die des “Explosiv”-Kollegen, in dessen (bisher) letztem Kommentar einige ganz erstaunliche Sätze stehen:
“Nur verwechseln Sie, ihre persönlichen Moralvorstellungen mit allgemeingültigen. Es ist in unserer Gesellschaft aber so, dass wir uns auf einen bestimmten Wertekanon geeinigt haben, der Eingang in unsere Gesetze und Regeln des Zusammenlebens gefunden hat. Darüber hinaus gibt es andere, die eben gerade nicht Allgemeingültigkeit erlangen sollen. Es steht jedem frei trotzdem danach zu leben, aber diese persönlichen Vorstellungen anderen vorzuschreiben, geht nicht. Das hat etwas Autoritäres.
(…)
Hier wird der eigene Geschmack zum allgemeingültigen Gesetz erklärt – und nur dagegen wende ich mich. Ich verstehe sogar ganz gut, dass einige hier Abneigungen gegen das Millieu haben, aus dem wir berichten, dass einigen vielleicht auch die Verhältnisse zuwider sind, die wir zeigen. Diese politisch nicht ganz korrekte Abneigung arbeiten Sie um in eine reflexhafte Boulevardschelte. Als sei der Überbringer der Nachrichten das eigentliche Übel. Aber nochmal: diese Verhältnisse existieren unabhängig davon, wer darüber berichtet. Ich bin auch ganz froh, dass die Mehrheit in diesem Forum – zumindest soweit sie hier autoritäre Auffassungen vorträgt – nicht mitzureden hat, wenn es um die Ausgestaltung von Pressefreiheit geht. Denn die Freiheit zu berichten ist nicht dazu da, meinen Berufsstand zu schützen, sondern das Informationsbedürfnis der Zuschauer. Und das hier vorgetragene Argument, die seien alle nur zu dumm, das richtige Bedürfnis zu haben, zeigt nur, wie wichtig dieser Schutz ist. Denn wo kämen wir da hin, wenn ein paar wenige, die sich nur für schlau genug halten, allen anderen vorschreiben dürften, was ihnen gefallen darf und was nicht.”
Ich hab bisher immer gedacht: Vielleicht ist es einfach konsequentes Profitdenken, dass man sich bei RTL bisher nicht auf Diskussionen darüber einlässt, ob “Deutschland sucht den Superstar”, wenn es Bewerber in den Castings bloßstellt, nach Ansicht vieler Menschen zu weit geht; vielleicht nehmen die das in Kauf, blenden es aus, weil die Quoten gut sind und die Einnahmen stimmen.
Aber womöglich sind die Leute, die für “DSDS” oder “Explosiv” arbeiten, auch vollständig davon überzeugt, dass man andere Menschen nach Lust und Laune vor der Kamera vernichten darf, wenn sie sich nicht rechtzeitig dagegen gewehrt haben, womöglich ist es für sie eine Gewissheit, dass all die Bedenken, die sich dagegen richten, Quatsch sind, sonst hätte sie ja längst jemand ins Gesetz geschrieben.
Und ich weiß gerade nicht mehr, welche der beiden Varianten ich gruseliger finde.
bisher 12 Kommentare 14. Januar 2010
“So wird bei DSDS geschummelt!”, empört sich heute die “Bild”-Zeitung, weil RTL zugegeben hat, die Sprüche von Dieter Bohlen im Schneideraum manchmal den Kandidaten zuzuordnen, zu denen sie am besten passen – und nicht immer denen, die sie ursprünglich ertragen mussten. Der Vater eines Bewerbers hatte sich beschwert, dass Bohlens Kommentar zum Auftritt seines Sohnes während des Castings gar nicht gefallen war. Bohlen hatte gesagt (im Video bei ca. 2’44):
“Lieber Cholera auf dem Pillermann als dein Gesang.”
Und vor lauter Empörung über die Unkorrektheit von RTL hatte “Bild” keine Zeit mehr, die eigene zu vermeiden. Dafür hätte man sich ja das Zitat aus der Sendung nochmal selbst anschauen müssen. Deshalb ist Bohlens Spruch in der “Bild” jetzt noch unlustiger als im Original, weil er sich in der Zeitungsversion nicht mal mehr (fast) reimt:

Screenshot: Bild.de
bisher 3 Kommentare 08. Januar 2010
Morgen Abend geht “Deutschland sucht den Superstar” in die siebte Runde, und wer es nach Ansicht der Castings immer noch für eine gute Idee hält, sich der Gefahr einer Bewerbung auszusetzen, für die einen womöglich noch die eigenen Enkel verspotten werden, der kann sich bei “X Factor” anmelden, das Vox und RTL im Sommer gemeinsam ausstrahlen wollen. Dem Gewinner wird eine “Karriere im Musikbusiness” versprochen. Im Gegenzug muss man der Produktionsfirma als Kandidat auch ein bisschen was versprechen. All das, was in der “Castingvereinbarung” (pdf) steht, die vor dem Vorsingen unterschrieben wird. Ich hab mal die schönsten Passagen rausgesucht:
“Ich verpflichte mich mit meiner Unterschrift verbindlich zur Teilnahme an der Produktion.”
“Sollte ich nach dem Casting zum ‘Bootcamp’ eingeladen werden, werde ich dem Produzenten schnellstmöglich auf eigene Kosten ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis sowie ein allgemeinmedizinisches Attest, ein Attest eines HNO-Facharztes (beide Atteste nach Vorgabe des Produzenten) übersenden und einen gültigen Reisepass vorlegen.”
“Ich übertrage auf den Produzenten auch alle Rechte für unbekannte Nutzungsarten.”
“Interviews sind nur nach vorheriger Absprache gestattet. Sollte sich die Presse mit mir in Verbindung setzen, verpflichte ich mich, diese an die Presseabteilung von RTL oder VOX zu verweisen.”
“Reisekosten (…) werden von dem Produzenten ausnahmslos nicht übernommen.”
“Ich erhalte für meine Teilnahme an der Produktion und Rechteübertragungen keine Vergütung.”
Zusammengefasst gibt man für die Teilnahme an “X Factor” also das Recht auf selbstbestimmtes Handeln, das Recht auf freie Meinungsäußerung gegenüber Journalisten und das Recht am eigenen Bild für alle nur erdenklichen Verwertungswege (inklusiver derer, die noch erfunden werden) an der Garderobe ab und erhält dafür: gar nichts. “Das ist moderne Sklaverei, so ein Vertrag ist doch gar nicht zulässig”, sagen Sie jetzt vielleicht. Aber da kennen Sie die Branche schlecht. Im letzten Satz der “Castingvereinbarung” steht vorbeugend: “Die etwaige Nichtigkeit einzelner Bestimmungen dieses Vertrages berührt die Wirksamkeit des Vertrages im Übrigen nicht.”
Wie so eine “Karriere im Musikbusiness” aussieht, erlebt übrigens gerade der “DSDS”-Vorjahresgewinner Daniel Schumacher, der auf seiner Website alle Gelegenheiten auflistet, zu denen ihm seine Fans zujubeln können. Die Terminübersicht fürs erste halbe Jahr sieht derzeit so aus:
Januar: 16.1. TV-Sendung “Tabaluga TV”, 7.15 Uhr
Februar: 13.2. Veranstaltung “Der Närrische Song”, Konstanz
20.2. Konzert E-Werk, Köln, 20 Uhr
März: noch keine Termine
April: 19.4. Daniels Geburtstag
Mai: noch keine Termine
Juni: noch keine Termine
bisher 38 Kommentare 05. Januar 2010
“Ich wünsche allen Lesern und Kommentatoren ein schönes neues Jahr!
Und Peter Turi wünsche ich, dass er 2009 nicht mehr soviel Zeit darauf verwendet, mit klugen Sprüchen Journalismus im Internet zu definieren, sondern seinen Mitarbeitern bei turi2 endlich mal beibringt, dass es durchaus von Vorteil wäre, die Artikel zu lesen, deren Kernthese man nachher neben einem Bild des Autors zusammenfassen will”,
stand vor ziemlich genau einem Jahr in diesem Blog, weil das Zitatezurechtbiegen der turi2-Kollegen mal wieder ziemlich schief gegangen ist. Und nun?
Nun wünsche ich allen Lesern und Kommentatoren erneut ein schönes neues Jahr! Und Peter Turi, dass er seinen Mitarbeitern nicht nur beibringt, die Artikel zu lesen, deren Kernthese sie zusammenfassen wollen, sondern am besten auch die Autorenzeile, damit das hier nicht mehr vorkommt:
“Peer Schader wettert gegen den “anachronistischen Rückzug des Fernsehens auf berechenbares Terrain” und fordert eine Internationalisierung der Unterhaltungsprogramme. Europa müsse schließlich “nicht Hochkultur bedeuten, im Gegenteil”. Daher fragt sich Schader, warum “Heidi oder Dieter ihre neuen Kollegen” nicht mal auf Sizilien oder in Irland suchen.
faz.net”
Der Text, aus dem turi2 zitiert, stammt nicht von mir, sondern vom Kollegen Nils Minkmar.
Nachtrag 12.41 Uhr: turi2 hat den Irrtum kommentarlos korrigiert.
bisher 5 Kommentare 05. Januar 2010
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