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Herr Westernwelle

Ok, ich geb ja zu: manches im Fernsehen verstehe ich einfach nicht. Da plant Sat.1 also eine “Westernshow”, mit Indianern, Hugo Egon Balder in Cowboymontur, Saloon-Schlägerei, Kaktuskulisse, Messerwerfer, Bullenreiten und Planwagenatmosphäre — und mitten in der Sendung kommt was?

Der Auftritt eines Guido-Westerwelle-Doubles.

Ich bin mir nicht sicher, ob bei mir die Zurechnungsfähigkeit so langsam aussetzt, weil ich zuviel ferngesehen habe oder ob es doch eher an Sat.1 liegt. Aber ich wüsste schon gerne, wie die Autoren das verkauft haben: Westerwelle-Double in der Western-Show. Fängt beides mit “W” an?

(Wen interessiert, was er sonst noch nicht verpasst hat, der möge hier klicken.)

bisher 11 Kommentare 08. November 2008

Gebührenzahlersprechstunde beim NDR

Gestern hat der Intendant zu mir gesprochen. Also, genauer gesagt: zu mir und, äh, geschätzten zwanzig bis achtzig anderen Hörern der NDR-Info-Radiosendung “Redezeit”. In der waren am Dienstagabend nämlich NDR-Intendant Lutz Marmor und sein Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz zu Gast, um mit Anrufern über die Qualität des deutschen Fernsehens zu diskutieren (auf einer 0800er-Nummer, freundlicherweise).

Ja, tatsächlich: im Radio. Und nachher auch im Internet, was für die ARD nun wirklich geradezu vorbildlich-modern ist (die Frühkritik dazu steht bei FAZ.NET).

Erstaunlicherweise kamen viele Anrufer zu Wort, die sich wirklich Gedanken über das Programm gemacht haben. Ich weiß jetzt, dass ich nicht der einzige bin, der sich über die ARD-Programmstrecke aus Telenovelas, Zoosoaps und Boulevard am Nachmittag ärgert, weil da nirgends Platz ist für Hintergrundinformationen. Ich weiß jetzt, dass sich nicht nur Kritiker darüber empören, wenn gute Dokumentationen so spät im Programm laufen (da half auch Cichowicz nicht, der erklärte, Doku-Fans seien in der Regel nachtaktiver und deshalb für die ARD am Spätabend besser zu erreichen). Und ich weiß jetzt, dass der NDR-Intendant “Galileo” auf Pro Sieben gut findet. Es war eine bunte Mischung aus Kritik, Verbesserungsvorschlägen und Lob, und der freundliche, kritisch nachfragende Moderator sagte zu den Anrufern ständig:

“Das ist notiert!”

Neues war für alle, die sich regelmäßig mit Medien befassen, jetzt nicht so viel zu erfahren. Dass “Panorama” auf 30 Minuten gekürzt wird, findet Cichowicz auch blöd, sagt er — aber: “Die Chefredakteure haben sich da nicht durchsetzen können.” Und auf die Frage, warum sich die ARD nicht manchmal ein positives Beispiel an Arte nehmen könnte, erwidert Marmor:

“Es macht ja keinen Sinn, bei Arte das Gleiche zu machen wie Im Ersten.”

Gut, mit dieser Begründung und dem Ausbau von Eins Extra als Infosender kann der neue ARD-Programmdirektor Volker Herres, der ebenfalls vom NDR kommt, dann bald auch die “Tagesschau”-Ausgaben vor 20 Uhr eliminieren.

Aber man darf das womöglich nicht so eng sehen. Immerhin hat sich da ein Intendant mit seinem Chefredakteur die Zeit genommen, sich anzuhören, was die Zuschauer von ihnen erwarten, eine Stunde im Radio (komplette Sendung anhören) und eine im Live-Chat von NDRinfo.de (Protokoll lesen), bei dem die beiden NDR-Chefs sich tatsächlich Mühe gaben, auf möglichst viele Fragen einzugehen und der Chat-Moderator kritische Fragen noch mal wiederholte, damit deren Beantwortung nicht vergessen wird. Ach, wie schön wäre das, wenn das auch im Fernsehen ginge.

Und wieso jetzt das Ganze? Na, wie Marmor erklärte, weil er gar keine Chance bekommen habe, an der Qualitätsdiskussion im ZDF, die nach Marcel Reich-Ranickis Kritik am Fernsehpreis ausgestrahlt wurde, teilzunehmen:

“Das ZDF hat den Sendetermin ohne jede Absprache festgelegt und schickte mir auch keine Einladung. Zumindest deshalb stelle ich mich heute Ihnen allen.”

Prima. Machen wir das jetzt jeden Monat?

bisher 6 Kommentare 22. Oktober 2008

Die Krächz-Stimme des Volkes

Auf die Idee muss man auch erstmal kommen: Dieter Bohlen ins Fernsehen einzuladen, um ihn die Finanzkrise analysieren zu lassen, und Mario Barth daneben zu setzen, damit die beiden ein bisschen über ihre Sparpläne reden können (und ihren groooßen Erfolg beim Publikum). An sowas könnte Comedy Central sich mal ein Beispiel nehmen. Aber so ist das eben, bei “Johannes B. Kerner”, wo Bohlen alle paar Monate eine Sendung geschenkt bekommt, um seine Weisheiten loszuwerden und ungezwungen über seine Show, seine Freundin oder sein Buch zu plaudern (so wie am gestrigen Mittwoch und am 5. Februar 2008 und am 1. November 2007 und zig Male zuvor, die ich gerade nicht verlinken kann, weil das ZDF offenbar in den vergangenen Monaten seine Datenbank ein bisschen aufgeräumt hat).

Absurder ist eigentlich nur, dass Bohlen sich in dieser Situation auch noch relativ gut anstellt und als Stimme des Volkes Applaus für Vernunftsätze bekommt wie:

“Manchmal ist spießig im Leben ganz schön gut.”
“Schule ist ja das Wichtigste in dieser Zeit. Deinen Abschluss kann dir keiner mehr wegnehmen.”
“Es ist ungerecht, wenn Frauen weniger verdienen als Männer.”
“Meine Mami ist für mich das Größte was es gibt auf der Welt.”
“Jeder Mensch sollte seinen eigenen Weg gehen.”

Jetzt kann man natürlich sagen: Was ist das für ein Mann, der ein Buch schreibt, das “Der Bohlenweg” heißt und anderen erklären will, wie man Erfolg im Leben haben kann, wenn er gleichzeitig erzählt, dass ihm der ganze materielle Reichtum auf den Wecker fällt, er sich jetzt nur noch eine “kleine” 90-Quadratmeter-Wohnung auf Mallorca leistet und der Gärtner zuhause nervt, weil der schon wieder neuen Dünger für den Rasen bestellen will?

Oder, besser noch: Was ist das für eine Redaktion, die eine alleinerziehende Mutter ins Publikum einlädt, die meckert, dass sie mit ihrem Hauptschulabschluss keinen Job kriegt, trotz der 30 Bewerbungen, die sie geschrieben hat, und der vielen Weiterbildungen, dann aber, wenn Bohlen ihr sagt, dass Jobs nicht vom Himmel fallen, wenn man bloß zuhause sitzt und auf das Glück wartet, in Sekundenschnelle giftig wird?

Wer hat denn da jetzt den Verstand verloren?

Selbst wenn man all die Arroganz, die Selbstüberschätzung und die unfassbare Weltfremdheit Bohlens abzieht: Es bleiben immer noch 80 unterhaltsame Minuten übrig, bei denen man nicht so leicht ans Umschalten denkt, und in denen Bohlen neben Barth, mit dem es einige ganz witzige Wortwechsel gibt, einen relativ vernünftigen Eindruck hinterlässt. (Man muss sich halt den liebedienerischen Kerner wegdenken). Das macht mir ein bisschen Angst.


Screenshot: ZDF

Es kann nicht mehr lange dauern, bis Bohlen tatsächlich in die Politik geht. Peter Sodann muss sich warm anziehen.

bisher 13 Kommentare 15. Oktober 2008

Alte Bekannte

Jetzt weiß ich, wie Roger Schawinski und Bettina Rust gemeinsam hätten Erfolg haben können, damals mit dem “Talk der Woche”. Die hätten sich bloß miteinander unterhalten müssen und diese ganzen Gäste weglassen. So wie bei Radio Eins in “Hörbar Rust”, wo Schawinski gerade erzählt, wie er mal in die Wohnung von Max Frisch gezogen ist und dessen Pflanzen geerbt hat.

Livestream hier – und als Podcast gibt’s das nach dem Ende der Sendung ja auch.

jetzt kommentieren? 16. September 2007

Wo der Spaß aufhört

Es ist eine verzwickte Geschichte.

Vor einer Woche lief auf Pro Sieben der dritte “Bundesvision Song Contest”, für den Stefan Raab bzw. die Produktionsfirma Brainpool traditionell mit regionalen Radiosendern in den Bundesländern zusammenarbeiten, die ein bisschen Promo für die Show machen und dann auf Voting-Partys von ihren Moderatoren die Punkte verkünden lassen dürfen, die im jeweiligen Land an die Künstler vergeben wurden.

Hans Blomberg, Moderator der Morningshow beim Stuttgarter Jugendsender Big FM, las die Punkte an diesem Abend von einem Blatt ab, auf dessen Rückseite in großen schwarzen Buchstaben stand: “Raab ist doof”.

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Screenshot: Pro Sieben

Das war eher so mittellustig. Und hätte auch längst vergessen sein können.

Am vergangenen Donnerstag erzählte Blomberg in seiner Morningshow auf Big FM allerdings, sein Chef habe einen Anruf von Brainpool bekommen und sei dazu aufgefordert worden, sich bei Raab schriftlich zu entschuldigen. Andernfalls würden sämtliche Geschäftsbeziehungen zu Big FM abgebrochen. Ein missratener Morningshow-Gag?

Auf Nachfrage wird seitens Big FM am Donnerstag bestätigt: Ja, es hat einen Anruf gegeben. Und man werde vermutlich eine Stellungnahme verfassen.

Brainpool bestätigt ebenfalls, dass es einen Anruf gegeben hat. Allerdings nicht von der Produktionsfirma selbst, sondern vom Dienstleister Spotting Image, der die Kooperationen mit den Radiosendern für den “Bundesvision Song Contest” organisiert und an dem Brainpool mit 26 Prozent beteiligt ist. Über den exakten Inhalt des Gesprächs könne man nichts sagen, weil man über dessen Inhalt nichts wisse. Aber von einer Androhung des Abbruchs der Geschäftsbeziehungen sei sicher nicht die Rede gewesen.

Auf Nachfrage bei Spotting Image erklärt Geschäftsführer Oliver Versch, es habe sich um ein normales Nachgespräch gehandelt, wie es mit allen anderen Radiosendern auch geführt worden sei:

“Natürlich haben wir über den Zettel gesprochen. Aber es ging nicht darum, dass wir Big FM zu einer Entschuldigung nötigen oder gar androhen, Geschäftsbeziehungen abzubrechen.”

Die Geschäftsführung von Big FM wollte sich zu der Sache bis zum Freitagnachmittag nicht mehr äußern.

Nachtrag. Am Abend schreibt Big-FM-Geschäftsführer Kristian Kropp:

“Brainpool hat kein Problem mit bigFM und bigFM hat kein Problem mit Brainpool. Hans Blomberg ist Entertainer, Stefan Raab auch. Vielleicht gibt’s ja mal ein Duell, im Moment nicht wirklich.”

bisher 17 Kommentare 16. Februar 2007

Internet zuhause

Nachhaltig irritiert hat mich, als der Moderator im “Radio” vorhin einen Anrufer fragte, weil er ihn auf die Website des Senders verweisen wollte:

“Hast du Internet zuhause?”

bisher 1 Kommentar 09. Februar 2007


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