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Die will doch nur spielen

perfmin05
Foto [M]: Sat.1

“Der Begriff ‘Gameshow’ ist in Deutschland immer so ein bisschen ‘bäh’”,

hat Ulla Kock am Brink gesagt als ich sie letzte Woche in Berlin traf, weil sie ab diesem Freitag eine neue Gameshow für Sat.1 moderiert. Irgendwie ist es hierzulande verpönt, sich davon unterhalten zu lassen, wie Kandidaten im Fernsehen in mehr oder weniger spektakulären Spielen um die Wette eifern. Es sei denn, Günther Jauch sitzt in der Nähe. Das mag daran liegen, dass es dabei meistens um Geld geht (und wenn es um Geld geht, hört bei den Deutschen der Spaß nunmal auf, es sei denn Günther Jauch… – Sie wissen schon).

Es könnte aber auch sein, dass es einfach Jahre lang keine gute Spielshow im Fernsehen mehr gegeben hat. Oder sagen wir besser: keine gute Spielshow, die unter fünf Stunden dauert.

Meine Spontanweiterbildung zum Gameshow-Moderator hat Frau Kock am Brink bei unserem Treffen keine große Hoffnung gemacht, weil ich mir immer so wild im Gesicht herum gestikuliere, sagt sie (und seitdem versuche ich nur noch unterm Tisch zu gestikulieren), hat dann aber doch ein paar Tipps gegeben:

“Spontaneität in der richtigen Temperatur – das muss man lernen: Dass man nicht in der Not plötzlich derbe Witze macht, nicht immer in derselben Tonlage herumschreit, die Blicke des Publikums aushält. Die gucken einfach. Das muss man akzeptieren – und zurück gucken können.”

Ich glaube, ich überlass das trotzdem lieber ihr, sie kann das ganz gut. Und ich glaube auch, “Die perfekte Minute” hätte das Zeug dazu, das Publikum anderthalb Stunden an den Fernseher zu fesseln, weil die Show eine simple Grundidee hat, die von jedem sofort verstanden wird, temporeich und spannend ist und Sat.1 ein sehr schönes Studio spendiert hat. Deshalb steht jetzt bei Spiegel Online eine einigermaßen euphorische Vorabkritik zur Sendung, die bereits den ersten Kommentatoren verdächtig vorkommt. (Aber so ist das immer: Wenn man was gut findet, gerät man in Verdacht, gekauft worden zu sein; und wenn man was Negatives schreibt, hats die Hälfte der Kommentatoren vorher gewusst.)

Hans Hoff fand’s in der “Süddeutschen” heute nicht so toll, weil in der geschnittenen Version “nur saubere Sätze” von Frau Kock am Brink übrig geblieben seien, aber wenig vom Charme der Aufzeichnung, die wegen ihrer ausufernden Mehrstündigkeit aber auch eine Strapaze gewesen sein muss. Thomas Lückerath war ebenfalls im Studio, fand’s schon eher “spannend”, schreibt für DWDL aber mehr darüber, dass “Die perfekte Minute” die Deutschland-Premiere der neuen Produktionsfirma Shine ist.

Und wenn Sie jetzt noch können, lesen Sie doch bitte auch das Porträt von Frau Kock am Brink, das ich für die “Berliner Zeitung” geschrieben habe und auf das ich eigentlich nur kurz hinweisen wollte.

bisher 4 Kommentare 30. April 2010

Krass: Wetterbericht wird wegen Wetter gesehen!

Mein Lieblingsmedium für Branchennonsens hat erneut zugeschlagen: der “Kontakter”. Diese Woche gab es wieder mal eine brandheiße Vorabmeldung mitzuteilen:

Wetterfrosch Kachelmann wird nicht vermisst
München (ots) – Der wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einsitzende ARD-Wettermann Jörg Kachelmann wird von den Zuschauern offenbar nicht vermisst. “Die Zuschauerzahlen haben sich weder nach oben noch nach unten verändert”, sagte ein ARD-Sprecher dem Branchenmagazin Kontakter. Selbst Kristina Schleß, Geschäftsführerin von Kachelmann Meteomedia GmbH, sieht den Zuspruch der Wetteransage in “Tagesschau” und “Tagesthemen” nicht vom Auftreten des Wetter-Propheten abhängig. “Wie die Quoten bestätigen, hängt der Erfolg der Wetterpräsentation nicht von Herrn Kachelmann ab”, so die Meteomedia-Chefin. Kachelmann hatte an durchschnittlich fünf Tagen im Monat in der ARD und den Dritten Programmen das Wetter moderiert. Derzeit wird das Wetter von Claudia Kleinert und Sven Plöger präsentiert.

Na sowas. Zuschauer, die sich den Wetterbericht ansehen, schalten also nicht ein, um Jörg Kachelmann zu sehen – sondern um sich erklären zu lassen, wie morgen das Wetter wird!

Zugegeben: Es ist ja gut möglich, dass manche Leute seltener wegschalten, wenn beispielsweise das “heute journal” von Claus Kleber moderiert wird. Aber schon die Idee, das jemand ausschließlich für den (kurzen) Wetterbericht am Ende einer Nachrichtensendung einschaltet, ist doch eher abwegig. Vielleicht haben die “Kontakter”-Kollegen aber auch schon die nächste Exklusivmeldung in petto, in der steht, dass die “Tagesschau” die höchsten Quoten hat, wenn sie von Jens Riewa moderiert wird.

Man kann sowas ja auch aufschreiben. Aber nur, wenn einem sonst wirklich gar nichts einfällt, mit dem sich die Spalten seines “internationalen Nachrichtendiensts” füllen ließen.

bisher 14 Kommentare 28. April 2010

Eine Brücke zuviel

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet das “SZ Magazin” über den “Enke-Effekt”, die Zunahme von Suiziden nach der ausführlichen Berichterstattung über den Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke im vergangenen Jahr. Und bemüht sich sehr, nicht den Eindruck zu erwecken, durch den Bericht selbst dazu beizutragen, dass der (nachgewiesene) Effekt nicht noch verstärkt wird.

Gut, man kann sich natürlich streiten, warum die Redaktion ausgerechnet diese Geschichte dann zum Titel gemacht hat. Aber im Innenteil wird immerhin erklärt, aus welchem Grund kein Foto Enkes gedruckt wurde: um auszuschließen, dass sich potenziell Suizidgefährdete mit Enke identifizieren.

Bei aller Vorsicht ist leider in Vergessenheit geraten, auch mal die Anzeigenabteilung zu fragen, was sie fürs aktuelle Heft so vorhat. Deshalb steht jetzt im Text:

“Karl-Heinz Ladwig, Professor für Psychosomatische Medizin mit Sitz im Helmholtz Zentrum, einer Wissenschaftseinrichtung im Münchner Norden, forscht seit Jahren zum Thema Suizid. (…) Es genüge, dass sich durch Medienberichte die Methode oder der Ort des Suizids im kollektiven Bewusstsein festsetzen. Bei der Golden Gate Bridge in San Francisco ist das so: Menschen aus der ganzen Welt reisen dorthin, um sich in den Tod zu stürzen, obwohl sie auf dem Weg dahin zahllose andere Brücken überqueren.”

Unmittelbar daneben wirbt die portugiesische Tourismusbehörde für Urlaub in ihrem Land mit dem auffordernden Satz: “Perfekter Preis. Sonderangebote – ab sofort verfügbar”.

Und einer großen Brücke.

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bisher 3 Kommentare 24. Februar 2010

ZDF: Das ist mein Laden!

Am Ende des Jahres sind im ZDF immer noch eine Menge aus Hollywood eingekaufter Blockbuster übrig, die dann schön zwischen den Jahren und nach Neujahr weggesendet werden. Den Kollegen von DWDL.de hat ZDF-Spielfilmchef Norbert Himmler vor einigen Wochen erklärt:

“Wir sparen sie uns vom Munde ab und heben sie bis zum Dezember auf. (…) In den letzten drei Jahren haben wir da auch mit großem Erfolg gezeigt, dass wir mit so einer Spielfilm-Kampagne auch die Zuschauer jungen und mittleren Alters auf uns aufmerksam machen können.”

Mit “Spielfilm-Kampagne” meint Himmler vermutlich die Plakate zu “Batman begins”, mit denen sein Sender im vergangenen Jahr ganze Städte zuklebte, um für die Free-TV-Premiere am 29. Dezember zu werben (siehe batmannews.de). Die Website zur Filmpremiere wurde übrigens bei der großen ZDF-Online-Löschaktion dieses Jahr noch nicht “depubliziert”.

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Foto: batmannews.de

Und was lernen wir daraus? Na, zum Beispiel, dass beim ZDF am Ende des Jahres nicht nur eine Menge Blockbuster übrig sind, sondern auch noch ein ganzer Batzen Kohle aus dem Werbebudget, der zum Beispiel nicht dafür gebraucht wurde, um einer breiten Öffentlichkeit das Einschalten von Sendungen wie “37 Grad”, “aspekte” oder “Das kleine Fernsehspiel” zu empfehlen. Die kennt ja eh schon jeder. Da sich das Zweite dieses Jahr mit Free-TV-Premieren zurückhält (und heute, am 29., bloß den ziemlich doofen Actionfilm “Troja” mit Brad Pitt zeigt, während RTL sich “Batman begins” geschnappt hat), muss das Geld eben anderweitig ausgegeben werben.

Aber auch dafür hat man in Mainz eine Lösung gefunden.
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bisher 2 Kommentare 29. Dezember 2009

Geht so unabhängiger Journalismus?

Im “Neuen Deutschland” darf Anja Pasquay, Pressereferentin des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), eine “Medienkolumne” zur geplanten Einführung von Product Placement im deutschen Fernsehen schreiben (mehr zum Hintergrund im Fernsehblog). Eigentlich muss es aber heißen: ausgerechnet die Pressereferentin des Verbands, der Sturm gegen diese (durchaus kritikwürdige) Regelung läuft, und nicht etwa aus dem Interesse, den Zuschauer zu schützen und die Glaubwürdigkeit des Fernsehens zu wahren, sondern weil die Mitglieder des BDZV sich ängstigen, dass Unternehmen durch die neue Werbemöglichkeit Gelder aus Print abziehen und zum Fernsehen umschichten könnten.

Bei Pasquay liest sich das freilich etwas gemeinnütziger:

“Wenn Dritte, etwa die Werbung treibende Wirtschaft, für inhaltliche Aussagen bezahlen, muss dies auch eindeutig als Werbung gekennzeichnet werden. Nur so bleibt die Glaubwürdigkeit des Mediums gewahrt. Schleichwerbung im Fernsehen würde diese Glaubwürdigkeit leichtfertig korrumpieren, und zwar in allen Medien.”

Die BDZV-Referentin schreibt außerdem:

“Obendrein, so befürchten die Zeitungsverleger, könnte die nunmehr erlaubte Vermischung von Inhalten und Werbung im TV bei den Werbeagenturen zu Begehrlichkeiten gegenüber anderen Medien führen. Da ist nur schwer zu vermitteln, dass die Zeitungen nicht tun wollen, was das konkurrierende Fernseh-Medium dürfen muss.”

So. Wollen die Zeitungen das nicht? Warum ist es dann quasi Alltag, nicht nur bei den Online-Ablegern selbst angesehener oder besonders reichweitenstarker Titel? Warum musste Bild.de erst gerichtlich verboten bekommen, mit redaktionell gestalteten Texten bzw. Links für Unternehmen zu werben? Wieso steht bei Spiegel Online in der Menüleiste dann immer noch “Neues von BMW”? Aus welchem Grund hat der “Spiegel” einem Autohersteller neulich eine Anzeige gestaltet, die aussah wie die redaktionelle “Hausmitteilung”? Wieso verkaufen Zeitungen ihre vollständigen Titelseiten von Zeit zu Zeit an Werbepartner? Warum kann man fast keine Programmzeitschrift mehr durchblättern ohne dass einem Texte auffallen, die wie Texte aussehen, aber Werbung sind?

Was der BDZV so großspurig kritisiert, ist verlogen, weil seine Mitglieder (genausowenig wie die des VDZ) es oft selbst nicht so genau nehmen mit der Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung. Das “Neue Deutschland” findet ja nicht mal was Schlimmes daran, unkommentiert Lobbytexte des Zeitungsverlegerverbands zu publizieren anstatt sich selbst eine Meinung zum Thema zu bilden, einen beitrag übrigens, in dem die Autorin genau das macht, was sie kritisiert: die Nutzer irrezuführen. Gleich zu Beginn schreibt Pasquay:

“Worum geht es eigentlich? Gemeint ist die bezahlte Einschleusung von Produkten oder Botschaften im Fernsehen, ohne dass der Zuschauer dies als Werbung identifiziert. Auf gut deutsch: Schleichwerbung.”

Nein, rein definitorisch ist genau das eben nicht gemeint. Schleichwerbung ist weiterhin verboten. Erlaubt werden sollen Produktplatzierungen, die von den Sendern mit Hinweisen gekennzeichnet werden. Im Entwurf zum 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag steht:

“(7) Schleichwerbung (…) sowie entsprechende Praktiken sind unzulässig.”

Die in §15 und §44 formulierten Ausnahmen beziehen sich allein auf Produktplatzierungen (unter konkreten Voraussetzungen). Vielleicht wär’s keine schlechte Idee, wenn sich das auch der BDZV mal ansehen würde, bevor er sich zu diesem Thema so weit aus dem Fenster lehnt.

jetzt kommentieren? 05. Oktober 2009

Die Posemuckeligkeit des “Tagesspiegel”

Am Sonntag ist in Berlin die Leichtathletik-WM in Berlin zu Ende gegangen und damit glücklicherweise auch die dazugehörige Medienkolumne des Berliner “Tagesspiegel”, die aus dem Jammern über die schlimmen Fernsehübertragungen nicht herauskam und in der Joachim Huber am Samstag vor einer Woche von ARD und ZDF forderte:

“Das ist eine Weltmeisterschaft, auch wenn sie in Berlin stattfindet. (…) Daraus in Bild und Ton eine deutsche Meisterschaft mit internationaler Randbeteiligung zu machen, wäre posemuckelig.”

Matthias Kalle, der im Jammern übers Fernsehen ja auch sonst ganz groß ist, erinnerte am Donnerstag dann noch mal:

“Am Sonntag wurde an dieser Stelle gemahnt, man dürfe aus einer Weltmeisterschaft keine Deutsche Meisterschaft machen, leider gibt es dazu die Tendenz. Jedem deutschen Sportler – und sei er nur aus Mitleid dabei – wird mehr Aufmerksamkeit zuteil als den Spitzenleuten (abgesehen von Usain Bolt). Das nervt.”

Nun, zum Ende, bilanziert Kalle:

“Alles Mahnen hat nichts genützt: Dass doch ARD und ZDF aus einer Weltmeisterschaft bitte keine nationalen Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung machen. Als Zuschauer fühlte man sich oftmals veräppelt, da man ahnte, dass ein paar Meter weiter gerade wirklich etwas passiert – zu sehen bekam man das dann nicht, weil sich irgendwo was Deutsches aufwärmte.”

Okay, ich hab das jetzt verstanden: Der “Tagesspiegel” war genervt davon, wie ARD und ZDF die deutschen WM-Teilnehmer hochjubeln, vor, während und nach der WM. Mir ging es übrigens genauso. Ich kann nur nicht nachvollziehen, weshalb man das täglich in die Zeitung schreiben muss. Außer es fällt einem nichts anderes ein.

Und das wäre ja irgendwie – posemuckelig. Was immer das zu bedeuten hat.

bisher 2 Kommentare 23. August 2009

RTL-Krisenmittwoch geht in die Verlängerung

Darf ich mich kurz selbst empfehlen? Bei Spiegel Online ist meine Kritik zur neuen RTL-Dokusoap “Nachbarschaftsstreit – Kolb greift ein” erschienen, in der es zum Auftakt um zwei Familien in Andernach (Kreis Mayen-Koblenz) geht, die sich hoffnungslos verzofft haben:

“‘Krieg’ nennen es die Parteien unabhängig voneinander, nur der Verteidigungsminister würde das vermutlich anders sehen, und eigentlich müsste sich auch längst Krisenreporterin Antonia Rados gemeldet haben. Kann aber natürlich sein, dass die für den Kreis Mayen-Koblenz so kurzfristig kein Visum bekommen hat. Also schickt RTL Ersatz: Ernst-Andreas Kolb, den Mann mit der Lizenz zum Schlichten, von Beruf Rechtsanwalt und Mediator.”

Wobei auf den letzten Satz eigentlich noch die Klammer folgen müsste:

“(Was aber nicht bedeutet, dass er Löffel verbiegen kann – da verwechseln Sie was.)”

War aber wahrscheinlich zu unwitzig.

bisher 5 Kommentare 29. Juli 2009

Wenn sich deutsche Sender selbst anzeigen

Das neue “Jahrbuch Fernsehen” des Grimme-Instituts ist erschienen (jedenfalls meinem Bürokollegen, mir noch nicht) und es kann sich nur noch um wenige Tage handeln, bis Harald Keller in der “Frankfurter Rundschau” eine ausführliche Rezension veröffentlicht. Beim ersten Durchblättern des Buchs ist mir aufgefallen: Ich versteh’s nicht. Den Inhalt schon (zumindest in Teilen). Aber die Selbstdarstellungs-Anzeigen der Sender nicht, die da traditionell aus Freundlichkeit geschaltet werden. Ok, dass RTL mit einem Bild von Hugh Laurie und dem Spruch “Unsere Housemarke” wirbt – geschenkt! Hat sich eben einer in der Mittagspause ausgedacht.

Aber schon beim ZDF, das sich die Rückseite des Umschlags gesichert hat, scheitere ich. Über einem auf den Kopf gestellten orangefarbenen Sofa (das so ähnlich schon bei der Berlinale in Übergröße an den Potsdamer Platz geschnallt wurde, nur richtig herum), steht:

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Häh? Ich kann mein Sofa umdrehen und mir ein Auge zuhalten, das ZDF bleibt trotzdem das ZDF? Es besteht also keine Hoffnung auf Besserung, ist das gemeint? “Sie können sich auch ein Loch ins Knie bohren und ein Brett vor’n Kopf nageln: Mit dem Zweiten sieht man besser” geht dann aber auch. Die ARD bildet auf der ersten Umschlagsseite lieber einen Salzstreuer mit Löchern in Einser-Form ab und schreibt drunter: “Fernsehen mit Geschmack” – aber irgendwie lädt das doch zum Nachwürzen ein, weil es offensichtlich ein bisschen fad geworden ist, das Fernsehen, oder?

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Am tollsten finde ich allerdings den Spruch von Pro Sieben Sat.1, das ja nicht mehr Pro Sieben Sat.1 heißt, sondern “German Free TV” bzw. um’s ganz genau zu nehmen: “GERMANFREETV“. Da steht über einem Handy, auf dem lauter kleine Bildchen zu sehen sind, die sich kaum erkennen lassen:

jbtv0903

Aha. Also: lauter kleine Bildchen, die sich nicht erkennen lassen?

Mannomann, bei den deutschen Sendern muss aber echt die ganze Energie ins Programm fließen, so wenig wie davon für die Eigenwerbung übrig ist.

bisher 9 Kommentare 28. Juli 2009

Endlich seriöses Astro TV!

Ich wollte bloß mal kurz darauf hinweisen, dass seit vergangener Woche in der Samstags-”taz” das “Herbsthoroskop” erscheint, das Daniel und ich für die großen Fernsehsender erfinden aus den Sternen lesen. Beim Ausblick für das Erste drehte sich naturgemäß vieles um “Freundschaft & Beziehung”:

“Seien Sie ruhig etwas lockerer! Niemand kuschelt gern mit einem Kontrollfreak. Und Finger weg vom jungen Comedy-Gemüse!”

Bei Sat.1 geht’s nun natürlich etwas mehr um “Beruf & Karriere”:

“Die Aussichten im Job sind alles andere als rosig: Konkurrenten und Freunde sind an Ihnen vorbeigezogen, weil Sie zu lange auf der faulen Haut gelegen haben. Ihr neuer Chef wird das nicht länger dulden. Sie wissen selbst, dass sich schleunigst etwas ändern muss. Der große Vorteil ist: Mit Ihnen rechnet nun wirklich keiner mehr!”

Nächste Woche ist das ZDF dran, RTL kommt wahrscheinlich danach – und gibt es eventuell Wünsche, welcher Sender als fünftes in den Genuss kommen soll? Vielleicht irgendwas Abwegiges?

bisher 8 Kommentare 26. Juli 2009

Themenvariation beim “Kölner Stadtanzeiger”

Drüben im Fernsehblog ist gerade der achte Teil der kleinen Formatklau-Serie erschienen, in dem es um die Klage der Produktionsfirma Fremantle Media gegen den Schweizer Privatsender 3+ geht, der mit der Kuppelshow “Bauer, ledig, sucht” gute Quoten holt, aber fest darauf beharrt, nicht bei “Bauer sucht Frau” abgekupfert zu haben.

Ich weiß: Formatklau ist kein einfaches Thema, aber ich fand’s interessant, das mal zu erklären, weil darüber eben so selten was in den Medien steht. Jetzt steht doch mal was drin: Im “Kölner Stadt-Anzeiger”, ein Interview mit Ute Biernat nämlich, der Vorsitzenden der Formatschutz-Organisation FRAPA, die im “Stadtanzeiger” ständig “BIENAT” genannt wird und erklärt, was ein Format ist und warum es sich so schwer schützen lässt.

Für ihr Gespräch (“Kopiert oder variiert?”) hat sich Antje Hildebrandt ein paar spannende Fragen überlegt:

“Was müssen Produzenten tun, damit aus einer Idee ein Format wird?” (Und nicht etwa: “Gibt es sowas wie Mindestbedingungen, wenn man ein Format entwickeln will?”)

“Um das eigene Profil hervorzuheben, muss man das Konzept also so detailliert wie möglich festlegen?” (Und nicht etwa: “Wenn ich meine Idee sehr genau ausarbeite, sind die Chancen gut, dass ein Sender anbeißt?”)

“Weshalb ist dieser Formatschutz so wichtig? Macht nicht jeder Nachahmer auch Werbung fürs Original?” (Und nicht etwa: “Könnte man nicht genauso gut sagen: Wenn ein Format prima läuft und ein anderer das nachmacht, unterstützt es den Erfolg nur, und beiden ist geholfen?”)

Andererseits: Soviel Arbeit kann das auch wieder nicht gewesen sein.

bisher 3 Kommentare 17. Juni 2009

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