Posts gespeichert unter 'Im Fernsehen'

Daniela Voxenberger blamiert RTL 2

Lange kann es nicht mehr dauern, bis die so genannte “Kult-Blondine” Daniela Katzenberger wirklich in jeder Sendung auf Vox auftaucht, den US-Serien inklusive. Kürzlich liefen bereits zwei “Goodbye Deutschland”-Specials, im September folgt die eigene Dokusoap, und wahrscheinlich konnte sich Sarah Connor beim Juryvorsitz der neuen Castingshow “X-Factor” nur knapp gegen die Katzenberger durchsetzen.

Am Sonntagabend wurde der selbst geschaffene Hype um die Ludwigshafenerin erst noch mal erfolgreich mit deren Auftritt beim “Perfekten Promi-Dinner” befeuert. In den Pausen liefen Trailer für das nachfolgende Boulevardmagazin “Prominent!”, in dem Katzenberger gleich zu Anfang auch noch mal auftauchte, um ihren Hit “Nothing’s gonna stop me now” vorzustellen.

“Daniela Katzenberger goes Popstar und präsentiert live und exklusiv bei uns ihre erste Single”,

kündigte die Off-Sprecherin die Sensation im Nachfolgeprogramm an. Und so sieht’s aus, wenn Vox-Boulevardtante Constanze Rick was “exklusiv” hat:

Daniele Katzenberger bei "The Dome"
Screenshot: Vox

Katzenbergers Auftritt war am Wochenende natürlich bei der RTL-2-Musikshow “The Dome” und der Vox-Bericht ist insofern “exklusiv” als dass RTL 2 sich noch ein paar Tage Zeit lässt, das Teenager-Spektakel fernsehgerecht zusammenzuschneiden, um es am kommenden Wochenende zu senden.

Wirklich exklusiv hingegen war, dass Katzenberger (die auch als Promireporterin beim “Dome” eingeteilt war) enttarnte, was man bei RTL 2 seinen “Reportern” auf die Karteikärtchen schreibt, damit die am roten Teppich auch was zu fragen haben, wenn sie vor den “Stars” stehen:

Fragen für Reporter bei "The Dome"
Screenshot: Vox

Allgemein Fragen
Deutsch:

Hallo wie geht’s dir?
Auf was freust Du Dich heute am meisten?
Was sehen wir denn heut von Dir?
Hasz Du Lampenfieber?
Auf wen freust Du Dich heut am meisten?
DANKE und viel Spass bei THE DOME.”

Das war dann sogar Deutschlands aktueller Lieblingsblondine eine Nummer zu blöd.

bisher 4 Kommentare 30. August 2010

“Popstars Girls forever”: Das Ganze noch mal in rot

Huch, ist “Deutschland sucht den Superstar” schon wieder gestartet? Da ging die Zeit aber schnell rum dieses Mal. War doch gerade erst Finale. Hab ich heute Abend gedacht – und dann das Pro-Sieben-Logo oben in der Ecke meines Fernsehers entdeckt. “Popstars” also. Ist jetzt ja auch schon die neunte Staffel im deutschen Fernsehen. Aber entweder habe ich vorher zuviel “DSDS” gesehen. Oder die Leute von Tresor TV.

"Popstars" vs. "DSDS"
Screenshots: Pro Sieben, RTL

Es kann natürlich sein, dass die Verwechselung mit der RTL-Castingvariante daher kommt, dass “Popstars” sich ausgerechnet Thomas Stein als neuen Juror geholt hat, der in den ersten beiden “DSDS”-Staffeln dabei war.

Oder daher, dass die Castings inzwischen genauso wie bei “DSDS” aufgebaut sind, weil sich der Fokus noch viel stärker auf einzelne Kandidatinnen richtet und diese nachhause begleitet werden. Manchmal war das Kamerateam schon vor dem eigentlichen Auftritt da, damit sich die Leute vorblamieren können.

Gut möglich auch, dass es am fürchterlichen Schnitt lag, der sämtliche Ereignisse in kurze Einzelteile zerlegt, um sie dann wieder übereinander zu schichten. Dönerfernsehen sozusagen.

Es kann auch sein, dass Charlotte Engelhardt schuld ist, die jetzt als weiblicher Marco Schreyl die Kandidatinnen nach ihrem Auftritt vor der Jury mit Wie-war’s-Fragen nervt…

…zum Beispiel die 21-jährige Yasemin, die deshalb so auffällt, weil sie ihren paarundfünfzigjährigen Freund mitbrachte, mit dem sie auch schon auffiel als er zum letzten “DSDS”-Casting mitkam. Diesmal hat es immerhin noch für einen weiteren Auftritt in “Red!” gereicht.

Möglich, dass es am Vorspann lag, in dem neuerdings Konzertbesucher einem Bühnenstar zujubeln, nur nicht in blau wie bei “DSDS”, sondern mit rotem Hintergrund. Oder daran dass die “Popstars”-Jury jetzt von Anfang an hinter einem Pult sitzt und nicht mehr auf Barhockern. Vielleicht auich weil im Hintergrund “Whataya want from me” lief, das Daniel Schumacher so gerne covert.

Am Ende war die Sache dann aber doch relativ eindeutig. Nämlich als Detlef D! Soost noch unsympathisch-arroganter in die Kamera redete als Dieter Bohlen es jemals könnte. Wegen der Auftritte der talentfreien Kandidaten fragte Soost: “Warum hat niemand sie davon abgehalten, dass sie sich vor uns blamieren?”

Weil du sonst kein Geld damit verdienen könntest, Detlef. Deswegen.

bisher 4 Kommentare 19. August 2010

“Danke schön, Betty Barclay”

Anfang Mai im “ZDF-Fernsehgarten”: Moderatorin Andrea Kiewel begrüßt die Chefdesignerin des Modelabels Betty Barclay bei sich in der Sendung. “Wir kennen uns ja noch vom letzten Jahr. Bei ihr ist definitiv Sommer – und darum geht’s jetzt auch in der tollen Betty-Barclay-Modenschau.”

Lange Bluse mit kräftigen Drucken sind ein tolles Sommernanfangs-Outfit. Tunika und die passende Tasche gehören dazu. Kleine Jäckchen sind die Muss-Artikel. Kiewel sagt: “Toll.” Und: “Ein ganz schönes Kleid, wirklich.” Und: “Sehr schön.” Die Designerin sagt: “Schmuck komplettiert jedes Outfit, ist also ganz wichtig – auch von Betty Barclay.” Und Kiewel: “Danke schön, Betty Barclay.” Zumal der nächste Musil-Act “so toll zur Mode von Betty Barclay” passt. Im Abspann steht für eine Sekunde: “Zu dieser Sendung wurde Produktionshilfe geleistet von: Betty Barclay.”

Es ist beim ZDF ein übliches Verfahren, Unternehmen im “Fernsehgarten” ihre Produkte präsentieren zu lassen ohne das Werbung nennen zu müssen, ermöglicht durch neue Vorgaben im 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag.

Produktionshilfen im "Fernsehgarten"-Abspann
Screenshots: ZDF

Und eine ziemliche Unverschämtheit für jeden Gebührenzahler, der ein unabhängiges und werbefreies Programm erwartet. Bei den Kollegen vom “journalist” steht eine Auflistung bisheriger “Produktionshilfe”-Partner der aktuellen “Fernsehgarten”-Saison und eine Meldung zum Text, den ich für die Printausgabe geschrieben habe (derzeit nicht frei online).

Mehr zu den “Fernsehgarten”-Deals: “Vielen Dank für die Blumen” (Spiegel Online vom Mai).

bisher 6 Kommentare 03. August 2010

Mehr Helikopter wagen!

Liebe KEF, wir müssen reden. Ich weiß, du hast deinen Bericht für die Gebührenperiode bis zum Jahr 2012 bereits veröffentlicht, alles ist sorgfältig ausgerechnet und abgewogen. Dennoch wird eine Korrektur notwendig sein: ARD und ZDF brauchen ein klitzekleines bisschen mehr Geld als gedacht.

Um sich einen Helikopter zu kaufen.

Ich will ehrlich sein: Das ist auf meinem Mist gewachsen – gestern, als ich live im britischen Fernsehen sah, wie Gordon Brown in einer bewegenden Rede vor No. 10 Downing Street seinen Rücktritt als Premierminister verkündete und anschließend mit seiner Frau in den Wagen stieg, um wenige hundert Meter bis zum Buckingham Palace zu fahren, wo er von der Queen offiziell aus dem Amt entlassen wurde. Das Fernsehen war die ganze Zeit dabei, und es hat mich auch auf diesem Weg, als Brown für wenige Minuten im Auto saß, nicht allein gelassen. Denn über der Stadt rotierte der Skycopter des Nachrichtensenders Sky News.


Screenshot: Sky News

Im Buckingham Palace selbst durfte nicht gedreht werden, aber es dauerte nicht lange, bis Brown wieder ins Auto stieg und zum Hauptquartier seiner Labour-Partei fuhr, wo er eine weitere bewegende Rede hielt – natürlich ohne dass ihn die von oben auf sein Auto gerichtete Kamera bis dahin aus der Linse gelassen hätte.

Kurze Zeit war auch Wahlsieger David Cameron unterwegs – zumindest hatte der Skycopter einen silbernen Wagen eingefangen, der Richtung Buckingham Palace steuerte (auch wenn die Reporterin der Vollständigkeit dazu sagte, man sei nicht ganz sicher, ob der Wagen wirklich Camerons sei) und anschließend zur Downing Street fuhr.


Screenshots: Sky News

Nun ist es vermutlich Ehrensache, wenn ein Sender Sky heißt, dass er sich auch einen Helikopter leistet, um bei wichtigen Anlässen den Überblick zu behalten. Aber für einen einfachen Zuschauer wie mich, der sonst vorrangig deutsches Nachrichtenfernsehen sieht, das ständig von Ufo-Reportagen oder Ulrich Deppendorf unterbrochen wird, war es ein geradezu erhebendes Gefühl: London glänzte in der Abendsonne, Fotografen rannten den Fahrzeugen nach, um den einen Schnappschuss zu machen, der am anderen Morgen die Titelseiten schmücken würde. Cameron stand eine Zeitlang im Feierabendstau, fast hätte ein Bus seinen Wagen angeschrammt. Und ich hatte das Gefühl, in einem sehr, sehr wichtigen Moment dabei zu sein – alleine schon der Perspektive wegen, die man als Deutscher nur von der Verfolgungsjagd auf OJ Simpson oder aus der RTL-Sendung „Die dümmsten Autofahrer“ kennt.

Ich finde, wir brauchen das auch.

Man muss sich das nur mal kurz vorstellen: Was wäre es für eine Bereicherung gewesen, wenn die ARD am vergangenen Sonntag nicht doof im Düsseldorfer Landtag gestanden hätte als sich Wahlverlierer Jürgen Rüttgers heimlich durch einen Nebenausgang absetzte anstatt wie versprochen bis zur „Tagesschau“ zu bleiben. Mit Helikopter (und Frank Plasberg an Bord) wäre es ein Leichtes gewesen, ihn zu stellen!

Und dann Angela Merkel bei ihrer Vulkanasche-Fahrt quer durch Europa! Mit dem Mobiltelefon haben sich die Journalisten von ARD und ZDF in die Livesendungen telefoniert, um zu berichten, dass ihr Begleitbus gerade eine Panne hatte und die Kanzlerin schon mal vorgefahren ist. Spätestens in diesem Moment hätte man doch einsehen müssen, dass es ohne Heli nicht mehr geht.

Auf N24 und n-tv wird da nicht zu hoffen sein. Wenn die sich eine solche Anschaffung überhaupt leisten können, müsste der Reporter aus Spargründen vermutlich gleichzeitig steuern und filmen. Solche Wackelbilder sind aber zuhause kaum noch jemandem zumutbar. Also ruht die Hoffnung auf ARD und ZDF. Es ist höchste Zeit: Deutschland braucht einen gebührenfinanzierten Nachrichtenhelikopter!

bisher 11 Kommentare 12. Mai 2010

Massenabfertigung in Zeiten der Krise

So sah das aus als Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern dem “RTL Nachtjournal”-Moderator Cristof Lang anlässlich der Griechen- und Euro-Krise ein Interview gab:

kriseninterv01
Screenshot: RTL

Und so sah das aus als Merkel dem N24-Chefredakteur Peter Limbourg ein sehr ähnlich klingendes Interview gab:

kriseninterv02
Screenshot: N24

Bei ARD und ZDF hat sich Merkel dann auch noch interviewen lassen (allerdings vor anderen Kulissen), vermutlich war auch das Gespräch mit Tele 5 schon zugesagt bis dem Sender aufgefallen ist, dass er gar keine Nachrichten sendet, auf jeden Fall hat sie überall mit großer Geduld das wiederholt, was sie zuvor schon sehr oft erzählt hatte. Aber am Ende ist nur RTL auf die Idee gekommen, das vorab in eine Pressemitteilung zu schreiben und dazu zu notieren:

“Bei Verwendung bitte Quellenhinweis ‘RTL Nachtjournal’ beachten!”

bisher 3 Kommentare 04. Mai 2010

Die will doch nur spielen

perfmin05
Foto [M]: Sat.1

“Der Begriff ‘Gameshow’ ist in Deutschland immer so ein bisschen ‘bäh’”,

hat Ulla Kock am Brink gesagt als ich sie letzte Woche in Berlin traf, weil sie ab diesem Freitag eine neue Gameshow für Sat.1 moderiert. Irgendwie ist es hierzulande verpönt, sich davon unterhalten zu lassen, wie Kandidaten im Fernsehen in mehr oder weniger spektakulären Spielen um die Wette eifern. Es sei denn, Günther Jauch sitzt in der Nähe. Das mag daran liegen, dass es dabei meistens um Geld geht (und wenn es um Geld geht, hört bei den Deutschen der Spaß nunmal auf, es sei denn Günther Jauch… – Sie wissen schon).

Es könnte aber auch sein, dass es einfach Jahre lang keine gute Spielshow im Fernsehen mehr gegeben hat. Oder sagen wir besser: keine gute Spielshow, die unter fünf Stunden dauert.

Meine Spontanweiterbildung zum Gameshow-Moderator hat Frau Kock am Brink bei unserem Treffen keine große Hoffnung gemacht, weil ich mir immer so wild im Gesicht herum gestikuliere, sagt sie (und seitdem versuche ich nur noch unterm Tisch zu gestikulieren), hat dann aber doch ein paar Tipps gegeben:

“Spontaneität in der richtigen Temperatur – das muss man lernen: Dass man nicht in der Not plötzlich derbe Witze macht, nicht immer in derselben Tonlage herumschreit, die Blicke des Publikums aushält. Die gucken einfach. Das muss man akzeptieren – und zurück gucken können.”

Ich glaube, ich überlass das trotzdem lieber ihr, sie kann das ganz gut. Und ich glaube auch, “Die perfekte Minute” hätte das Zeug dazu, das Publikum anderthalb Stunden an den Fernseher zu fesseln, weil die Show eine simple Grundidee hat, die von jedem sofort verstanden wird, temporeich und spannend ist und Sat.1 ein sehr schönes Studio spendiert hat. Deshalb steht jetzt bei Spiegel Online eine einigermaßen euphorische Vorabkritik zur Sendung, die bereits den ersten Kommentatoren verdächtig vorkommt. (Aber so ist das immer: Wenn man was gut findet, gerät man in Verdacht, gekauft worden zu sein; und wenn man was Negatives schreibt, hats die Hälfte der Kommentatoren vorher gewusst.)

Hans Hoff fand’s in der “Süddeutschen” heute nicht so toll, weil in der geschnittenen Version “nur saubere Sätze” von Frau Kock am Brink übrig geblieben seien, aber wenig vom Charme der Aufzeichnung, die wegen ihrer ausufernden Mehrstündigkeit aber auch eine Strapaze gewesen sein muss. Thomas Lückerath war ebenfalls im Studio, fand’s schon eher “spannend”, schreibt für DWDL aber mehr darüber, dass “Die perfekte Minute” die Deutschland-Premiere der neuen Produktionsfirma Shine ist.

Und wenn Sie jetzt noch können, lesen Sie doch bitte auch das Porträt von Frau Kock am Brink, das ich für die “Berliner Zeitung” geschrieben habe und auf das ich eigentlich nur kurz hinweisen wollte.

bisher 4 Kommentare 30. April 2010

“Gordon Brown. GORDON BROWN!”

Es ist nicht ganz klar, ob die Briten nun zu bemitleiden sind – oder zu beneiden. Seit Gordon Brown vor zwei Wochen bekannt gegeben hat, dass die Wahlen zum Unterhaus für den 6. Mai angesetzt sind, befindet sich das Land in einer Art Zeitrafferwahlkampf, der all das, was hierzulande im vergangenen Jahr über Monate gestreckt wurde, in wenigen Wochen komprimiert. Das hat den Vorteil, dass es schneller wieder vorbei ist. An der Absurdität der Veranstaltung ändert es jedoch nichts.

Dass die drei großen Parteien sich auf ein Regelwerk mit 76 Punkten geeinigt haben, um zum ersten Mal in der Geschichte des britischen Fernsehen ein TV-Duell möglich zu machen, las sich da geradezu beruhigend: Offensichtlich sind die Deutschen mit ihrem Wahn, alles exakt kontrollieren zu wollen, damit sich auch ja niemand benachteiligt fühlen kann, nicht alleine.

Verständigt hat man sich auf drei Duelle, an denen die Spitzenkandidaten Gordon Brown (Labour), David Cameron (Conservatives) und Nick Clegg (Liberal Democrats) teilnehmen. Die Fragen werden von vorher ausgewählten Zuschauern im Studiopublikum gestellt, das nicht klatschen oder dazwischen rufen darf. (Nach zähen Verhandlungen ließ sich durchsetzen, dass das Atmen während der Sendung erlaubt bleibt.) Am Anfang gibt es für jeden Kandidaten die Gelegenheit zu einem einminütigen Auftaktstatement, anschließend sind für jeden Themenblock ca. 10 Minuten vorgesehen. (Die kompletten Regeln als pdf.)

Am vergangenen Donnerstag lief bei ITV 1 das erste Duell aus Manchester, das von 9,4 Millionen Zuschauern gesehen wurde. (Das zweite überträgt diese Woche Sky News, das letzte die BBC.) Und der große Unterschied zum deutschen TV-Duell war – dass diese 90 Minuten hochinteressant und überhaupt nicht zum Wegschalten waren.

Das lag im Wesentlich daran, dass im Studio nicht vier Journalisten von vier Sendern darum kämpften, sich mit ihren Fragen zu profilieren, sondern mit Alastair Stewart lediglich ein Moderator stand, der den drei Parteiführern abwechselnd das Wort erteilte und entschied, wann die nächste Frage gestellt werden sollte. Er ließ ihnen genügend Zeit, um ihre Argument vorzubringen, unterbrach aber sofort bei Wiederholungen. Zweifelte einer die Argumente des Herausforderers an, durfte dieser sich sofort dazu äußern, nachdem Stewart laut dessen Namen gerufen hatte. Notfalls auch mehrere Male, wie Nick Clegg zu spüren bekam als Stewart das Wort an den amtierenden Premier weitergab:

“Gordon Brown. GORDON BROWN! Thank you. THANK YOU! Mister Brown.”

Niemand weinte, dass er jetzt auch mal ausreden wolle. Alle akzeptierten die Autorität des Moderators. Statt einschläferender Monolge wie in deutschen TV-Duellen kam in der erste “Election Debate” dadurch tatsächlich eine Diskussion zustande, bei der jeder unmittelbar auf den anderen eingehen konnte. Und der Zuschauer konnte leicht vergleichen, welche Argumentation er schlüssiger findet.

Daran, dass die Briten im Fernsehen die bessere Comedy und die besseren Serien machen, hat man sich gewöhnen können. Aber dass sie jetzt, mit acht Jahren Verspätung und ohne vorherige Übung, auch noch die TV-Duelle besser hinkriegen als wir, ist eine Beleidigung.

bisher 8 Kommentare 19. April 2010

Zwei Konsequenzen müssen wir abziehen

Der Kollege Daniel Bouhs berichtete kürzlich in der “taz” über den Test bei ARD aktuell, Zuständigkeiten neu aufzuteilen. Redakteure planen nun nicht mehr nur die “Tagesschau” im Ersten, sondern (unter anderem) auch die laufende Berichterstattung für den Nachrichtensender Eins Extra. (Ausgenommen ist nur die 20-Uhr-”Tagesschau”.) Wer den Text noch nicht gelesen hat: Hier können Sie’s nachholen.

Ach so, und – wenn wir gerade schon dabei sind – bei Eins Extra lief gestern Abend folgende Anmoderation in der Viertelstundenrotation:

“Margot Käßmann ist von ihren Ämtern (…) zurückgetreten. Damit zieht Käßmann die Konsequenzen aus einem Vorfall vom Wochenende. Die bisherige hannoversche Landesbischöfin war mit 1,54 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Am Nachmittag zog sie deshalb die Konsequenzen.”

Der Beitrag danach begann mit den Worten:

“Margot Käßmann zieht die Konsequenzen aus Ihrem Fehlverhalten vom Wochenende.”

Viele Redakteure bei ARD aktuell finden die Neuordnung der Zuständigkeit, die erstmal auf vier Wochen angelegt ist, übrigens nicht so toll, weil sie glauben, dass dann weniger Zeit bleibt, um sich ordentlich auf eine Sendung zu konzentrieren. Vielleicht würde es sich lohnen, das mal zu prüfen und daraus Konsequenzen zu ziehen.

bisher 1 Kommentar 24. Februar 2010

Das ging wirklich schnell

Neulich stand an dieser Stelle ja bereits etwas zur Nachhaltigkeit des Erfolgs des Gewinners der letztjährigen “DSDS”-Staffel. Aber wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer.

singleschum01

bisher 7 Kommentare 24. Januar 2010

“Explosiv” und die “reflexhafte Boulevardschelte”

Vor anderthalb Wochen habe ich im Fernsehblog drüben bei FAZ.NET einen kleinen Leitfaden geschrieben, wie man sich (am konkreten Beispiel) einen “Explosiv”-Beitrag zusammenbaut. In den Kommentaren darunter hat sich eine interessante Diskussion darüber entwickelt, was Boulevardjournalismus alles darf. Daran beteiligte sich erfreulicherweise auch ein Kollege, der für “Explosiv” arbeitet.

Einerseits finde ich das große Klasse, wenn sich jemand so einmischt und der Diskussion stellt – andererseits bin ich noch immer erschrocken darüber, wie wenig der Kollege damit anzufangen wusste, dass viele Kommentatoren (inklusive mir) es für richtig halten, wenn es auch im Boulevard eine gewisse Moral beim Umgang mit fernsehunerfahrenen Protagonisten gibt. Sein Argument ist, sofern ich das richtig verstanden habe: Wenn jemand eine Einverständniserklärung unterschreibt, dass er gefilmt werden darf, dann entbindet das die Redakteure von jeglicher Verantwortung, darauf zu achten, dass dieser jemand sich nicht vielleicht gandenlos selbst blamiert. Es ist ein bisschen das “DSDS”-Phänomen: Wer zum Casting kommt, ist selber schuld, er muss doch damit rechnen, verarscht zu werden.

Dass manche Leute damit gar nicht rechnen, aus Gutgläubigkeit oder Naivität, zählt in dieser Argumentation nicht.

Nun ist es eine schwierige Sache: Muss man Leute, die ins Fernsehen wollen oder sich vom Fernsehen dazu überreden zu lassen, vor sich selbst schützen? Ist das nicht auch irgendwie anmaßend? Ich weiß es nicht so genau. Aber eben deswegen wünschte ich mir Redakteure, die selbst entscheiden, wo die Grenzen sind, ab wann man sich über jemanden nicht mehr nur lustig macht, sondern ihm massiv schadet. Das Ärgerlichste daran finde ich, wenn dieses Sich-Lustigmachen in einem Tonfall passiert, der vollständige Überlegenheit ausstrahlt, wie es “Explosiv” so perfekt beherrscht. Na klar, der Redakteur im Schnitt sitzt am längeren Hebel, wenn sich vor seiner Kamera jemand blamiert hat. Aber machen wir das nicht zu kompliziert.

Eigentlich wollte ich bloß empfehlen, noch einmal einen Blick auf die (langen) Kommentare unter dem Eintrag zu werfen, vor allem die des “Explosiv”-Kollegen, in dessen (bisher) letztem Kommentar einige ganz erstaunliche Sätze stehen:

“Nur verwechseln Sie, ihre persönlichen Moralvorstellungen mit allgemeingültigen. Es ist in unserer Gesellschaft aber so, dass wir uns auf einen bestimmten Wertekanon geeinigt haben, der Eingang in unsere Gesetze und Regeln des Zusammenlebens gefunden hat. Darüber hinaus gibt es andere, die eben gerade nicht Allgemeingültigkeit erlangen sollen. Es steht jedem frei trotzdem danach zu leben, aber diese persönlichen Vorstellungen anderen vorzuschreiben, geht nicht. Das hat etwas Autoritäres.
(…)
Hier wird der eigene Geschmack zum allgemeingültigen Gesetz erklärt – und nur dagegen wende ich mich. Ich verstehe sogar ganz gut, dass einige hier Abneigungen gegen das Millieu haben, aus dem wir berichten, dass einigen vielleicht auch die Verhältnisse zuwider sind, die wir zeigen. Diese politisch nicht ganz korrekte Abneigung arbeiten Sie um in eine reflexhafte Boulevardschelte. Als sei der Überbringer der Nachrichten das eigentliche Übel. Aber nochmal: diese Verhältnisse existieren unabhängig davon, wer darüber berichtet. Ich bin auch ganz froh, dass die Mehrheit in diesem Forum – zumindest soweit sie hier autoritäre Auffassungen vorträgt – nicht mitzureden hat, wenn es um die Ausgestaltung von Pressefreiheit geht. Denn die Freiheit zu berichten ist nicht dazu da, meinen Berufsstand zu schützen, sondern das Informationsbedürfnis der Zuschauer. Und das hier vorgetragene Argument, die seien alle nur zu dumm, das richtige Bedürfnis zu haben, zeigt nur, wie wichtig dieser Schutz ist. Denn wo kämen wir da hin, wenn ein paar wenige, die sich nur für schlau genug halten, allen anderen vorschreiben dürften, was ihnen gefallen darf und was nicht.”

Ich hab bisher immer gedacht: Vielleicht ist es einfach konsequentes Profitdenken, dass man sich bei RTL bisher nicht auf Diskussionen darüber einlässt, ob “Deutschland sucht den Superstar”, wenn es Bewerber in den Castings bloßstellt, nach Ansicht vieler Menschen zu weit geht; vielleicht nehmen die das in Kauf, blenden es aus, weil die Quoten gut sind und die Einnahmen stimmen.

Aber womöglich sind die Leute, die für “DSDS” oder “Explosiv” arbeiten, auch vollständig davon überzeugt, dass man andere Menschen nach Lust und Laune vor der Kamera vernichten darf, wenn sie sich nicht rechtzeitig dagegen gewehrt haben, womöglich ist es für sie eine Gewissheit, dass all die Bedenken, die sich dagegen richten, Quatsch sind, sonst hätte sie ja längst jemand ins Gesetz geschrieben.

Und ich weiß gerade nicht mehr, welche der beiden Varianten ich gruseliger finde.

bisher 12 Kommentare 14. Januar 2010

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...28 29 30 Next

ältere Beiträge


Themenarchiv

Blog-Kalender

September 2010
M D M D F S S
« Aug    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Blog-Archiv