Daniela Voxenberger blamiert RTL 2

Lange kann es nicht mehr dauern, bis die so genannte “Kult-Blondine” Daniela Katzenberger wirklich in jeder Sendung auf Vox auftaucht, den US-Serien inklusive. Kürzlich liefen bereits zwei “Goodbye Deutschland”-Specials, im September folgt die eigene Dokusoap, und wahrscheinlich konnte sich Sarah Connor beim Juryvorsitz der neuen Castingshow “X-Factor” nur knapp gegen die Katzenberger durchsetzen.

Am Sonntagabend wurde der selbst geschaffene Hype um die Ludwigshafenerin erst noch mal erfolgreich mit deren Auftritt beim “Perfekten Promi-Dinner” befeuert. In den Pausen liefen Trailer für das nachfolgende Boulevardmagazin “Prominent!”, in dem Katzenberger gleich zu Anfang auch noch mal auftauchte, um ihren Hit “Nothing’s gonna stop me now” vorzustellen.

“Daniela Katzenberger goes Popstar und präsentiert live und exklusiv bei uns ihre erste Single”,

kündigte die Off-Sprecherin die Sensation im Nachfolgeprogramm an. Und so sieht’s aus, wenn Vox-Boulevardtante Constanze Rick was “exklusiv” hat:

Daniele Katzenberger bei "The Dome"
Screenshot: Vox

Katzenbergers Auftritt war am Wochenende natürlich bei der RTL-2-Musikshow “The Dome” und der Vox-Bericht ist insofern “exklusiv” als dass RTL 2 sich noch ein paar Tage Zeit lässt, das Teenager-Spektakel fernsehgerecht zusammenzuschneiden, um es am kommenden Wochenende zu senden.

Wirklich exklusiv hingegen war, dass Katzenberger (die auch als Promireporterin beim “Dome” eingeteilt war) enttarnte, was man bei RTL 2 seinen “Reportern” auf die Karteikärtchen schreibt, damit die am roten Teppich auch was zu fragen haben, wenn sie vor den “Stars” stehen:

Fragen für Reporter bei "The Dome"
Screenshot: Vox

Allgemein Fragen
Deutsch:

Hallo wie geht’s dir?
Auf was freust Du Dich heute am meisten?
Was sehen wir denn heut von Dir?
Hasz Du Lampenfieber?
Auf wen freust Du Dich heut am meisten?
DANKE und viel Spass bei THE DOME.”

Das war dann sogar Deutschlands aktueller Lieblingsblondine eine Nummer zu blöd.

bisher 4 Kommentare 30. August 2010

“Popstars Girls forever”: Das Ganze noch mal in rot

Huch, ist “Deutschland sucht den Superstar” schon wieder gestartet? Da ging die Zeit aber schnell rum dieses Mal. War doch gerade erst Finale. Hab ich heute Abend gedacht – und dann das Pro-Sieben-Logo oben in der Ecke meines Fernsehers entdeckt. “Popstars” also. Ist jetzt ja auch schon die neunte Staffel im deutschen Fernsehen. Aber entweder habe ich vorher zuviel “DSDS” gesehen. Oder die Leute von Tresor TV.

"Popstars" vs. "DSDS"
Screenshots: Pro Sieben, RTL

Es kann natürlich sein, dass die Verwechselung mit der RTL-Castingvariante daher kommt, dass “Popstars” sich ausgerechnet Thomas Stein als neuen Juror geholt hat, der in den ersten beiden “DSDS”-Staffeln dabei war.

Oder daher, dass die Castings inzwischen genauso wie bei “DSDS” aufgebaut sind, weil sich der Fokus noch viel stärker auf einzelne Kandidatinnen richtet und diese nachhause begleitet werden. Manchmal war das Kamerateam schon vor dem eigentlichen Auftritt da, damit sich die Leute vorblamieren können.

Gut möglich auch, dass es am fürchterlichen Schnitt lag, der sämtliche Ereignisse in kurze Einzelteile zerlegt, um sie dann wieder übereinander zu schichten. Dönerfernsehen sozusagen.

Es kann auch sein, dass Charlotte Engelhardt schuld ist, die jetzt als weiblicher Marco Schreyl die Kandidatinnen nach ihrem Auftritt vor der Jury mit Wie-war’s-Fragen nervt…

…zum Beispiel die 21-jährige Yasemin, die deshalb so auffällt, weil sie ihren paarundfünfzigjährigen Freund mitbrachte, mit dem sie auch schon auffiel als er zum letzten “DSDS”-Casting mitkam. Diesmal hat es immerhin noch für einen weiteren Auftritt in “Red!” gereicht.

Möglich, dass es am Vorspann lag, in dem neuerdings Konzertbesucher einem Bühnenstar zujubeln, nur nicht in blau wie bei “DSDS”, sondern mit rotem Hintergrund. Oder daran dass die “Popstars”-Jury jetzt von Anfang an hinter einem Pult sitzt und nicht mehr auf Barhockern. Vielleicht auich weil im Hintergrund “Whataya want from me” lief, das Daniel Schumacher so gerne covert.

Am Ende war die Sache dann aber doch relativ eindeutig. Nämlich als Detlef D! Soost noch unsympathisch-arroganter in die Kamera redete als Dieter Bohlen es jemals könnte. Wegen der Auftritte der talentfreien Kandidaten fragte Soost: “Warum hat niemand sie davon abgehalten, dass sie sich vor uns blamieren?”

Weil du sonst kein Geld damit verdienen könntest, Detlef. Deswegen.

bisher 4 Kommentare 19. August 2010

Ernie & Bert fahren am liebsten Volkswagen

Am Sonntag war die “Kika Sommer-Tour” am Berliner Ostbahnhof zu Gast. Sie wissen schon: Kika, der Kinderkanal von ARD und ZDF, der gerne mit der Werbefreiheit seines Programms wirbt, mit der Werbefreiheit seines Online-Angebots und der Werbefreiheit seiner kürzlich per Drei-Stufen-Test genehmigten Lern- und Spieleplattform kikaninchen.de.

Letztere durfte auf der “Sommer-Tour” ihren eigenen Hindernisparcours aufbauen, für den sich Eltern mit dem Nachwuchs an Schildern anstellten, auf denen stand: “Ab hier noch 120 Minuten warten.” Aber das war natürlich nicht das einzige Highlight der Tour. Hier sind die anderen: zum Beispiel der große Informationsstand der Deutschen Bahn …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… und die “VW Youngstar-Welt”, in der Kinder “Automobile auf spielerische Art und Weise entdecken”, wie die VW-Pressestelle informiert. Unter anderem auf einem Verkehrsübungsplatz, der mit kleinen New Beetles befahren werden konnte …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… oder am VW-Fahrsimulator …

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

… und natürlich beim Packspiel, bei dem Familien innerhalb von zwei Minuten so viele Gepäckstücke wie möglich in einen VW Sharan räumen mussten, um eine Ballonfahrt zu gewinnen. Nebenbei erfuhren Mama und Papa, dass dieser Sharan unglaublich geräumig ist, wie der Mitarbeiter im Kika-Hemd am Mikrofon erklärte.

Kika Sommer-Tour 2010 in Berlin

Es ist ein merkwürdiges Selbstverständnis, das der Kika pflegt: einerseits herauszustellen, dass sein Programm dank Gebühren ohne Werbung auskommt und andererseits mehrere hundert Quadramtmeter seiner “Sommer-Tour” an Werbepartner zu vermieten. Dies geschehe allerdings “ohne kommerziellen Ansatz”, betont Kika-Sprecherin Christiane Rohde auf Nachfrage. Die Partner seien notwendig, um die Tour eintrittsfrei zu halten. Das mag ja stimmen und “streng an den Richtlinien” orientiert sein, die sich der Sender selbst gegeben hat, unterscheidet die Veranstaltung aber ganz und gar nicht mehr von denen der Konkurrenten Super RTL und Nick, von denen man sich beim öffentlich-rechtlichen Kika sonst so gerne abgrenzt.

Kika-Sprecherin Rohde erklärt auch noch, warum die Werbung eigentlich gar keine Werbung ist:

“Die Auswahl der Kooperationspartner erfolgt selektiv und muss mit den Grundregeln des Kika vereinbar sein. So wird Wert darauf gelegt, dass dieser Partner nicht Kinder als direkte Zielgruppe sehen.”

Stimmt: Der Kika nutzt seine junge Zielgruppe bloß als Lockmittel für die Eltern, die ja zwangsläufig mit zu so einer Veranstaltung kommen, wo sie dann die Vorzüge eines neuen Wagens angepriesen bekommen.

Wie gut die Symbiose funktioniert, zeigt sich unter anderem daran, dass jeweils am Tag vor der “Sommer-Tour”, die Woche für Woche eine andere Stadt bereist, ein VW-Händler zum “Foto-Shooting mit Ernie & Bert” – und wie in Berlin: samt Autohaus-Maskottchen – bittet, wo sich die Kinder mit riesigen Sesamstraßen-Figuren fotografieren lassen können während sich die Eltern über neue Sondermodelle informieren. Im Autohaus natürlich.

Fotoshooting Ernie & Bert beim VW-Händler in Berlin

Nachher gibt’s einen Kika-VW-Ferienplan als Andenken – und die Fotos dürfen eine Woche später beim Händler abgeholt werden.

Ich kann Ihnen trotzdem nur raten: gehen Sie, die in Wiesbaden, Hamburg und Erfurt noch eingeladen sind, dort nicht hin, wenn Sie ihre Kinder gern haben. Dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, mögen die meisten jungen Seelen ja noch verkraften. Aber Ernie und Bert zu sehen, die traurig die Schultern hängen lassen und nachher mit gesenktem Kopf zur Rauchpause aus dem Hintereingang eines Autohauses im Industriegebiet schlurfen, wird auch dem hartgesottensten Kind einen Knacks fürs Leben versetzen.

bisher 39 Kommentare 19. August 2010

“Danke schön, Betty Barclay”

Anfang Mai im “ZDF-Fernsehgarten”: Moderatorin Andrea Kiewel begrüßt die Chefdesignerin des Modelabels Betty Barclay bei sich in der Sendung. “Wir kennen uns ja noch vom letzten Jahr. Bei ihr ist definitiv Sommer – und darum geht’s jetzt auch in der tollen Betty-Barclay-Modenschau.”

Lange Bluse mit kräftigen Drucken sind ein tolles Sommernanfangs-Outfit. Tunika und die passende Tasche gehören dazu. Kleine Jäckchen sind die Muss-Artikel. Kiewel sagt: “Toll.” Und: “Ein ganz schönes Kleid, wirklich.” Und: “Sehr schön.” Die Designerin sagt: “Schmuck komplettiert jedes Outfit, ist also ganz wichtig – auch von Betty Barclay.” Und Kiewel: “Danke schön, Betty Barclay.” Zumal der nächste Musil-Act “so toll zur Mode von Betty Barclay” passt. Im Abspann steht für eine Sekunde: “Zu dieser Sendung wurde Produktionshilfe geleistet von: Betty Barclay.”

Es ist beim ZDF ein übliches Verfahren, Unternehmen im “Fernsehgarten” ihre Produkte präsentieren zu lassen ohne das Werbung nennen zu müssen, ermöglicht durch neue Vorgaben im 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag.

Produktionshilfen im "Fernsehgarten"-Abspann
Screenshots: ZDF

Und eine ziemliche Unverschämtheit für jeden Gebührenzahler, der ein unabhängiges und werbefreies Programm erwartet. Bei den Kollegen vom “journalist” steht eine Auflistung bisheriger “Produktionshilfe”-Partner der aktuellen “Fernsehgarten”-Saison und eine Meldung zum Text, den ich für die Printausgabe geschrieben habe (derzeit nicht frei online).

Mehr zu den “Fernsehgarten”-Deals: “Vielen Dank für die Blumen” (Spiegel Online vom Mai).

bisher 6 Kommentare 03. August 2010

Gemischtes Doppel

… kann nicht nur sueddeutsche.de:

gemdoppel02

bisher 6 Kommentare 19. Mai 2010

Mehr Helikopter wagen!

Liebe KEF, wir müssen reden. Ich weiß, du hast deinen Bericht für die Gebührenperiode bis zum Jahr 2012 bereits veröffentlicht, alles ist sorgfältig ausgerechnet und abgewogen. Dennoch wird eine Korrektur notwendig sein: ARD und ZDF brauchen ein klitzekleines bisschen mehr Geld als gedacht.

Um sich einen Helikopter zu kaufen.

Ich will ehrlich sein: Das ist auf meinem Mist gewachsen – gestern, als ich live im britischen Fernsehen sah, wie Gordon Brown in einer bewegenden Rede vor No. 10 Downing Street seinen Rücktritt als Premierminister verkündete und anschließend mit seiner Frau in den Wagen stieg, um wenige hundert Meter bis zum Buckingham Palace zu fahren, wo er von der Queen offiziell aus dem Amt entlassen wurde. Das Fernsehen war die ganze Zeit dabei, und es hat mich auch auf diesem Weg, als Brown für wenige Minuten im Auto saß, nicht allein gelassen. Denn über der Stadt rotierte der Skycopter des Nachrichtensenders Sky News.


Screenshot: Sky News

Im Buckingham Palace selbst durfte nicht gedreht werden, aber es dauerte nicht lange, bis Brown wieder ins Auto stieg und zum Hauptquartier seiner Labour-Partei fuhr, wo er eine weitere bewegende Rede hielt – natürlich ohne dass ihn die von oben auf sein Auto gerichtete Kamera bis dahin aus der Linse gelassen hätte.

Kurze Zeit war auch Wahlsieger David Cameron unterwegs – zumindest hatte der Skycopter einen silbernen Wagen eingefangen, der Richtung Buckingham Palace steuerte (auch wenn die Reporterin der Vollständigkeit dazu sagte, man sei nicht ganz sicher, ob der Wagen wirklich Camerons sei) und anschließend zur Downing Street fuhr.


Screenshots: Sky News

Nun ist es vermutlich Ehrensache, wenn ein Sender Sky heißt, dass er sich auch einen Helikopter leistet, um bei wichtigen Anlässen den Überblick zu behalten. Aber für einen einfachen Zuschauer wie mich, der sonst vorrangig deutsches Nachrichtenfernsehen sieht, das ständig von Ufo-Reportagen oder Ulrich Deppendorf unterbrochen wird, war es ein geradezu erhebendes Gefühl: London glänzte in der Abendsonne, Fotografen rannten den Fahrzeugen nach, um den einen Schnappschuss zu machen, der am anderen Morgen die Titelseiten schmücken würde. Cameron stand eine Zeitlang im Feierabendstau, fast hätte ein Bus seinen Wagen angeschrammt. Und ich hatte das Gefühl, in einem sehr, sehr wichtigen Moment dabei zu sein – alleine schon der Perspektive wegen, die man als Deutscher nur von der Verfolgungsjagd auf OJ Simpson oder aus der RTL-Sendung „Die dümmsten Autofahrer“ kennt.

Ich finde, wir brauchen das auch.

Man muss sich das nur mal kurz vorstellen: Was wäre es für eine Bereicherung gewesen, wenn die ARD am vergangenen Sonntag nicht doof im Düsseldorfer Landtag gestanden hätte als sich Wahlverlierer Jürgen Rüttgers heimlich durch einen Nebenausgang absetzte anstatt wie versprochen bis zur „Tagesschau“ zu bleiben. Mit Helikopter (und Frank Plasberg an Bord) wäre es ein Leichtes gewesen, ihn zu stellen!

Und dann Angela Merkel bei ihrer Vulkanasche-Fahrt quer durch Europa! Mit dem Mobiltelefon haben sich die Journalisten von ARD und ZDF in die Livesendungen telefoniert, um zu berichten, dass ihr Begleitbus gerade eine Panne hatte und die Kanzlerin schon mal vorgefahren ist. Spätestens in diesem Moment hätte man doch einsehen müssen, dass es ohne Heli nicht mehr geht.

Auf N24 und n-tv wird da nicht zu hoffen sein. Wenn die sich eine solche Anschaffung überhaupt leisten können, müsste der Reporter aus Spargründen vermutlich gleichzeitig steuern und filmen. Solche Wackelbilder sind aber zuhause kaum noch jemandem zumutbar. Also ruht die Hoffnung auf ARD und ZDF. Es ist höchste Zeit: Deutschland braucht einen gebührenfinanzierten Nachrichtenhelikopter!

bisher 11 Kommentare 12. Mai 2010

Massenabfertigung in Zeiten der Krise

So sah das aus als Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern dem “RTL Nachtjournal”-Moderator Cristof Lang anlässlich der Griechen- und Euro-Krise ein Interview gab:

kriseninterv01
Screenshot: RTL

Und so sah das aus als Merkel dem N24-Chefredakteur Peter Limbourg ein sehr ähnlich klingendes Interview gab:

kriseninterv02
Screenshot: N24

Bei ARD und ZDF hat sich Merkel dann auch noch interviewen lassen (allerdings vor anderen Kulissen), vermutlich war auch das Gespräch mit Tele 5 schon zugesagt bis dem Sender aufgefallen ist, dass er gar keine Nachrichten sendet, auf jeden Fall hat sie überall mit großer Geduld das wiederholt, was sie zuvor schon sehr oft erzählt hatte. Aber am Ende ist nur RTL auf die Idee gekommen, das vorab in eine Pressemitteilung zu schreiben und dazu zu notieren:

“Bei Verwendung bitte Quellenhinweis ‘RTL Nachtjournal’ beachten!”

bisher 3 Kommentare 04. Mai 2010

Die will doch nur spielen

perfmin05
Foto [M]: Sat.1

“Der Begriff ‘Gameshow’ ist in Deutschland immer so ein bisschen ‘bäh’”,

hat Ulla Kock am Brink gesagt als ich sie letzte Woche in Berlin traf, weil sie ab diesem Freitag eine neue Gameshow für Sat.1 moderiert. Irgendwie ist es hierzulande verpönt, sich davon unterhalten zu lassen, wie Kandidaten im Fernsehen in mehr oder weniger spektakulären Spielen um die Wette eifern. Es sei denn, Günther Jauch sitzt in der Nähe. Das mag daran liegen, dass es dabei meistens um Geld geht (und wenn es um Geld geht, hört bei den Deutschen der Spaß nunmal auf, es sei denn Günther Jauch… – Sie wissen schon).

Es könnte aber auch sein, dass es einfach Jahre lang keine gute Spielshow im Fernsehen mehr gegeben hat. Oder sagen wir besser: keine gute Spielshow, die unter fünf Stunden dauert.

Meine Spontanweiterbildung zum Gameshow-Moderator hat Frau Kock am Brink bei unserem Treffen keine große Hoffnung gemacht, weil ich mir immer so wild im Gesicht herum gestikuliere, sagt sie (und seitdem versuche ich nur noch unterm Tisch zu gestikulieren), hat dann aber doch ein paar Tipps gegeben:

“Spontaneität in der richtigen Temperatur – das muss man lernen: Dass man nicht in der Not plötzlich derbe Witze macht, nicht immer in derselben Tonlage herumschreit, die Blicke des Publikums aushält. Die gucken einfach. Das muss man akzeptieren – und zurück gucken können.”

Ich glaube, ich überlass das trotzdem lieber ihr, sie kann das ganz gut. Und ich glaube auch, “Die perfekte Minute” hätte das Zeug dazu, das Publikum anderthalb Stunden an den Fernseher zu fesseln, weil die Show eine simple Grundidee hat, die von jedem sofort verstanden wird, temporeich und spannend ist und Sat.1 ein sehr schönes Studio spendiert hat. Deshalb steht jetzt bei Spiegel Online eine einigermaßen euphorische Vorabkritik zur Sendung, die bereits den ersten Kommentatoren verdächtig vorkommt. (Aber so ist das immer: Wenn man was gut findet, gerät man in Verdacht, gekauft worden zu sein; und wenn man was Negatives schreibt, hats die Hälfte der Kommentatoren vorher gewusst.)

Hans Hoff fand’s in der “Süddeutschen” heute nicht so toll, weil in der geschnittenen Version “nur saubere Sätze” von Frau Kock am Brink übrig geblieben seien, aber wenig vom Charme der Aufzeichnung, die wegen ihrer ausufernden Mehrstündigkeit aber auch eine Strapaze gewesen sein muss. Thomas Lückerath war ebenfalls im Studio, fand’s schon eher “spannend”, schreibt für DWDL aber mehr darüber, dass “Die perfekte Minute” die Deutschland-Premiere der neuen Produktionsfirma Shine ist.

Und wenn Sie jetzt noch können, lesen Sie doch bitte auch das Porträt von Frau Kock am Brink, das ich für die “Berliner Zeitung” geschrieben habe und auf das ich eigentlich nur kurz hinweisen wollte.

bisher 4 Kommentare 30. April 2010

Krass: Wetterbericht wird wegen Wetter gesehen!

Mein Lieblingsmedium für Branchennonsens hat erneut zugeschlagen: der “Kontakter”. Diese Woche gab es wieder mal eine brandheiße Vorabmeldung mitzuteilen:

Wetterfrosch Kachelmann wird nicht vermisst
München (ots) – Der wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einsitzende ARD-Wettermann Jörg Kachelmann wird von den Zuschauern offenbar nicht vermisst. “Die Zuschauerzahlen haben sich weder nach oben noch nach unten verändert”, sagte ein ARD-Sprecher dem Branchenmagazin Kontakter. Selbst Kristina Schleß, Geschäftsführerin von Kachelmann Meteomedia GmbH, sieht den Zuspruch der Wetteransage in “Tagesschau” und “Tagesthemen” nicht vom Auftreten des Wetter-Propheten abhängig. “Wie die Quoten bestätigen, hängt der Erfolg der Wetterpräsentation nicht von Herrn Kachelmann ab”, so die Meteomedia-Chefin. Kachelmann hatte an durchschnittlich fünf Tagen im Monat in der ARD und den Dritten Programmen das Wetter moderiert. Derzeit wird das Wetter von Claudia Kleinert und Sven Plöger präsentiert.

Na sowas. Zuschauer, die sich den Wetterbericht ansehen, schalten also nicht ein, um Jörg Kachelmann zu sehen – sondern um sich erklären zu lassen, wie morgen das Wetter wird!

Zugegeben: Es ist ja gut möglich, dass manche Leute seltener wegschalten, wenn beispielsweise das “heute journal” von Claus Kleber moderiert wird. Aber schon die Idee, das jemand ausschließlich für den (kurzen) Wetterbericht am Ende einer Nachrichtensendung einschaltet, ist doch eher abwegig. Vielleicht haben die “Kontakter”-Kollegen aber auch schon die nächste Exklusivmeldung in petto, in der steht, dass die “Tagesschau” die höchsten Quoten hat, wenn sie von Jens Riewa moderiert wird.

Man kann sowas ja auch aufschreiben. Aber nur, wenn einem sonst wirklich gar nichts einfällt, mit dem sich die Spalten seines “internationalen Nachrichtendiensts” füllen ließen.

bisher 14 Kommentare 28. April 2010

“Gordon Brown. GORDON BROWN!”

Es ist nicht ganz klar, ob die Briten nun zu bemitleiden sind – oder zu beneiden. Seit Gordon Brown vor zwei Wochen bekannt gegeben hat, dass die Wahlen zum Unterhaus für den 6. Mai angesetzt sind, befindet sich das Land in einer Art Zeitrafferwahlkampf, der all das, was hierzulande im vergangenen Jahr über Monate gestreckt wurde, in wenigen Wochen komprimiert. Das hat den Vorteil, dass es schneller wieder vorbei ist. An der Absurdität der Veranstaltung ändert es jedoch nichts.

Dass die drei großen Parteien sich auf ein Regelwerk mit 76 Punkten geeinigt haben, um zum ersten Mal in der Geschichte des britischen Fernsehen ein TV-Duell möglich zu machen, las sich da geradezu beruhigend: Offensichtlich sind die Deutschen mit ihrem Wahn, alles exakt kontrollieren zu wollen, damit sich auch ja niemand benachteiligt fühlen kann, nicht alleine.

Verständigt hat man sich auf drei Duelle, an denen die Spitzenkandidaten Gordon Brown (Labour), David Cameron (Conservatives) und Nick Clegg (Liberal Democrats) teilnehmen. Die Fragen werden von vorher ausgewählten Zuschauern im Studiopublikum gestellt, das nicht klatschen oder dazwischen rufen darf. (Nach zähen Verhandlungen ließ sich durchsetzen, dass das Atmen während der Sendung erlaubt bleibt.) Am Anfang gibt es für jeden Kandidaten die Gelegenheit zu einem einminütigen Auftaktstatement, anschließend sind für jeden Themenblock ca. 10 Minuten vorgesehen. (Die kompletten Regeln als pdf.)

Am vergangenen Donnerstag lief bei ITV 1 das erste Duell aus Manchester, das von 9,4 Millionen Zuschauern gesehen wurde. (Das zweite überträgt diese Woche Sky News, das letzte die BBC.) Und der große Unterschied zum deutschen TV-Duell war – dass diese 90 Minuten hochinteressant und überhaupt nicht zum Wegschalten waren.

Das lag im Wesentlich daran, dass im Studio nicht vier Journalisten von vier Sendern darum kämpften, sich mit ihren Fragen zu profilieren, sondern mit Alastair Stewart lediglich ein Moderator stand, der den drei Parteiführern abwechselnd das Wort erteilte und entschied, wann die nächste Frage gestellt werden sollte. Er ließ ihnen genügend Zeit, um ihre Argument vorzubringen, unterbrach aber sofort bei Wiederholungen. Zweifelte einer die Argumente des Herausforderers an, durfte dieser sich sofort dazu äußern, nachdem Stewart laut dessen Namen gerufen hatte. Notfalls auch mehrere Male, wie Nick Clegg zu spüren bekam als Stewart das Wort an den amtierenden Premier weitergab:

“Gordon Brown. GORDON BROWN! Thank you. THANK YOU! Mister Brown.”

Niemand weinte, dass er jetzt auch mal ausreden wolle. Alle akzeptierten die Autorität des Moderators. Statt einschläferender Monolge wie in deutschen TV-Duellen kam in der erste “Election Debate” dadurch tatsächlich eine Diskussion zustande, bei der jeder unmittelbar auf den anderen eingehen konnte. Und der Zuschauer konnte leicht vergleichen, welche Argumentation er schlüssiger findet.

Daran, dass die Briten im Fernsehen die bessere Comedy und die besseren Serien machen, hat man sich gewöhnen können. Aber dass sie jetzt, mit acht Jahren Verspätung und ohne vorherige Übung, auch noch die TV-Duelle besser hinkriegen als wir, ist eine Beleidigung.

bisher 8 Kommentare 19. April 2010

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